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Fußball

13.03.2021

In Wemding wird seit 100 Jahren gekickt

Eine der ersten vorhandenen Aufnahmen der Wemdinger Fußballgeschichte: Das Bild zeigt die Aktiven der Jahre 1928 und 1929. Zu den Auswärtsspielen ging es damals zu Fuß oder per Fahrrad.
Foto: Repro TSV Wemding

Plus Die Abteilung Fußball des TSV Wemding kann auf ein bemerkenswertes Jubiläum zurückblicken. Wie alles begann und was in Erinnerung bleibt.

„In normalen Zeiten“ – eine während Corona häufig gebrauchte Floskel. So würde „in normalen Zeiten“ nun Mitte März wieder der Lokalfußball in der Region starten. Und „in normalen Zeiten“ könnten die Kicker des TSV Wemding in diesem Sommer das 100-jährige Jubiläum ihrer Abteilung feiern. Doch aus beidem wird zumindest vorerst nichts. Und trotzdem lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Wemdinger Fußballer, die den Sport in der Region mit Erfolgen, Niederlagen und Persönlichkeiten immer wieder geprägt und bereichert haben.

Zum 50-jährigen Bestehen der Abteilung wurde im Juli 1971 eine umfassende und interessante Festschrift erstellt, die bis in die Anfänge des Fußballs in Wemding zurückreicht. Davon existiert nur noch ein Original, doch Spartenleiter Andreas Meister hat nun einige Exemplare nachdrucken lassen.

TSV Wemding: Startschuss für die Fußball am 13. März 1921

Aus der Chronik geht hervor, dass sich am Sonntag, 13. März 1921, und somit heute vor 100 Jahren die damaligen Kicker zur „endgültigen Grundlegung der Abteilungsangelegenheiten“ trafen. Es traten sofort 16 Mitglieder bei. Bestaunt wurde der Überlieferung nach vor allem der neu eingetroffene Spielball. In den folgenden Jahren gab es nur vereinsinternes Training. 1927 beschloss der Stadtrat die Schaffung eines Spiel- und Sportplatzes auf dem Grundstück „Sandfeld“, dem heutigen Valeo-Gelände.

Das laut Chronik erste richtige Vereinsspiel ging ein Jahr darauf 1:3 in Monheim verloren. Danach wurde der Betrieb lebhafter, Mannschaften aus der Region waren regelmäßige Gegner. Höhepunkte jener Zeit bildeten offensichtlich Partien gegen den „sehr spielstarken FC Chevrolet Stuttgart“.

Der Lokalrivale DJK Wemding wird 1933 verboten

Der damals noch bestehende Lokalrivale DJK Wemding wurde 1933 verboten, viele Aktive schlossen sich daraufhin dem TSV an und verstärkten diesen, zu jener Zeit entstanden eine Reserve- sowie mehrere Jugendmannschaften. Bemerkenswerte Anekdoten laut Chronik: Zu Spielen nach Oettingen oder Donauwörth ging es mit dem Fahrrad. Wenn die Aktiven Glück hatten, konnten sie auf einem Lastwagen Platz nehmen. Ab 1935 litt der Spielbetrieb merklich und kam mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen.

Das erste Klubhaus der Wemdinger Fußballer in der Jahnstraße im Rohbau. Fertiggestellt wurde das Gebäude 1962 und blieb Heimat bis zum Umzug auf die Robertshöhe 1989.
Foto: Repro TSV Wemding

Nach Kriegsende fanden sich wieder Sportfreunde zusammen, die den Neustart organisierten. Dieser lief mühsam: Trikots und Schuhe wurden über „Schleichwege“ erworben, zu den Auswärtsspielen lief oder radelte man. Deswegen waren die Kicker an Sonntagen oftmals von früh bis spät unterwegs. Erste Spielerpässe wurden im August 1947 ausgestellt. „Es war ein verschworenes Häufchen, das trotz saftiger Niederlagen eisern zusammenhielt“, heißt es rückblickend.

1957 entsteht an den „Höllwiesen“ ein neues Gelände

Der langjährige Platz am „Sandfeld“ musste zugunsten der Industrie aufgegeben werden, dafür entstand an den „Höllwiesen“ (Jahnstraße) 1957 ein neues Gelände. Durch zähe Verhandlungen mit der Stadt erreichte Spartenleiter Toni Baierl die Errichtung eines Klubheims, das 1962 fertig wurde. Fußballerisch ging es in Folge durch den höherklassig erfahrenen Spielertrainer Georg Eckl voran, Förderer Georg Appl stiftete die erste Flutlichtanlage und stellte den Grund für einen Ausweichplatz zur Verfügung.

