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Airstream: In Donauwörth entstehen Wohnwagenträume

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Airstream: In Donauwörth entstehen Wohnwagenträume

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    Der Chef von Jotha Fahrzeugbau in Donauwörth, Dr. Christian W. Huber, ist überzeugt von dem recht jungen Geschäftsmodell, den Airstreams.
    Der Chef von Jotha Fahrzeugbau in Donauwörth, Dr. Christian W. Huber, ist überzeugt von dem recht jungen Geschäftsmodell, den Airstreams. Foto: Thomas Hilgendorf

    Es klingt nach Arbeit. Hämmern, Schweißen, Fräsen, Flexen. In den Werkhallen des Donauwörther Fahrzeugbauers Jotha an der Nürnberger Straße geht es geschäftig zu. Die Mitarbeiter bauen in Manufakturarbeit wertige Spezialanhänger. Unter jenen Fahrzeugen fällt ein Modell besonders auf: ein silbern glänzender Wohnwagen aus den 1970er Jahren. Die Wohnwagen des legendären US-amerikanischen Herstellers Airstream bekommen in Donauwörth neues Leben eingehaucht. Für Jotha ist die Beschäftigung mit den ikonischen US-Wohnwagen mit ihrer polierten Alu-Hülle indessen mehr als nur ein Zubrot.

    Es war eher die Liebe auf den zweiten Blick: Dr. Christian W. Huber, Inhaber des Spezial-Anhängerherstellers Jotha, suchte einen Familienwohnwagen für den Urlaub. Dabei sollte es nichts "von der Stange“ sein, vielleicht auch deshalb nicht, weil Jotha selbst besonders wertige, belastbare Anhänger manufakturähnlich produziert. „Ich hatte nicht von Anfang an einen Airstream im Kopf“, erzählt Huber. Im Internet sei er aber auf jene stromlinienförmigen Aluminium-Wohnwagen aus den USA gestoßen. Sie ließen den Donauwörther Betriebswirt und Unternehmer nicht mehr los. Der erste Wagen aus den frühen 1970ern ging schließlich auf Reisen über den großen Teich. Die Mitarbeiter schlachteten den Oldtimer sodann bis auf die Alublech-Hülle aus, ein neues Fahrgestell wurde angepasst - und eben bis auf die Aluhaut alles erneuert.

    „Schade, wenn wir nicht mit den Airstreams weitergemacht hätten“

    „Es wäre einfach schade gewesen, wenn wir danach nicht mit anderen älteren Airstreams weitergemacht hätten“, sagt Huber. Schließlich habe man nach der ersten Komplettsanierung viel an Expertise gewonnen. Man habe die Wohnanhänger bis in die letzten Winkel vermessen, wusste um alle Tücken und Herausforderungen; konnte absehen, was wo bestellt werden musste an Ersatzteilen. Über zwei Partner in den USA halten die Donauwörther nun Ausschau nach älteren Exemplaren, die in Donauwörth zu neuem Leben erweckt werden sollen.

    Zeitlos schön mit poliertem Alu. So sehen die Airstreams aus, wenn sie von Jotha in Donauwörth komlett saniert wurden.
    Zeitlos schön mit poliertem Alu. So sehen die Airstreams aus, wenn sie von Jotha in Donauwörth komlett saniert wurden. Foto: Jotha Fahrzeugbau

    Den amerikanischen Hersteller, der von Wallace („Wally“) M. Byam Anfang der 1930er Jahre gegründet wurde, gibt es noch immer. Auch nach Europa liefert das Unternehmen Anhänger. Aber, wie Huber erklärt, eben nur die neuen Modelle, die in Form und Inhalt der Zeit angepasst sein. Ihm hätten es dagegen die zeitlosen Klassiker angetan - die man zudem innen nach den eigenen Vorstellungen einrichten könne.

    Den Innenausbau - die Möblierung - mache Jotha indes nicht, das geschieht über Partner. Billig ist es derweil nicht, sich einen Wagen restaurieren zu lassen. Für einen komplett erneuerten Klassiker müssten Käufer gut 100.000 Euro berappen, schließlich brauche es für die Sanierung neben dem neuen Fahrgestell und der anschließenden Inneneinrichtung enorm viele Facharbeiterstunden.

    An alles muss Hand angelegt werden bei den alten Airstream-Wohnwagen

    „Wenn wir alte Modelle kriegen, müssen wir an alles ran“, sagt Huber: Die Aluhülle wird abgenommen, oft müssen schimmlige Holzteile unter dem Fußboden entfernt und erneuert werden, die Elektrik müsse rundumerneuert (mit Teilen aus den USA) und die Hülle an die neuen europäisch genormten Achsen angepasst werden.

    In aufwendiger Manufakturarbeit werden die alten Airstreams in Donauwörth fit für die Straße gemacht.
    In aufwendiger Manufakturarbeit werden die alten Airstreams in Donauwörth fit für die Straße gemacht. Foto: Jotha Fahrzeugbau

    Für den Donauwörther Fahrzeugbauer sind die Airstreams ein Hinzuverdienst, aber irgendwie auch mehr als das, wie Firmeninhaber Huber erklärt. Gut drei Stück pro Jahr erneuern sie in Donauwörth pro Jahr. Das Hauptgeschäft von Jotha sind wertige Anhänger für den professionellen Bereich, „für Profis, die tagtäglich damit arbeiten“, wie Huber sagt. Dafür verwende man beständigere Materialien, die in aufwendigen Arbeitsschritten verarbeitet werden. Das Portfolio umfasst beispielsweise Absetzkipp-Anhänger, Autotransport-Anhänger und Tandemtieflader sowie diverse Aufbauten. Gut 150 bis 200 Geräte bringen die 30 Mitarbeiter in Donauwörth pro Jahr auf die Straße. Sie sind das Hauptgeschäft - die Airstreams eben die Herzensangelegenheit „daneben“.

    Blick ins Innere eines von Grund auf sanierten Airstreams.
    Blick ins Innere eines von Grund auf sanierten Airstreams. Foto: Jotha Fahrzeugbau

    Dass es sich auch bei den Airstreams um Manufakturarbeiten der Premiumklasse handelt, merkt der Betrachter schnell: Alle umzubauenden Wohnwagen bekommen eigens Namen, wie zum Beispiel „Ylvie“. Der Vorteil der alten neuen Caravans liege auf der Hand, so Huber: „Die Aluhüllern halten extrem lang. Herkömmliche Kunststoffhüllen sind dagegen nach 40 Jahren eigentlich kaum noch zu gebrauchen.“ Insofern ist davon auszugehen, dass weiterhin ausreichend Airstreams ihren Weg nach Donauwörth an die Nürnberger Straße finden - wo ihnen in mühevoller Detailarbeit ein zweites Leben eingehaucht wird.

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