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Der Regen und die Landwirtschaft im Landkreis Donau-Ries: Sorge ums Getreide

Landkreis Donau-Ries

Der Regen und die Landwirtschaft: „Sorge ums Getreide ist berechtigt“

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    Durch das schlechte Wetter in den vergangenen Wochen kann das noch auf den Feldern stehende Getreide nicht geerntet werden. Es verdirbt deshalb. Hier ein Feld nahe dem Donauwörther Stadtteil Berg.
    Durch das schlechte Wetter in den vergangenen Wochen kann das noch auf den Feldern stehende Getreide nicht geerntet werden. Es verdirbt deshalb. Hier ein Feld nahe dem Donauwörther Stadtteil Berg. Foto: Wolfgang Widemann

    Dunkel sehen die Ähren auf dem Feld bei Berg aus, das Getreide ist deutlich gezeichnet vom Regen der vergangenen Wochen. Tatsächlich sind viele Weizenfelder im Donau-Ries-Kreis noch nicht abgeerntet – obwohl die Zeit dafür eigentlich schon da war. In manchen Teilen der Region sind bis zu 95 Prozent dieser Getreidesorte noch auf dem Acker. Das kann negative Folgen haben. Doch es gibt auch Kulturen, die von dem Regen profitiert haben.

    „Es ist für die Betriebe schon eine Herausforderung“, sagt Karlheinz Götz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, mit Blick auf das Wetter. Wenn man 14 Tage nichts tun könne, schiebe sich der Zeitplan einfach zusammen. Das betrifft zum Beispiel das Ausbringen von Gülle oder den Anbau von Zwischenfrüchten. Aber das Regenwetter hatte eben auch massiven Einfluss auf den Getreideanbau. Im Ries stehen laut Götz noch 95 Prozent vom Weizen. Entlang von Donau und Lech sowie im Jura sind es dem Vernehmen nach schätzungsweise 50 Prozent. Der Weizen macht laut Landwirtschaftsamt Nördlingen-Wertingen etwa 23,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche im Donau-Ries-Kreis aus

    Der Kreisobmann erläutert: „Es gibt Ähren, die grün werden, also der Weizen auswächst. Das ist dann noch nicht einmal mehr gutes Futtergetreide.“ Wie hoch der Schaden beim Weizen ist, sei noch nicht vorhersehbar: „Über die Backfähigkeit lässt sich noch nichts sagen.“ Das liege auch daran, dass die oft zu beobachtenden schwarzen Pilze in der Regel keinen Einfluss auf das Korn hätten, wie Götz erklärt: „Dieses ist durch die Spelzen geschützt.“ Doch könne es sein, dass der vom Pilz betroffene Weizen nicht mehr als Stroh tauge. Und nicht nur Getreide sei davon betroffen: Auch bei den Kartoffeln gebe es mitunter einen solchen Pilzbefall durch die Krautfäule.

    Dinkel im Landkreis Donau-Ries ist schon abgeerntet

    Die Firma SLP mit Sitz in Erlingshofen ist in Europa Marktführer bei Dinkel. Geschäftsführender Gesellschafter Michael Sailer erklärt, dass der Dinkel in unserer Region bereits abgeerntet sei: „Wir haben früher geerntet und damit nichts anbrennen lassen.“ Man verzeichne durchschnittliche Erträge und gute Qualitäten. Auch im fränkischen Bereich sehe es bei der Dinkelernte gut aus. Dagegen stehe auf der Schwäbischen Alb und in Ostdeutschland noch Dinkel. Es zahle sich aus, dass SLP an vielen Standorten aktiv ist. Um die Dinkelmarktversorgung habe er keine Angst: „Das sind wir gut aufgestellt.“ Dinkel macht im Donau-Ries-Kreis laut Landwirtschaftsamt rund vier Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche aus. Die Sorgen über das ausgewachsene Getreide in unserer Region hält Sailer für berechtigt. Er schätzt, dass im südlichen Donau-Ries-Kreis noch rund die Hälfte der Fläche nicht abgeerntet ist.

    Zwar ist ab Mittwoch besseres Wetter gemeldet. Doch auch dann wird die Weizenernte kein Zuckerschlecken. Zuerst muss das Getreide trocknen, bevor geerntet werden kann. Und auch dann ist das gar nicht so einfach, wie der BBV-Kreisobmann erklärt: „Die Felder sind nicht immer befahrbar, weil der Mähdrescher einsinkt.“ Außerdem geht Götz davon aus, dass durch die Verdunstung häufig Nebel vorkommen wird: „Wir haben dann keine großen Zeitfenster für den Erntetag, weil der Tau erst trocknen muss.“ Denn auch abends werde es von unten her wieder feucht.

    Kartoffel, Mails und Zuckerrüben im Donau-Ries-Kreis brauchten Regen

    Für Götz geht es aber nicht nur um die heuer zu erwartenden Erträge. Er verweist generell auf die Herausforderungen durch den Klimawandel: „Wir sind am stärksten dadurch betroffen.“ Man brauche Kulturen, die auch die Nässe vertragen: „Da sucht man zum Beispiel im Kartoffelbereich Sorten, die bestimmte Dinge aushalten.“ Es sei notwendig, neue Kulturen auszuprobieren. Doch Götz verweist auch auf die Kapriolen, die das Wetter zunehmend spiele: „Wenn es immer heiß und trocken wäre, könnten wir uns darauf einstellen.“ Aber dann kämen eben auch kalte und nasse Perioden: „Wir kriegen mehr Risiko.“ Das sieht auch Dinkelproduzent Sailer so. Er spricht von einer „Lotterie“. Im Juni habe es eine außergewöhnlich trockene Zeit gegeben, nun habe es lange geregnet: „Im Extremfall ist es ja so, dass jede Sorte ihre Macken hat. Eine Wundersorte gibt es nicht.“

    Wie komplex die Lage ist, zeigt die Kartoffel. Diese ist zwar durch den Regen verstärkt von der Krautfäule betroffen. Doch gleichzeitig gehört sie zu den Kulturen, die von dem Regen profitiert haben. „Für den Regen sind wir auch dankbar“, sagt Götz. Kartoffel, Mais und Zuckerrüben hätten diesen dringend gebraucht. Auch der Boden habe den Regen gut vertragen. Dennoch hofft Götz auf besseres Wetter: „Erst dann können wir dreschen.“ Ab Freitag könnten die ersten Maschinen wieder auf den Feldern sein: „Dann geht es wieder los.“

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