Mühsam verlief der Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein erster Erfolg war 1950 die Meisterschaft in der C-Klasse, den diese Mannschaft erringen konnte.
Foto: Repro TSV Wemding

Das 50-jährige Bestehen der Sparte wurde 1971 mit einem Festwochenende gefeiert. Bemerkenswert dabei: ein Damenfußball-Einlagespiel der Wemdinger Frauen gegen den VfB Eichstätt vor gut 1000 Zuschauern. Auch in dieser Hinsicht war der TSV offensichtlich ein Pionier. In den nachfolgenden Jahren wurde die Jugendarbeit verstärkt und ausgebaut, bei der Herrenmannschaft wechselten sich bessere und schlechtere Phasen ab.

1989 der Umzug auf die Robertshöhe

Einen Meilenstein markierte 1989 der Umzug auf die weitläufige Anlage an den nördlichen Stadtrand, wo man auf der Robertshöhe mit drei Fußballplätzen und geräumigem Sportheim bis heute beste Bedingungen vorfindet. Sportlich war der TSV um die Jahrtausendwende am erfolgreichsten.

Erstmals gelang der Sprung in die Bezirksliga: Die Meistermannschaft der A-Klasse Nord von 1973 mit dem jungen Spartenleiter Manfred Spenninger (stehend links).
Foto: Repro TSV Wemding

Insgesamt drei Jahre verbrachten die Wallfahrtsstädter in der damaligen Bezirksoberliga, wo man 2002 unter Trainer Harald Grimm mit dem siebten Rang die beste Platzierung der Vereinsgeschichte erreichte. Nach vielen Spielzeiten in Bezirks- und Kreisliga ging es vor einigen Jahren jedoch schmerzhaft zweimal in Folge bergab, wo man sich in der Kreisklasse Nord I neu aufgestellt hat.

1992 ist der FC Bayern München zu Gast beim TSV Wemding

Unvergessene Höhepunkte für die Wemdinger Fußballfreunde waren die Spiele gegen den 1. FC Nürnberg anlässlich des 60-jährigen Spartenjubiläums im Sommer 1981 (2:10) sowie den FC Bayern München, der im August 1992 zum 100-jährigen Bestehen des Gesamtvereins gastierte und mit einiger Mühe 4:1 gewann.

„Der Rekordmeister noch immer ein Zuschauermagnet“, so titelte die DZ beim Gastspiel des FC Bayern 1992.
Foto: Weigl

Der Rekordmeister hatte eine miserable Saison (Platz zehn) hinter sich und begann den Neuaufbau mit Trainer Erich Ribbeck unter anderem auf der Robertshöhe. Nach Ferdinand Schichls Ausgleich war der TSV vor gut 4000 Zuschauern auf der Robertshöhe sogar der Führung nahe, doch am Ende setzte sich die Qualität von Mehmet Scholl, Olaf Thon, Thomas Helmer & Co. durch.

Aktuell hoffen die TSV-Fußballer, baldmöglichst wieder auf den Platz zu dürfen und dann auch die im August 2019 begonnene, nun schon mehrfach unterbrochene Saison, fortzusetzen. Immerhin sind die Schützlinge von Coach Karl Schreitmüller, der im Sommer gehen und von Jens Meckert abgelöst wird, jetzt schon geschlagene 18 Monate Tabellenführer – ohne die lang ersehnte Rückkehr in die Kreisliga bejubeln zu können.

Der Meistertitel in der Kreisklasse ist zum Greifen nah

Feiern wird auch in den kommenden Wochen weiterhin schwierig sein, aber den Titel will der TSV langsam einfahren. Fünf Spiele sind regulär noch angesetzt, zehn Punkte beträgt der Vorsprung auf die SpVgg Deiningen. „Unser Sekt steht schon über ein Jahr im Kühlschrank“, schmunzelt Spartenleiter Andreas Meister. So mancher Fan sieht die Situation ebenfalls mit Humor: Der Satz „So gut, dass wir über ein Jahr die Tabelle anführen, waren wir noch nie“, war zuletzt bereits öfters in Wemding zu hören.

