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Kampfsport

21.02.2015

Boxhandschuhe für Alpha Female

Im Ring wird Jazzy Gabert zu Alpha Female und kennt bei ihren Gegnerinnen keine Gnade (links). Abseits des Rings lässt sie die Rolle des „bösen Monsters“ hinter sich und lacht stattdessen gerne.
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Im Ring wird Jazzy Gabert zu Alpha Female und kennt bei ihren Gegnerinnen keine Gnade (links). Abseits des Rings lässt sie die Rolle des „bösen Monsters“ hinter sich und lacht stattdessen gerne.

Jazzy Gabert ist Weltmeisterin im Wrestling. Doch das ist der Riedlingerin nicht genug

Jazzy Gabert scheint auf den ersten Blick eine ganz normale Frau zu sein, die gerne schicke Kleidung trägt, auch mal hohe Absätze. Doch kaum hat sie den Mantel ab- und die Trainingskleider angelegt, kommen die muskelbepackten, tätowierten Arme und der athletische Körper zum Vorschein, die verraten: Diese Frau ist Profi-Wrestlerin.

Der Sport ist nicht nur untypisch für eine Frau, Wrestling ist in Deutschland im Gegensatz zu den USA, Mexiko und Japan eine absolute Randsportart. Marie Kristin Gabert, die sich heute nur noch Jazzy nennt, kam als Zehnjährige mit dem Schaukampfsport in Berührung. Das adoptierte Mädchen fand das Wrestling-Buch ihres Bruders, der es wegwerfen wollte. „Ich war total von Charakteren wie Hulk Hogan fasziniert“, erinnert sich die 32-Jährige. Die Übertragung der Kämpfe aus den USA zeichnete die gebürtige Berlinerin auf, um sie sich dann heimlich nachts anzusehen. Nach dem Besuch einer von damals nur zwei deutschen Wrestling-Schulen absolvierte sie 2001 ihren ersten Kampf, unter dem Namen Jazzy Bi. Doch das süße Image, das sie als Kämpferin damals hatte, war nichts für die 1,80 Meter große Blondine. Ein Neuanfang musste her. Unter dem Namen Alpha Female ging sie nach England, der Hochburg des europäischen Wrestlings. Eine harte Zeit, in der sie zwar viele Kontakte knüpfte, aber auch in einer Lagerhalle schlafen oder schlechte Jobs annehmen musste.

Alles änderte sich mit einem Angebot aus Japan. „Dort werden die Frauen sehr respektiert, ich konnte jeden Tag trainieren, an den Wochenenden kämpfen, und auch finanziell ging es mir besser“, sagt Gabert. Als Alpha Female spielte sie das „böse Monster“, wie sie sagt, und trat gegen vermeintlich süße Japanerinnen an, die sich im Ring als Killermaschinen entpuppten.

Nach einem ganzen Jahr in Japan und dem Gewinn des Weltmeister-Titels zog es Gabert wieder in die Heimat. „In Japan hat man als Ausländer schlechte Chancen, ein Star zu werden. Außerdem habe ich dort alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ich dachte, es ist an der Zeit, nach Hause zu kommen“, sagt sie. Nicht zuletzt wegen ihrer Fans. „Die sind einfach super“, betont die Berlinerin strahlend. Deshalb gebe sie sich Mühe, ein gutes Vorbild zu sein, ohne Alkohol und Drogen.

Nun sucht Gabert eine neue Herausforderung. Sie will sich verstärkt dem Boxen widmen – im Schwergewicht. Über das Internet stieß sie auf das Boxing Gym von Florin Catuna in Donauwörth. Dort hat sie nun ihre neue Heimat gefunden, und die schöne Drei-Zimmer-Wohnung in Riedlingen macht die harten Nächte in der Londoner Lagerhalle beinahe vergessen.

Ihr Körper zog irgendwann die Notbremse

Im Sommer soll ihr erster Profikampf stattfinden. „Ich will den Leuten zeigen, dass ich eine ernsthafte Sportlerin bin“, erklärt Gabert, die sich als Wrestlerin häufig mit der geringschätzigen Meinung konfrontiert sieht, keinen echten Sport zu betreiben, da die Kämpfe teilweise choreografiert sind. Bis die knapp 90 Kilo schwere Boxerin auf ihre erste Gegnerin trifft, heißt es dreimal die Woche Training, dazu kommen Ausdauer- und Kardio-Einheiten. Nebenbei hat Gabert jede Menge Jobs, sei es als Schauspielerin, Sicherheitskraft oder – gemäß ihrem Ausbildungsberuf – als Verkäuferin. Trotz Weltmeistertitel muss sie sich ihren Sport selbst finanzieren, noch gibt es keinen Sponsor.

Durch das viele Training, Kämpfe und Jobs kam die 32–Jährige auf ein Pensum, bei dem ihr Körper irgendwann die Notbremse zog. In Japan hatte sie auf dem Weg zu einem Meeting plötzlich Schmerzen in der Brust, bekam keine Luft mehr. Herzinfarkt. Nur ein paar Tage später stand sie wieder im Ring, wieder zeigte ihr ihr Körper, seine Grenzen auf. Unfähig, richtig zu kämpfen, und um Luft ringend musste schließlich auch Gaberts Promoter einsehen, dass sein Schützling eine Pause brauchte.

Heute geht es ihr wieder gut. „Ich habe gelernt, dass Wrestling nicht alles im Leben ist“, sagt Gabert. Aufgeben will sie es jedoch noch nicht. Derzeit steht ein Angebot aus Amerika als Trainerin im Raum.

Wie es weitergeht, will sie unter anderem davon abhängig machen, wie sich ihre Boxkarriere entwickelt. Die tiefschwarz geschminkten Augen und die strenge Lederhose der Alpha Female werden also vorerst häufiger den Boxhandschuhen weichen müssen.

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