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Fußball-Rückblick

27.08.2020

Als Schalke den TSV Rain aus dem Pokal kickte

Der TSV Rain mühte sich redlich gegen die Schalker Profis – hatte aber auch gehörigen Respekt. Vorne in Blau im Bild: Nationalspieler Andreas Möller.
Bild: Jochen Aumann

Plus Vor 20 Jahren waren die Fußball-Profis aus Gelsenkirchen zu Gast in Rain. Beteiligte erinnern sich an einen charismatischen „Stumpen-Rudi“ Assauer, harsche Schiedsrichter-Worte und eine besondere Freundschaft.

Ein so großes Fußballereignis hat es in Rain bis dahin nicht gegeben: Rund 5500 Zuschauer verfolgten heute vor genau 20 Jahren den DFB-Pokal-Hit zwischen dem TSV Rain und den Profis des FC Schalke 04. Anlässlich dieses Jahrestages lohnt ein Blick zurück, denn im Gespräch mit damals involvierten Personen wird schnell klar: Die besonderen Erinnerungen an das Spiel haben einen festen Platz in den Köpfen der Protagonisten - und das aus gutem Grund.

Rudi Assauer: "Ihr werdet ja wohl daheim spielen"

Eine schwelgerische Stimme bekommt Bruno Schmelcher, wenn er vom 27. August 2000 erzählt. Damals war er Schriftführer des TSV Rain und trug einen großen Teil der Organisation der Großveranstaltung mit. Gerne denke er schon an die Auslosung der Partie zurück, die auf dem Rainer Stadtfest live übertragen wurde: „Wir hatten eine riesige Leinwand und unser Stand war rappelvoll mit Zuschauern. Unsere Mannschaft wurde damals gleich als Erstes gezogen und dann bekamen wir den Knaller Schalke zugelost.“ Im Nebenzimmer der alten Sportgaststätte des Vereins habe man daraufhin ein Büro eingerichtet, „unsere erste Geschäftsstelle“, wie Schmelcher sagt. Diese war auch nötig, denn „dort ging es rund bis zum Spiel“, erinnert er sich schmunzelnd.

Manager mit Herz für kleine Vereine: Rudi Assauer.
Bild: Stefan Sisulak

Schließlich kam eine Menge Arbeit auf den TSV zu, denn es galt, eine echte Großveranstaltung auf die Beine zu stellen. Dabei war aber schnell klar, dass das Spiel auch in der Tillystadt stattfinden würde und nicht in einem größeren Stadion. „Unser Vereinsvorsitzender Heinrich Meisinger hat mit dem damaligen Schalke-Manager Rudi Assauer telefoniert, der sagte ’ihr werdet ja wohl daheim spielen‘“, womit die Sache geklärt war.

TSV Rain schafft extra eine große Tribüne heran

Für die vielen erwarteten Zuschauer wurde extra eine Tribüne herangeschafft. Stolz ist Schmelcher immer noch darauf, wie begeistert man beim FC Schalke 04 von der Sportstätte der Rainer war. Schließlich sei der damalige Co-Trainer des Bundesligisten bald nach der Auslosung angereist, um sich den Platz anzuschauen. Sein Urteil: Da kann man auch als Bundesligist drauf spielen. Die Einschätzung teilte Schalke-Profi Olaf Thon, mit dem sich Schmelcher etwas unterhalten konnte: „Er hat gefragt in welcher Liga wir spielen. Als er von mir erfahren hatte, dass wir Landesligist sind, sagte er ’wow und da habt ihr so einen guten Rasen’.“

Bruno Schmelcher war bei der Organisation des Pokalspiels beim TSV Rain beteiligt.
Bild: Nitsche Fotografie

