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Fußball

23.05.2017

Der FC Mertingen feiert den Retter aus Mailand

Sektdusche für Ewald Gebauer: Der Trainer des SV Donaumünster-Erlingshofen wurde von seinen Spielern nach der Partie gegen Deiningen kräftig gefeiert.
Bild: Simon Bauer

Fußball Bierduschen, Magen-Darm-Infektionen und Trainerwechsel – das Saisonfinale im Kreis Donau bietet die interessantesten Geschichten. Doch die aus Mertingen ist nahezu filmreif.

Donaumünster So oft hatte Ewald Gebauer wohl selten auf die Uhr geblickt wie am späten Samstagnachmittag. Beim Trainer des SV Donaumünster-Erlingshofen lagen die Nerven verständlicherweise blank: Mit 2:1 lag der SVDE gegen die SpVgg Deiningen zwar vorne, aber eben auch nur ganz knapp. Und ein Sieg musste her, wollte das Team die Meisterschaft in der Kreisliga Nord und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga feiern.

Als Schiedsrichter Florian Neiber die Partie nach drei unerträglich langen Minuten Nachspielzeit dann endlich abpfiff, brachen alle Dämme: Die Spieler lagen sich in den Armen, Betreuer und Ersatzspieler – die teilweise draußen am Rande des Nervenzusammenbruchs gestanden hatten – rannten auf den Platz, um das Menschenknäuel noch zu vergrößern. Alle feierten, doch einer fehlte zunächst: Trainer Ewald Gebauer. „Ich glaub, der packt’s grad nimmer“, vermutete noch einer seiner Mannen. Als er dann Minuten nach dem Abpfiff mit einer Sektflasche bewaffnet sich dann doch zu seiner Mannschaft gesellte, erwartete ihn die obligatorische Bierdusche.

„Das war wahnsinnig nervenaufreibend“, resümierte er, „da denkt man schon an die Relegation und hat zwei verletzte Spieler draußen, dann kriegt einer noch Gelb-Rot... das ist jetzt ein großer Glücksmoment.“ Vor der Halbzeitpause waren die Deininger in Führung gegangen, ein Schockmoment für Titelanwärter Donaumünster. Auch der Ausgleich durch Patrick Schubert hätte dem SVDE nicht zum ersten Platz der Tabelle gereicht, da Konkurrent Wertingen zeitgleich gewann und nur einen Punkt entfernt auf einen Patzer Donaumünsters hoffte. Doch schließlich hatte Florian Schreiber mit seinem Tor für die Erlösung gesorgt. Gebauer zeigte sich als fairer Sportsmann und wünschte Wertingen viel Glück für die Relegation.

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Ab dem Sommer kickt der SVDE dann in der Bezirksliga. „Das wird für den Verein eine Herkulesaufgabe, aber ich steh’ auf Herkules“, sagte Gebauer schmunzelnd.

Torwart Florian Baierl konnte es nicht fassen, dass er nun zum zweiten Mal mit den Donaumünsterern den Aufstieg geschafft hatte. „Keiner hat mit uns gerechnet, so wie bei uns die Vorbereitung gelaufen ist. Und auch nach der Winterpause, als wir Spiele verloren haben. Aber wir haben uns aufgerafft!“, erklärte er stolz.

Mertingen So ganz ruhig ließ Vater Wolfgang Schroll das nicht, was sich 190 Kilometer entfernt von Würzburg abspielte. Gemeinderat Schroll war mit den Mertingern unterwegs zum Dampflok-Ausflug in Würzburg (DZ berichtete). Mehrmals telefonierte er mit seinem Sohn Sebastian. Er sicherte mit dem „goldenen Tor“ dem FC Mertingen im direkten Duell mit dem FC PUZ (Pfaffenhofen-Untere Zusam) den Klassenerhalt.

„Es war ein ungemein großer Jubel“, erzählt Fußball-Abteilungsleiter Manfred Seitz. Mit letztem Einsatz habe sich der FCM auf dieses entscheidende Spiel vorbereitet. Moritz Wagner (Trainer beim FC Augsburg) wurde nach seiner hartnäckigen Verletzung wie ein Profi behandelt. Sein Oberschenkel wurde täglich therapiert. Wagner konnte letztlich spielen und sei eine wichtige Stütze gewesen. Alles, aber wirklich alles habe man in Bewegung gesetzt. Seitz gelang es sogar Sebastian Schroll zu aktivieren, der im Moment ein Auslandsstudium in Mailand absolviert. Er überredete Schroll zu diesem wichtigsten Spiel der Saison anzureisen. So bestieg Schroll am Samstagvormittag ein Flugzeug nach München, um von dort direkt zum Sportplatz in Mertingen gebracht zu werden. Und weil der Fußball Geschichten schreibt, die man nicht für möglich hält, war es dann ausgerechnet Sebastian Schroll, dem der Siegtreffer gelang. Die Feier soll feuchtfröhlich gewesen sein…

Oberndorf Das ist bitter: Oberndorfs Spielertrainer Stefan Fischer plagten ausgerechnet zum entscheidenden, letzten Saisonspiel Magen-Darm-Probleme. Dennoch hat er sich zum Spielende noch selbst eingewechselt, um das 2:0 gegen den SV Großsorheim zu festigen. Der Sieg bedeutete letztlich den sofortigen Wiederaufstieg aus der A-Klasse in die Kreisklasse.

