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Schießen

15.05.2020

Corona verhilft Mertingen zum Aufstieg in die 2. Bundesliga

Die erste Luftgewehr-Mannschaft von Gemütlichkeit Mertingen steigt in die 2. Bundesliga auf: (v. li.) Maria-Theresia Eckert, André Sauter, Verena Schröttle, Alexander Strasser, Katharina Hafner und Thomas Muxel. Nicht im Bild: Denis Nowey.
Bild: Förg

Plus Da der Aufstiegswettkampf aufgrund der Pandemie nicht stattfinden kann, steigt die erste Luftgewehr-Mannschaft von Gemütlichkeit Mertingen in die zweithöchste Liga auf.

Seit Beginn der Corona-Krise ist das gesamte Land in so ziemlich allen Lebensbereichen sehr eingeschränkt, nicht zuletzt in der Ausübung des Sports: Die Vereinsheime sind geschlossen, ein Training ist bis heute in geschlossenen Räumen verboten und ein Ausüben des geliebten Hobbys nahezu unmöglich. Die Schützenverbände haben für 2020 sämtliche Meisterschaften abgesagt und somit liegt der Schießsport momentan nahezu komplett auf Eis. Neuigkeiten von den Schützen aus der Region gibt es dennoch – und die sind ganz außergewöhnlich.

Gemütlichkeit Mertingen auf Platz eins der Bayernliga

Fast heimlich, beinahe still und leise und von vielen unbemerkt ist den Mertinger Schützen nämlich der größte Erfolg nicht nur der Vereinsgeschichte, sondern des ganzen Schützengaus Donau-Ries gelungen: Die erste Luftgewehrmannschaft ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Das gab es im Gau in dieser Disziplin noch nie, bei den Gemütlichkeitsschützen schon gar nicht. Trotzdem kommt dieser Triumph für die Mannschaftsschützen selbst, ihren gleichermaßen ehrgeizigen und brillanten Techniktrainer Ferdinand Rudingsdorfer, die treuen Fans aus dem eigenen Verein, die Familien und Freunde und nicht zuletzt für den langjährigen Coach Bernd Schröttle unerwartet plötzlich und auf diese Weise nicht erwartet – mehreren Fakten und Besonderheiten sei Dank.

Zunächst konnte die Rundenwettkampfsaison vor Beginn der Krise und der damit verbundenen Beschränkungen gerade noch abgeschlossen werden. Für Mertingen so erfolgreich und hart verdient wie nur möglich, nämlich auf Platz eins in der Tabelle. Mit nur drei verlorenen Wettkämpfen schossen sich Verena Schröttle André Sauter, Thomas Muxel, Denis Nowey, Maria-Theresia Eckert, Alexander Strasser und Katharina Hafner an die Spitze der acht Mannschaften der Bayernliga Gruppe vier Südwest. Das Team hatte auch den Bund München III hinter sich gelassen, der zwar insgesamt mehr Gesamtpunkte, aber einen Mannschaftssieg weniger aufweisen konnte. Davon abgesehen ist diese Mannschaft nicht aufstiegsberechtigt, da bereits der Bund II in der 2. Bundesliga schießt. Das aktuelle Reglement sieht es nicht vor, dass zwei Mannschaften aus einem Verein in einer gemeinsamen Liga ab der Bayernliga schießen.

Corona verhilft Mertingen zum Aufstieg in die 2. Bundesliga

Aufstiegswettkampf kann wegen Corona nicht stattfinden

Jetzt wäre Mertingens erste Garde eigentlich zusammen mit sieben anderen Mannschaften (aus jeder Gruppe die beiden Besten) zum Aufstiegskampf gefahren. Bei diesem Wettbewerb werden zwei Wettkämpfe geschossen. Aus deren Ergebnis ergibt sich dann eine Gesamtplatzierung. Von den acht teilnehmenden Mannschaften steigen die beiden Sieger in die 2. Bundesliga auf. So das gewöhnliche Vorgehen.

Dies findet allerdings auf unbestimmte Zeit nicht statt, denn die Corona-Beschränkungen erlauben keine sportlichen Wettkämpfe. Ein Aufstieg, der zum Greifen nahe war, rückte für die Mertinger Schützen wieder in ungewisse Ferne.

Schließlich aber kam völlig unerwartet doch Bewegung in die Sache. In der 2. Bundesliga kündigten sich nach der abgeschlossenen Saison unerwartet Veränderungen an. Durch diverse Verschiebungen der Bundesligamannschaften wurde es möglich, für die kommende Saison vier neue Mannschaften aus der Bayernliga aufsteigen zu lassen. Das führte die entscheidungsbefugten Funktionäre im Schießsport letztlich zu folgender, für alle Beteiligten nachvollziehbaren und äußerst fairen Lösung: Aus jeder der vier Gruppen der Bayernliga darf der Tabellenführer aufsteigen. Dadurch schießt Mertingens erste Luftgewehrmannschaft in der kommenden Saison nun in der 2. Bundesliga.

Training mit moderner Technik

Ein riesiger Erfolg für das Team und den gesamten Verein. Umso motivierter können die Gemütlichkeitsschützen nun weitertrainieren. Denn das Training der Mannschaftsschützen kam nie zum Erliegen. Die moderne Technik macht es möglich: Alle Schützen rüsteten sich sofort privat mit der neuesten – nicht ganz billigen – aber dafür umso effektiveren Technik aus. Sie trainieren beinahe täglich mit einem Scatt-System. Dabei wird eine Kamera auf dem Gewehr installiert. Diese nimmt die Trockenschüsse auf eine banale Papierscheibe oder einen Messrahmen per Schall auf und zeigt dem Trainierenden über den Computer den Schussablauf bis ins kleinste Detail an: die Bewegungen beim Zielen, den eigentlichen Schuss (per Trockenabzug) und schließlich den Ablauf nach dem Schuss. Somit kann jede kleinste Bewegung analysiert, verbessert, erneut ausgeführt und schließlich perfektioniert werden.

Die Anstrengung ist nun eine viel höhere, das Feeling des realen Schießens bleibt fraglos auf der Strecke. Die Perfektion jedoch kann in einem neuen Maße ausgefeilt werden.

Daneben wird die Kondition trainiert, im häuslichen Fitnesskeller oder ganz regelkonform alleine im Freien: Joggen, Gewichtheben, Fahrrad fahren – je nach persönlicher Neigung. Das nächste Trainingslager im italienischen Leistungszentrum ist bereits geplant und wartet nur noch auf die Aufhebung der Beschränkungen.

Neuzugang zur nächsten Saison

Wann es mit dem Ligabetrieb wieder losgeht, ist noch unklar. Die Mertinger sind jedoch auf alle Eventualitäten vorbereitet. Bereits jetzt hat das Team einen neuen Trumpf im Ärmel. Wie fast jede Saison wird die Mannschaft auch im Herbst Verstärkung bekommen. Der Verein will noch nicht verraten, um wen es sich handelt. Der Neuzugang sei aber ein erfahrener Bundesligaschütze, den Mannschaftsmitgliedern bereits bekannt und längst ins Team integriert. (sisi)

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