Wir alle betreten sie jeden Tag, zum Teil dutzendfach: Fußböden. Ob nun Parkett, Eichendielen oder Teppichfliesen – das Material hat oft einen großen Einfluss darauf, wie wir einen Raum wahrnehmen. Wer neu baut, überlegt sich deshalb zweimal, welchen Boden man möchte. Und vor allem in unserer Region ist es nicht unwahrscheinlich, dass er dabei auf die Unger Firmengruppe aus Donauwörth zurückgreift. Deren Anfang lag in Estrichen – der heute besonders energiesparend daherkommt. Welche Entscheidung in der Firmengeschichte sich als goldrichtig herausstellte.
Seit fast 80 Jahren gibt es die Firma. „Mein Großvater hat sie 1948 gegründet, für Estriche und moderne Böden“, erzählt Geschäftsleiter Dr. Alexander Unger. Modern sei damals im Grunde alles gewesen, was nicht Holz war. Linoleum, Stragula, PVC, zählt Unger auf. Neu seien damals auch sogenannte schwimmende Estriche gewesen, also ein Bodenaufbau, der auf einer Dämmschicht verlegt wird. Das Unternehmen war also von Anfang an in einem Bereich unterwegs, der nicht unbedingt verbreitet war. Übrigens gilt das in gewissem Sinne bis heute, gibt es doch nur wenige Länder, in denen Estriche verlegt werden.
Unger hat Standorte in Donauwörth, München und Chemnitz
Mit gerade einmal fünf Mitarbeitern sei sein Großvater gestartet. „Wir waren lange Zeit sehr regional unterwegs“, sagt Unger. Zwar sei das Image des Estrichs damals nicht sonderlich gut gewesen. Doch gleichzeitig gab es nach dem Krieg einen Bauboom. „Anders als heute“, sagt Alexander Unger. Die derzeitigen Krisen auf der Welt spürt auch dieses Unternehmen. „Es gibt auf jeden Fall eine Zurückhaltung beim Neubau“, sagt Unger. Hier sei der Umsatz zurückgegangen. Umso wichtiger, dass sich das Unternehmen bereits früh auch mit anderen Geschäftsfeldern auseinandersetzte.
So kam in den 80er-Jahren ein weiterer Fokus auf die Raumausstattung hinzu. „Das kam in erster Linie von meiner Mutter“, sagt Unger. Dabei beziehe man die Waren aus dem Großhandel und baue sie ein. „Wir machen die handwerkliche Veredelung.“ Noch etwas später, vor rund 20 Jahren, gründeten die Verantwortlichen eine Firma für die Sanierung von Böden, die in Donauwörth ansässig ist. Außerdem gibt es Firmenstandorte in München und Chemnitz und mehrere Unger-Parks, also Musterhausausstellungen.
„Die Sanierung boomt“, sagt Unger. Vor allem der Münchner Markt sei attraktiv. „Hier gibt es viele Schäden in Altbauten.“ Außerdem gebe es immer mehr Schäden aufgrund von Großschadensereignissen, wie etwa Überschwemmungen. „Bei der Flutkatastrophe 2024 waren wir quasi 24 Stunden am Tag unterwegs, bis in den Raum Günzburg hinein.“ Auch an der Münchner Allianz-Arena war Unger bereits für eine Sanierung im Einsatz. „Das war kurios, weil wir uns beim Bau eigentlich um die Böden kümmern sollten – doch da hätten wir drauf gezahlt“, sagt Unger.
Donauwörther Unternehmen Unger sieht Chancen in der Nachhaltigkeit
Einen Trend, den Unger noch stärker in den Fokus nehmen möchte, ist die Nachhaltigkeit. „Wir werden von Kunden tatsächlich öfter gefragt, wie es damit aussieht.“ Unger arbeite mit Zementestrich, der recycelbar sei, betont der Geschäftsleiter. Und auch bei der energetischen Nachhaltigkeit möchte das Unternehmen etwas bieten. So hat Alexander Unger einen Energiespar-Estrich entwickelt, der im Zusammenspiel mit einer Carbon-Fußbodenheizung der Firma Irewa funktioniert. Dieser Estrich wird extrem dünnschichtig verlegt, weist eine hohe Wärmeleitfähigkeit auf und trocknet schnell. „Im Zusammenspiel habe ich eine gleichmäßige Wärme, anders als zum Beispiel bei Rohren.“ Das Angebot konkurriere mit Wärmepumpen. Solche Systeme seien in Dänemark und Schweden bereits verbreitet.
Für den 56-Jährigen selbst war es nie eine Frage, ob er das Unternehmen einmal übernehmen würde. Zuvor war Vater Helmut jahrzehntelang am Ruder – und arbeitet auch heute noch mit. „Wenn man schon als kleines Kind durchs Geschäft läuft, stellt sich die Frage nicht mehr“, sagt Alexander Unger mit einem Lachen. Er hat sich auch über die Firma hinaus einen Namen gemacht, unter anderem mit einem 1000-seitigen Fußbodenatlas. „Was Spaß macht, ist vor allem die Arbeit mit den Menschen hier“, sagt er. Rund 120 Beschäftigte hat die Firmengruppe, 50 davon in Donauwörth. Sein Sohn zeige ebenfalls Interesse an den Firmenaktivitäten. Doch Unger sagt auch, dass der Job mitunter nicht einfach sei. „Es ist unglaublich, welche Bürokratie wir haben“, nennt er einen kritischen Punkt. Für alles Mögliche gebe es firmeninterne Beauftragte. „Und das kostet alles Geld.“ Doch Unger ist zuversichtlich. „Wir haben unser Geld gespart und es in der Firma belassen. Das kommt uns heute zugute.“ An Ideen scheint es ebenfalls nicht zu mangeln: Seit zwei Jahren ist Unger auch im Metallbau unterwegs, produziert unter anderem Markisen. Wer Unger sucht, sollte also nicht nur auf den Boden schauen.
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