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Schießen

14.11.2019

Kaugummi kauend zu Top-Resultaten

Die 16-jährige Tamara Kleinle schießt bereits bundesligataugliche Ergebnisse. Ihr bislang größter Erfolg: Der Sieg im Jugendfinale im Bezirkspokal.
Foto: Michael Rebele

Tamara Kleinle erzielt Spitzenergebnisse auf Gau- und Landesebene. Wie sie Sport und Job unter einen Hut bringt.

Ergebnisse jenseits der 390 Ringe werden normalerweise von Luftgewehrschützen geschossen, die in höheren Ligen, wie in Bayernliga oder den Bundesligen beheimatet sind. Dass jedoch ein Schütze aus der Gauliga ein solches Ergebnis bringt, kommt nicht so häufig vor. Tamara Kleinle gelang dieses Kunststück und ihre 392 Ringe zu Beginn des Rundenwettkampfes für die Gauliga-Mannschaft von St. Martin Wolferstadt waren auch kein Ausreißer, denn zwei Wochen später legte sie 395 Ringe nach. Sie führt damit klar die Einzelwertung des gesamten Rundenwettkampfes im Gau Donau-Ries an.

Mit zehn Jahren fing die heute 16-Jährige mit dem Schießen an und es machte ihr so viel Spaß, dass sie dabei blieb. „Es ist eine Abwechslung zum Alltag und ein gutes Training für die Konzentration. Da klappte es dann auch besser in der Schule mit dem Konzentrieren“, erklärt sie. Doch damit allein lässt sich der Erfolg der jungen Schützin kaum erklären. „Sie ist sehr ehrgeizig und zielstrebig“, betont Tamaras Mutter Anita Kleinle.

Für das Schießen habe ihre Tochter etwa auch das Querflötspielen aufgegeben, da die Wettkampfzeiten mit denen für Musikauftritte kollidierten.

"Als Leistungsschütze muss man investieren"

Anita Kleinle riet ihrer Tochter deshalb auch, das Schießen durchzuziehen oder es gleich ganz sein zu lassen. Schließlich sei es ja auch ein teures Hobby. Eine komplette Ausrüstung kostet schon mal 10.000 Euro, hinzu kommt die Munition. „Aber als Leistungsschütze muss man investieren“, sagt Anita Kleinle. Das klappe nur, wenn die ganze Familie dahinterstehe und auch der Arbeitgeber, denn Tamara fährt an vielen Wochenenden zu Wettkämpfen des Bayernkaders, dem sie angehört. So ging es jüngst bis nach Südtirol. Solche Wettbewerbe dauern dann auch mal das ganze Wochenende. Tamara muss dann bereits freitags anreisen – wofür dann allerdings ein Großteil des Jahresurlaubs der Bürokauffrau-Auszubildenden draufgeht.

Die freie Zeit auf den langen Autofahrten nutzt sie, um für die Berufsschule zu lernen. Das muss sie auch, denn der Schießsport kostet viel Zeit: zweimal pro Woche geht sie für jeweils zwei Stunden ins Training. Hinzu kommen alle zwei Wochen der Rundenwettkampf und die Kader-Wettbewerbe an den Wochenenden. Große Pausen gibt es nicht. „Die Saison geht von Oktober bis September, zwischendrin sind nur zwei, drei Wochen Pause“, erklärt Tamara.

Mit Beginn der Ausbildung kommen auch die hohen Ergebnisse

Seit sie ihre Ausbildung begonnen hat, hat sich die junge Monheimerin nochmals stark verbessert, wie die guten Resultate belegen. „Sie ist einfach nicht mehr gerne in die Schule gegangen. Seit sie im Job ist, kommen auch die 390er Ergebnisse“, sagt ihre Mutter stolz. Doch auch von den regelmäßigen Wettkämpfen im bayerischen Landeskader habe sie sehr profitiert, wie Tamara erklärt: „Das Grundgerüst steht schon, aber jetzt im Kader kommt noch die Taktik dazu und das Verhalten. Man sieht ja von außen nicht, was in einem Schützen im Wettkampf vorgeht, zum Beispiel, was er macht, wenn er aufgeregt ist.“ Im Kader lerne sie das alles, wobei Tamara bereits ihr eigenes Rezept gegen Nervosität hat: tief durchatmen und Kaugummi kauen.

Große Zukunftspläne im Sport hat die 16-Jährige bislang noch nicht, sie möchte sich erst einmal im Bayernkader etablieren, noch besser werden und den Schießsport auf jeden Fall so lange wie möglich betreiben. Im Blick hat sie die Bundesliga aber dennoch – zuhause auf dem Bildschirm. „So wie bei anderen Familien am Wochenende die Fußball-Bundesliga geschaut wird, läuft bei uns die Luftgewehr-Bundesliga übers Internet“, so Anita Kleinle schmunzelnd.

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