Den bislang letzten Aufstiegsjubel gab es im Wemdinger Lager vor zehn Jahren. Nach einem 3:0-Erfolg beim SV Donaumünster-Erlingshofen stand 2011 die Rückkehr in die Bezirksliga Nord fest.

„Wir werden sicher überleben“, betont Meister mit Blick auf die derzeitige finanzielle Situation. Immerhin habe man kurz vor Corona noch jeweils fünfstellige Summen in die neue Sportheim-Küche sowie eine moderne Flutlicht-Anlage für den Trainingsplatz investiert. Nun fehlen jedoch Einnahmen durch Eintrittsgelder und Bewirtung. Hilfreich war hier, so der Spartenleiter, der Verzicht von Coach Schreitmüller auf jedes Gehalt in Monaten des ausgesetzten Spiel- und Trainingsbetriebs.

Aktueller Trainer beim TSV ist noch bis Saisonende Karl Schreitmüller.
Foto: Izsó

Unterstützt wird der TSV zudem bereits seit vielen Jahren vom gemeinnützigen „Förderverein des Wemdinger Fußballs“, der unter Leitung von Werner Steger auch für soziales Engagement in Form von vielseitiger Jugendarbeit steht. Aktuell sind 160 Spieler in zwei Senioren- sowie neun Jugendmannschaften aktiv.

Manfred Spenninger: Ein halbes Jahrhundert Spartenleiter in Wemding

Manfred Spenninger war bis Sommer 2018 fast ein halbes Jahrhundert lang Spartenleiter, damit während dieser Zeit auch das „Gesicht“ des Wemdinger Fußballs und ist praktisch jedem Fußballfreund in der Region ein Begriff. Für „den Manne“ war der TSV stets mehr als nur ein Hobby, bis heute ist er als helfende Hand engagiert. Spenninger ist stolz, dass es in all den Jahren immer wieder gelungen sei, nicht nur Spieler, sondern „echte Persönlichkeiten“ aus der eigenen Jugend für den Herrenbereich auszubilden.

Fast 50 Jahre war Manfred Spenninger (rechts, mit Uli Hoeneß) Spartenleiter.
Foto: Eireiner

Der 75-Jährige betont dabei: „Das und die vielen erreichten Erfolge waren aber nur möglich, weil wir seit jeher und bis heute viele ehrenamtliche Leute im Einsatz haben, auf und neben dem Platz, vor und hinter den Kulissen. Dazu die treuen Fans und natürlich die Sponsoren. All diesen Frauen und Männern, die sich für den TSV einbringen, kann man gar nicht genug danken.“ Zu überregional erfolgreichen Zeiten habe man den Namen der Stadt Wemding im gesamten südbayerischen Raum vertreten.

Der TSV 1860 München hätte heuer in Wemding spielen sollen

Ob der TSV die älteste noch bestehende Fußballabteilung in der Region hat, lässt sich nicht definitiv sagen. Auch der Bayerische Fußball-Verband konnte keine klare Auskunft geben. Zu den ersten hier gegründeten Sparten gehört sie auf jeden Fall. Für Ende Juni war ein Festwochenende zum 100-jährigen Bestehen geplant, der Vertrag für ein Gastspiel des TSV 1860 München schon lange unterzeichnet – doch die Corona-Pandemie machte den Wemdingern einen Strich durch die Rechnung.

Ein Bild aus geselligen „Vor-Corona-Tagen“: Zahlreiche Zuschauer bei einem Heimspiel auf der Robertshöhe.
Foto: Izsó

„Wir wollen nun möglichst 2022 feiern“, sagt Meister – ob dann auch die Münchner „Löwen“ kommen, ist jedoch unklar. Und im Hinterkopf hat man zumindest eine kleinere Jubiläumsfeier in diesem Frühjahr, die im Rahmen des angestrebten Aufstiegs über das weitläufige Sportgelände verteilt stattfinden könnte.

Noch bleibt offen, was die Zukunft aufgrund der aktuellen Lage mit sich bringt – sicher ist dagegen: Auch in Zukunft wird für die Wemdinger Fußballer das Motto gelten, das sogar groß an der Wand des Sportheims geschrieben steht. Dort heißt es: „Siege mit Stolz, ohne zu prahlen. Verliere mit Würde, ohne zu murren. Wichtiger als der Sieg ist die Haltung.“

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