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Turnen

17.04.2018

Die große Show der kleinen Turnkönigin

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3 Bilder
Km Bui (links) zeigte in Monheim Geräteturnen auf Top-Niveau und gewann die Einzelwertung des Wettkampfes.
Bild: Szilvia Izsó

Wie Kim Bui die Konkurrenz beherrschte, sich der TSV Monheim als Ausrichter des Wettkampfs in der 1. Frauen-Bundesliga schlug und Nachwuchsathletin Lisa Bach jede Minute auskostete.

Monheim Immer, wenn sie an ein Gerät geht, wird es ruhig in der Halle. 500 Zuschauer halten den Atem an. Kim Bui ist der Star des Bundesliga-Wettkampfs in der Monheimer Stadthalle. Sie darf sich am Ende auch „Top-Scorerin“ nennen, also die Beste der angetretenen deutschen Elite. „Ich bin ganz zufrieden“, antwortet sie kurz vor der Siegerehrung genauso diszipliniert wie sie turnt. Und schiebt artig ein Kompliment für den ausrichtenden TSV Monheim nach: „Wirklich angenehm und nett hier.“

Kim Bui, die Tochter einer Vietnamesin und eines Laoten, hat sich ihr Leistungsvermögen hart erarbeitet, vor acht Jahren einen Kreuzbandriss „weggesteckt“ und ist nach dem Monheimer Wettkampf alles andere als euphorisch - obwohl sie allen Grund dafür hätte. Ja, ein guter Wettkampf, kommentiert sie eher zurückhaltend und blickt nach vorne. Jetzt, in der Sommerpause, will die 29-Jährige trainieren und ihr Studium der technischen Biologie an der Universität Stuttgart vorantreiben.

Aber nicht nur die mehrmalige Olympiateilnehmerin und deutsche Serienmeisterin Kim Bui glänzt in der „Turner-Männerhochburg“ (so Moderator Jörg Rosenkranz) mit Leistungen, auch die Übungen der anderen Bundesligaturnerinnen sind Augenweiden. Maria Sonntag, Clara Colombo, Marielle Bilett, Sarah Sonnenschein – ihre Namen sind genauso außergewöhnlich wie ihre Darbietungen beim Sprung, am Stufenbarren, am Boden oder am ungeliebten Balken. Die Stuttgarter Turnerinnen unterstreichen auch in Monheim ihre Extraklasse, aber der TSV Tittmoning als letztlich Zweiter ist ihr auf den Fersen. „Es ist gut gelaufen“, sagt Sonja Fischer aus Tittmoning, obwohl sie zweimal vom Balken musste. Dass der MTV Stuttgart als amtierender Deutscher Meister aber den Titel erneut gewinnt, daran zweifelt niemand, der sich im Frauenturnen auskennt.

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Auch Lisa Bach nicht. Sie kennt die meisten der Bundesliga-Turnerinnen. Die Alerheimerin ist Mitglied der Regionalliga-Aufstiegsmannschaft des TSV Monheim. Sie beobachtet jede Turnerin (vor allem in ihrer Paradedisziplin am Boden) ganz genau, beurteilt den Schwierigkeitsgrad der Übungen und weiß, was man durchlebt, wenn man beispielsweise am Stufenbarren patzt. Für die 17-Jährige sind die Bundesliga-Tage in Monheim „eine Motivation“, sagt sie. Sie freue sich schon, wenn sie nach einer Pause nun wieder ins Training einsteige. Sie will in jedem Fall ihren Vorbildern nacheifern. Doppelsalto oder -schraube hat Lisa Bach schon im Repertoire.

Auf der Tribüne sitzt ein fachkundiges Publikum. „Wir sind ausverkauft“, muss Mario Reichert, einer der TSV-Hauptorganisatoren, kurz vor Beginn des Wettkampfs einigen Wartenden an der Kasse zurufen. Die waren vier Stunden mit dem Auto gefahren, um am Ende keinen Zutritt mehr zu finden. „Das Interesse ist groß“, bemerkt denn auch der Hausherr. Bürgermeister Günther Pfefferer verfolgt gemeinsam mit Schirmherr Ulrich Lange und Landrat Stefan Rößle das fast dreistündige Turn-Spektakel mit Begeisterung.

Dass Monheim mit dem Zuschlag zur Ausrichtung des Bundesliga-Wochenendes einen Clou gelandet hat, liegt wohl einfach am guten Ruf der TSV-Turnabteilung. Peter Bullinger erweist sich denn auch als souveräner und fachkundiger Moderator, alles läuft wie am Schnürchen ab – nur die Halle hätte größer sein müssen, witzelt sein Moderator-Kollege Jörg Rosenkranz.

Anders als beim Scoresystem der Männer sind nicht einzelne Duelle, sondern die Mannschaftsleistung als Ganzes nach offiziellen Wertungspunkten ausschlaggebend, nicht immer einfach für die Zuschauer. 50 Helfer hat der TSV im Einsatz, gilt es doch, 24 Mannschaften mit Turnerinnen, Betreuern und Trainern zu umsorgen, ihnen manchmal auch Wünsche von den Lippen abzulesen. An zwei Tagen sind 250 Turnerinnen im Einsatz: in der ersten, zweiten und dritten Bundesliga.

Eine hätte man in Monheim auch gerne gesehen: die Sportsoldatin Elisabeth Seitz vom MTV Stuttgart. Sie ist als Deutsche Meisterin eine Ausnahmekönnerin. Die Nachricht, dass sie fast zeitgleich zum Ende der Bundesliga-Frühjahrsrunde in Monheim den Turn-Weltcup in Japan gewonnen hat, macht schnell die Runde und scheint ein Ansporn zu sein, die Bestleistungen abzurufen. „Schade“, sagt Betti Fey, eine Trainerin des Drittligisten Kirchheim. Sie hätte auch gerne Pauline Schäfer oder Sophie Scheder turnen gesehen. Beide hatten kurzfristig passen müssen. So ist es letztlich ganz die große Show der 1,55 Meter kleinen Kim Bui.

„Turnen auf so hohem Niveau“ zu sehen, ist für die Alerheimerin Lisa Bach ein Leckerbissen. Sie weiß aber auch, dass Deutschlands beste Turnerinnen jeden Tag trainieren. Was sie mit nach Hause nimmt? „Die Erkenntnis, dass es sich lohnt, hart zu trainieren.“

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