In den Wochen vor der Partie bekam man in Rain dann einen kleinen Eindruck davon, wie es ist, ein Bundesligist zu sein. Schmelcher erinnert sich hier an das große Medienaufkommen: „Allein in der Woche vor dem Spiel waren drei Kamerateams da. Der Bayerische Rundfunk hat das Dach unserer alten Gaststätte abgedeckt, um dort eine Kamera zu installieren. Nach dem Spiel haben sie das Dach ruckzuck wieder zugemacht.“

Beim Abendessen mit den Schalker Profis

Ganz nah dran an den prominenten Persönlichkeiten aus Gelsenkirchen war Helmut Bissinger, der schon damals für die Donauwörther Zeitung berichtete. „Rudi Assauer war schon mein Highlight, er hat mir ein wenig von seinem Urlaub auf Mallorca erzählt. Damals war er ganz frisch mit Simone Thomalla liiert“, erinnert sich Bissinger. Wie er damals zu der Ehre kam, am Abendessen mit der Schalker Mannschaft im Dehner Blumenhotel teilzunehmen, weiß Bissinger nicht mehr, er wundere sich jedenfalls noch heute darüber, wie er sagt: „Ich war jedenfalls der Einzige von außerhalb, der dabei war.“ Um Fußball sei es am Tisch nicht viel gegangen, mehr um das Programm des nächsten Tages, ein Spaziergang in Rain, Regeneration oder den Heimflug. Assauer habe jedoch eine klare Parole ausgegeben: „Wir werden uns reinhängen müssen“, was Trainer Huub Stevens nickend bestätigte.

(Von links) TSV-Vorsitzender Heinrich Meisinger, Rains Trainer Jack Schnürer, Schalke-Trainer Huub Stevens und Schalke-Manager Rudi Assauer.
Bild: DZ-Archiv

Rainer Landesligist verliert mit 0:7 gegen den FC Schalke 04

Ob die Schalker dies dann auch zu hundert Prozent taten, können wohl nur sie selbst beantworten. Jedenfalls sprach das Ergebnis am Ende eine deutliche Sprache: Der Rainer Landesligist verlor mit 0:7. Jens Meckert, damals Spieler beim TSV und heute Trainer der SG Flotzheim-Fünfstetten, erinnert sich, wie krass der Unterschied zwischen den beiden Teams war: „Wir hatten ja eigentlich an dem Tag schönes Wetter in Rain. Aber als die Schalker aus dem Bus stiegen, wurde es plötzlich dunkel. Meine Teamkollegen waren auch groß, aber die Schalker waren richtige Kästen. Aber nicht nur das, wir waren bei Weitem nicht so gut wie die. Trotzdem war es ein riesen Ding für uns, gegen sie zu spielen.“ Dabei habe aufseiten der Gastgeber jede Menge Respekt mitgespielt. „Wir hatten ganz schön die Hosen voll“, sagt er lachend. „Man hatte fast Angst, wenn man einmal den Ball bekommen hat. Die Schalker haben ihr Ding runtergespielt und wir waren eigentlich Statisten, die vielleicht zwischendurch mal einen Einwurf machen durften“, so Meckert.

Die Rainer Stadtkapelle sorgte für die musikalische Gestaltung des Spiels.
Bild: Stefan Sisulak

Es war also keine große Überraschung, dass die Schalker in der 3. Minute durch Ebbe Sands Kopfball in Führung gingen. Nils Oude-Kamphuis (20.) und Andreas Möller (38.) erhöhten bis zur Pause auf 3:0. Für die restlichen Treffer sorgten die eingewechselten Gerald Asamoah (63., 79., 86.) und Youri Mulder. „Ein normales und erwartbares Ergebnis“, findet noch heute Bernd Taglieber, der damals ganz frisch zu den Rainern gewechselt war und heute den SV Wörnitzstein-Berg trainiert.