„Das ist nicht selbstverständlich“, blickt Fischer zurück. Er selbst hat sich bei der anschließenden, ausgelassenen Feier zurückgehalten. Schon auf dem Sportplatz war Hochprozentiges gut geflossen, später dann auch im Sportheim. Dort dankte Fischer seinem Team und auch Landrat Stefan Rößle als Präsident des VfB zum Titel. Fischer hatte allerlei mitgebracht: einen Meisterbutton als Flaschenöffner und für jeden das gerahmte Plakat mit den Zielsetzungen vom Saisonbeginn. „Als eine Erinnerung“, schmunzelte Fischer. Die Mission Wiederaufstieg sei nur durch großen Einsatzwillen von Erfolg gekrönt worden.

Torhüter Mattias Mayer durfte sich über die Auszeichnung als trainingsfleißigster Spieler freuen. Zum „Spieler des Jahres“ kürte Fischer Manfred Exner. Am Sonntag feierten die „Helden“ dann beim Dorferneuerungs-Fest in der Ortsmitte, um dann am Nachmittag wieder zum Sportplatz zu ziehen. Dort freuten sich die VfB-Fußballdamen über die Unterstützung beim Spiel gegen Deiningen.

Wolferstadt Zwar hat der TSV Wolferstadt noch nichts erreicht, doch gefeiert wurde nach dem letzten Saisonspiel kräftig. Mit 7:0 hatte man SC Athletik Nördlingen in der A-Klasse Nord nach Hause geschickt und sich damit den Relegationsplatz gesichert. Matthias Hoinle, gemeinsam mit Thomas Reicherzer Trainer, wollte die Siegeslaune gar nicht bremsen. „Das haben sich die Jungs verdient“, kommentierte er die ausgelassene Party, schließlich hatte es zur Winterpause nicht so rosig ausgesehen. Es soll schon wieder hell geworden sein, als die letzten Spieler den Heimweg antraten. „Die Pflichtaufgabe ist erfüllt“, meinte Hoinle, der gleichzeitig nach vorne blickte. Das Augenmerk des Trainers gilt dem Himmelfahrts-Tag: Um 18 Uhr wird in Mönchsdeggingen Schretzheim II der Gegner sein.

Den Kontrahenten um den Aufstieg in die Kreisklasse schätzt das Trainerteam als „undankbar“ ein. Man wisse sehr wenig über die Dillinger Stadtteil-Elf. In der Mannschaft herrsche aber eine „Jetzt gilt es“-Stimmung, sagt Hoinle. Im Vorjahr Fünfter, war der TSV vor zwei Jahren in der Relegation gescheitert. Das soll in dieser Saison anders werden. Sollte Wolferstadt das Spiel gegen Schretzheim verlieren, gibt es noch einen zweiten Matchball, denn dann könnte man in einem weiteren Spiel den Aufstieg schaffen. Gegner würde dann der Verlierer aus der Partie zwischen Großkötz und Günzburg II sein. Am Dienstagabend werde man noch einmal normal trainieren und dann voller Zuversicht nach Mönchsdeggingen fahren.

Tapfheim Nur wenige hundert Meter entfernt vom Meisterspiel des SV Donaumünster-Erlingshofen konnte am Samstagnachmittag auch der SC Tapfheim den Titel feiern. Die Mannschaft sicherte sich ebenfalls ganz knapp mit einem 1:0-Sieg über Unterbechingen den ersten Platz der A-Klasse West III – punktgleich mit dem BC Schretzheim II, der nun in die Relegation muss. Den „ersten Teil“ der Meisterfeierlichkeiten hat der SC Tapfheim schon hinter sich, zum zweiten Teil kommt es dann beim Feuerwehrfest, verrät Trainer Lukas Bischof. Bis zum Schluss hatte er mit seiner Elf gezittert, zumal das Ergebnis aus Schretzheim, ein Sieg gegen Steinheim, schon feststand. Die Partie ging zu Ende, als der SCT seine begann. „Es war mir eigentlich schon vorher klar, dass es so kommt und wir das Spiel unbedingt gewinnen müssen“, sagt Bischof.

Erfolgsrezept der vergangenen Saison sei vor allem der Zusammenhalt der Mannschaft gewesen: „Jeder hat begriffen, dass es nur über das Team und den Einsatz füreinander geht. Auch die individuelle Klasse war ausschlaggebend. Die Motivation kam dann von allein, je näher wir dem ersten Rang kamen.“

Für die nächste Saison in der Kreisklasse hofft er nun, dass Tapfheim im Donauwörther Raum eingeteilt wird und nicht im Dillinger, wie es in der A-Klasse West III der Fall war. Zuerst muss das Team aber die Relegationen abwarten, bevor die Einteilung vorgenommen wird.

Marxheim Der FC Marxheim/Gansheim meldet unmittelbar nach Saisonende eine personelle Veränderung im Trainerstab: Tobias Gerner bleibt demnach weiterhin der Coach des A-Klassisten. Zur Unterstützung von Gerner konnten die FCM-Verantwortlichen Chris Schmid vom SV Münster sowie Torjäger Christian Neubaur als Co-Trainer gewinnen. „Nach einer langen Saison freuen wir uns, dass damit der bestehende Kader zusammen bleibt und wir mit einem Trainer-Trio in die neue Saison gehen werden“, sagt Abteilungsleiter Josef Stuber. Auch einen Neuzugang vermelden die Marxheimer: Daniel Kopold vom SV Münster. Erfreulich wäre es, so Stuber, wenn bei anderen Vereinen spielende Kicker aus Marxheim den Weg zurück zum Heimatverein finden würden.

Bilder von den Meister-Spielen in Donaumünster und Oberndorf gibt es online unter www.donauwoerther-zeitung.de/bilder.

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