Ulrich Singer ist das Gesicht der AfD im Kreis Donau-Ries. Doch nicht nur hier hat der Donauwörther Rechtsanwalt von sich reden gemacht. Singer ist seit 2018 Landtagsabgeordneter, zudem war er zwischen März 2022 und Oktober 2023 Fraktionsvorsitzender der AfD im Bayerischen Landtag. Singer ist zugezogener Donauwörther – zuletzt hatte er seine Kanzlei in Wemding, nun ist
der Lebensmittelpunkt die Große Kreisstadt, wo der 49-Jährige mit Frau und Tochter wohnt. Eigentlich stammt er aus Oberbayern, doch schon lange lebt und arbeitet der Jurist in Nordschwaben.
Singer sorgte nicht zuletzt wegen seiner Kontakte zu Russland immer wieder auch für überregionale Schlagzeilen. Er sagt: „Wir wollen Frieden mit Russland – aber deswegen muss ich die dortige Politik nicht gutheißen.“ Nahe Moskau besitzt Singer seit einiger Zeit eine Datscha, er selbst spricht russisch.
AfD-Politiker lehnt „Deportationen“ nach US-Vorbild ab
Unzweifelhaft ist, dass die AfD insgesamt bis dato eher mit überregionalen Themen aufgefallen ist. Grund dafür ist wohl auch die scharfe Rhetorik der Partei, etwa in der Migrationspolitik. Was ist Singers Haltung hierzu? Angesprochen auf die US-amerikanische Polizei- und Zollbehörde ICE, die mit Jagdszenen auf Migranten Schlagzeilen macht, sagt der Donauwörther Politiker: „Wir wollen die rechtliche Ordnung in Deutschland wiederherstellen.“ Illegale Migration müsse „beendet“ werden.
Und eine Truppe wie ICE, was denkt er darüber? Nein, so etwas wolle man nicht: „Wir wollen keine Deportationen.“ Es gelte stets eine „Prüfung des Einzelfalls“, auch im Bereich „illegale Migration“. Im Ton wünsche er sich, der sich als „konservativ“, aber nicht als politisch rechts bezeichnet, „mehr Sachlichkeit“. Singers Parteikollegin und bayerische AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner befand zuletzt eben jene Sonderpolizei-Truppe durchaus für passend und brachte eine zu gründende „Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe“ (AFA) der bayerischen Polizei ins Spiel. Dass einige Mandatsträger der AfD deutschlandweit immer wieder mit rechtsradikaler Rhetorik und teils auch mit Kontakten in die rechtsextremistische Szene auffielen, bezeichnet Singer als Ausnahmefälle: Letzten Endes hätte doch jede Partei ähnliche „Ausreißer“ in ihren Reihen.
Singer bewirbt sich erneut als Landratskandidat im Kreis Donau-Ries
Allerdings gelten die Landesverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg als gesichert rechtsextremistisch. Auch bundesweit war die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden, da die Partei aber dagegen klagt, ist diese Einstufung vorerst ausgesetzt. Die Partei ist aber ein Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen, unter anderem auch der bayerische AfD-Landesverband wird vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.
Als Landratskandidat tritt Singer indes nicht zum ersten Mal im Kreis Donau-Ries an. Der Posten reize ihn, er sei eine Möglichkeit, nach den Jahren in der Opposition im Bayerischen Landtag direkt gestalterisch politisch tätig zu sein. Für den amtierenden Landrat der CSU, Stefan Rößle, findet Singer derweil fast nur lobende Worte, auch wenn die politischen Meinungen der beiden Männer oftmals nicht zusammenpassten: „Der Landrat hat in vielen Bereichen gut gearbeitet.“ Singer nennt hierzu die Gründung des gKU sowie die Sparanstrengungen. Er selbst wolle seine Schwerpunkte beispielsweise beim Hochwasserschutz setzen sowie den Bürgern als Landrat „bestmögliche Einrichtungen“ bieten, beispielsweise Schulen und Kliniken. In Sachen Hochwasserschutz gelte es, „immer wieder den Dialog suchen“, mit Anwohnern ebenso wie mit dem Wasserwirtschaftsamt. Er wolle nicht ideologisch agieren, sondern „sachlich“, sagt Singer und betont: „Es gibt keine Brandmauer bei Sachentscheidungen.“
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