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Großgemeinden als Zukunftsmodell? Änderungen in der evangelischen Kirche

Landkreis Donau-Ries

Evangelische Kirche vor Umbruch: Regionalgemeinden kommen

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    Schild an der Christuskirche in Donauwörth: Die evangelischen Gemeinden im Landkreis Donau-Ries stehen vor einer großen Strukturreform.
    Schild an der Christuskirche in Donauwörth: Die evangelischen Gemeinden im Landkreis Donau-Ries stehen vor einer großen Strukturreform. Foto: Thomas Hilgendorf

    Kirche, das ist im besten Falle: das Gotteshaus direkt vor Ort, ein Pfarrer gleich nebenan im Pfarrhaus, eine lebendige Gemeinde mit vielen Ehren- sowie einigen Hauptamtlichen. Doch dieses Bild entspricht nicht mehr ganz der Wirklichkeit. Vor allem in zahlreichen Dörfern gibt es nicht mehr den einen Pfarrer vor Ort – denn meist sind die Geistlichen für mehrere Orte zuständig. Seit der Pfarreienreform vor einigen Jahren ist das kooperative Arbeiten in der katholischen Kirche mit den Pfarreigemeinschaften bereits gelebte Realität. Hintergrund ist der Priestermangel. Die evangelische Kirche zieht jetzt nach: „Regionalgemeinde“ heißt hier der zentrale Begriff. Was steckt dahinter und was sind die Konsequenzen für das kirchliche Leben vor Ort?

    Das Pfarrhaus vor Ort ist ein traditionelles Kennzeichen des Protestantismus. Doch in der Landeskirche steht nun eine schier tektonische Verschiebung ins Haus, seit die Landessynode zuletzt beschlossen hat, die traditionellen Ortsgemeinden einer umgreifenden Reform zu unterziehen. Die Hintergründe hierfür liegen auf der Hand: Weniger Kirchenmitglieder bedeutet weniger Einnahmen. Es muss folglich am Personal gespart werden, das zudem, wie Frank Wagner erklärt, gar nicht mehr in Hülle und Fülle zur Verfügung steht.

    Boomer unter den Pfarrern gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand

    Der Dekan des kürzlich neu geschaffenen evangelischen Donau-Ries-Dekanats kennt die Realitäten seiner Kirche: „Die Finanzen sind zurückgegangen. Finanzen und Personal sind zwei Kernthemen der Reform.“ Auch in der Kirche gehe die sogenannte „Boomer-Generation“ nach und nach in den Ruhestand – „wir haben dann bald 40 Prozent weniger Mitarbeiter“. Und genau aufgrund dieses Phänomens müsse man sich nun mit der Frage auseinandersetzen, „wie die Arbeit neu strukturiert werden kann“.

    Evangelische Christuskirche und Gemeindezentrum in Donauwörth: Im Dekanat Donau-Ries stehen große Veränderungen an in den kommenden Jahren.
    Evangelische Christuskirche und Gemeindezentrum in Donauwörth: Im Dekanat Donau-Ries stehen große Veränderungen an in den kommenden Jahren. Foto: Thomas Hilgendorf

    Was steckt konkret hinter den geplanten Regionalgemeinden? Die evangelische Kirche wird nach Prognosen der bayerischen Landeskirche in den nächsten Jahren massiv schrumpfen - einige Studien gehen von einer Halbierung der Mitglieder bis 2040 aus. Aktuell hat die Landeskirche 2,5 Millionen Mitglieder, 2040 könnten es nur noch 1 bis 1,5 Millionen sein. Es sollen nun bis 2035 einzelne Kirchgemein­den in größere Regionalgemeinden fusioniert werden. Für jene Regionalgemeinden soll es dann ein Team von Hauptamtlichen geben, das sich um die kirchlichen Aufgaben in einer Region kümmern soll. Die Umsetzung solle, so Wagner, sukzessive ab 2027 angegangen werden und bis 2035 beendet sein.

    „Multiprofessionelle Teams“ für die neuen Regionalgemeinden

    Für die kirchlichen Aufgaben gebe es dann in den Regionalgemeinden „multiprofessionelle Teams“, bestehend aus fünf Vollzeitstellen. Die Teams würden nicht nur aus Pfarrern, sondern auch aus Diakonen sowie möglicherweise auch aus „Nicht-Theologen“ bestehen. Die Pfarrämter vor Ort blieben wohl – Stand: jetzt – erhalten. Versetzungen aufgrund der Reform im Dekanat Donau-Ries werde es aller Voraussicht nach nicht geben müssen, erklärt Wagner, zumal „nicht wenige“ Pfarrer in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten werden. Die Teams würden eher „gabenorientiert“ denn rein ortsgebunden arbeiten, ergänzt Wagner: Will heißen, der oder diejenige, die zum Beispiel ein Händchen für die Jugend hat, würde auf diesem Feld mehr übernehmen, ein anderer vielleicht eher die Seniorenarbeit. Dennoch falle die Zuständigkeit für die jeweiligen Orte nicht komplett weg, „aber es wird nicht mehr so sein, dass ein Pfarrer für alles in der Pfarrei zuständig ist“.

    Ein Problempunkt ist die angedachte Größe der jeweiligen Regionalgemeinden. Nach Plänen der Landeskirche sollen sie je zwischen 8500 und 10.000 Mitglieder umfassen. Laut Wagner wäre das im Dekanat für sämtliche Gedankenkonstrukte kaum hinzubekommen: „8500 Köpfe erreicht keine Gebietseinheit im aktuellen Dekanat. Da gibt es sicher noch Redebedarf, das ist noch nicht in trockenen Tüchern.“ Zudem solle keine Regionalgemeinde mehr als 16 Pfarreien umfassen – Wagner: „Bei 51 Kirchengemeinden ist das Konzept so hier kaum umsetzbar.“

    Die Stoßrichtung scheint derweil klar: Verschlankung der Verwaltung, Bündelung haupt- und ehrenamtlicher Kräfte. Trotzdem bedeutet die Reform auch für den einzelnen Gläubigen eine spürbare Veränderung: Gottesdienste an jedem Sonntag an jedem Ort wird es wohl kaum mehr geben können, die Gläubigen müssten fortan mobiler werden. „Präsenz überall zur gleichen Zeit geht nicht mehr“, betont denn auch Wagner.

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