Schalke-Manager lässt Trikots in die Rainer Kabine bringen

Besonders sei er damals von Kraftpaket Gerald Asamoah beeindruckt gewesen. Umso mehr habe es ihn gefreut, dass er am Ende dessen Trikot bekommen habe – wonach es zunächst gar nicht ausgesehen hatte: „Mein Teamkollege Achim Heinze hatte seinen Gegenspieler Emile Mpenza in der Halbzeit gefragt, ob er sein Trikot bekommt. Es hieß dann, die Schalker dürfen ihre Trikots nicht hergeben. Aber Manager Rudi Assauer hat das wohl mitbekommen. Am Ende kam der Zeugwart zu uns in die Kabine und hat uns einige Trikots der Schalker in einer Kiste gebracht. Ich hab reingegriffen und das von Asamoah rausgezogen. Das hat mich sehr gefreut, denn er war dann ja auch Nationalspieler.“

Das Autogramm der Schalker Profis war bei jungen Zuschauern begehrt: (von links) Ebbe Sand, Nico van Kerckhoven und Emile Lokonda Mpenza.
Bild: Stefan Sisulak

Was Taglieber damals sehr überrascht hat: Der Umgang von Schiedsrichter Knut Kircher mit den Stars der Schalker. „Er war ja damals Zweitliga-Schiri und hat erst danach noch richtig Karriere gemacht (Bundesliga, Fifa, 2012 Schiedsrichter des Jahres, Anmerkung d. Redaktion). Als sich Andi Möller im Spiel bei ihm beschwert hat, hat er gesagt ’Andi, jetzt halt auch mal die Klappe’, schließlich war Möller ja auch kein Kind von Traurigkeit“, erinnert sich Taglieber schmunzelnd.

Knut Kircher wusste sich als Schiedsrichter auf dem Platz Respekt zu verschaffen.
Bild: Stefan Sisulak

Auch Meckert ist eine Anekdote besonders in Erinnerung geblieben, als sich der immerzu rauchende Schalke-Manager Assauer auch von einem Ordner der Rainer nicht aus dem Kabinengang vertreiben ließ, in dem das Rauchen nicht gestattet war. „Assauer hat zweimal an der Zigarre gezogen und gesagt: ’Weißt du, wer ich bin? Ich bin der Assauer Rudi und ich bleibe hier!’“, erzählt der 54-Jährige lachend.

TSV Rain zu Gast in Gelsenkirchen

Der unwissende Ordner tat der Freundschaft zwischen dem TSV Rain und dem FC Schalke 04 allerdings keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Ein Jahr später spielten die Gelsenkirchener gegen Aindling – stiegen allerdings erneut im Blumenhotel in Rain ab und hielten ihr Abschlusstraining auf dem Platz des TSV. Ein Höhepunkt für die Rainer Mannschaft und Funktionäre war allerdings der Besuch bei den Nordrhein-Westfalen im Februar 2001. Rudi Assauer hatte die Rainer eingeladen, sich ein Bundesligaspiel anzusehen. „Das war ein tolles Erlebnis. Wir durften in den VIP-Bereich und unsere Mannschaft wurde sogar zum Schalker Team gerufen“, sagt Schmelcher. Er und Bernd Taglieber sind sich einig, dass der TSV Rain den Besuch dem super Verhältnis zum FC Schalke 04 und vor allem zu Rudi Assauer verdankt habe.

Im Sommer 2000 wechselte Bernd Taglieber ganz frisch zum TSV Rain.
Bild: Izsó

Die Begegnungen mit den Schalkern bescheren den Beteiligten jedenfalls noch heute schöne Erinnerungen und auch Gesprächsstoff, wie Taglieber verrät: „Bekannte wollen auch heute noch manchmal wissen, wie das damals war.“ Dasselbe bei seinem ehemaligen Teamkollegen Jens Meckert: „Mein Sohn hat mich nach dem Spiel damals gefragt. Das sind einfach prägende Dinge. Gerade in der heutigen Zeit denkt man gerne an so schöne Erlebnisse zurück und schätzt sie sehr.“

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