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Donauwörth

14.07.2018

Kindertag: Zwei Jahre Arbeit für ein prachtvolles Fest

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6 Bilder
Das Team um Hannelore Zinsmeister (Zweite von rechts) hat ganze Arbeit geleistet. Alle 900 historischen Gewänder mit 8000 Einzelteilen für den 41. Schwäbischwerder Kindertag sind fertig.
Bild: Würmseher

Das Team der Nähstube um Hannelore Zinsmeister leistet ehrenamtlich Enormes, um die Mode Donauwörths früherer Jahrhunderte wieder aufleben zu lassen.

Die Nähmaschinen schnurren rasant im Endspurt. Noch einmal geben sie Gas, die letzten Nähte schließen sich, die Scheren kappen die Fäden – dann liegen die historischen Kreationen in Samt und Seide, Rupfen und Leinen, Wolle und Brokat formvollendet auf den Tischen. Fertig!

Eine Woche bevor der 41. Schwäbischwerder Kindertag die Donauwörther Stadtgeschichte lebendig werden lässt, haben die Mitarbeiterinnen der Nähstube ganze Arbeit geleistet. Die Kostüme für 900 Aktive sind perfekt. 8000 textile Einzelteile sind gewaschen, gebügelt, ausgebessert, gekürzt, geweitet oder gänzlich neu geschneidert, verziert, dokumentiert und in Computerdateien verwaltet. 51 komplett neue Lehrer-Gewänder hängen abholbereit auf den Kleiderständern in den Räumen der Nähstube am Donauwörther Zusamweg. Kisten voller Beiwerk stehen transportbereit da.

Grund zum Feiern

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Und im gleichen Maß, wie die Nähmaschinen ihr Rattern nun eingestellt haben, fangen die Stimmen in der Nähstube an, fröhlich zu schwatzen. „Wir setzen uns ja mittags immer zusammen“, erzählt Hannelore Zinsmeister, „aber mit dem Ende unserer Arbeiten vor dem Kindertag haben wir besonderen Grund, zu feiern. Und das tun wir auch!“

Die zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen um die Schneidermeisterin können aufatmen. Nach zweijährigen Vorbereitungen kommt jetzt für sie die Phase der Entspannung. Jetzt wird lediglich noch der Transport der Gewänder, Hüte, Stiefel, Strümpfe, Handschuhe und all der anderen Accessoires zu den sechs teilnehmenden Schulen überwacht. Dort kleiden sich die Mädchen und Buben und ihre Lehrkräfte dann am Sonntag unmittelbar vor dem Fest ein. Jedes Gewand ist exakt jedem Teilnehmer angepasst. Und wenn am 22. Juli das große Spektakel im Heilig-Kreuz-Garten über die Bühne geht, dürfen sich Hannelore Zinsmeister und ihr Team als Ehrengäste auf der Tribüne gelöst zurücklehnen und genießen.

Aber was heißt schon gelöst! Sie, die Fachfrauen, die modische Stilkunde betreiben, die sich mithilfe von Stadtarchivar Ottmar Seuffert in die Materie einarbeiten, die den ganzen Werdegang jedes einzelnen Kleidungsstücks miterleben und mit Kreativität begleiten, können das Geschehen des Kinderfests nicht gänzlich unbeschwert beobachten.

Sitzt der Rock auf Taille? Oder ist er etwa auf die Hüfte gerutscht? Sind die Kniestrümpfe ordentlich hoch- gezogen? Gehen die Bundhosen tatsächlich bis übers Knie?... Fragen wie diese, die anderen überhaupt nicht in den Sinn kämen, beschäftigen die Näherinnen auch dann, wenn sie auf den Zuschauerrängen Platz genommen haben. Schließlich sind sie monatelang den Weg der Perfektion gegangen, der nun final im Fest mündet.

Nach dem Fest beginnt die Arbeit

Dieser Weg beginnt immer wieder neu am Ende eines Schwäbischwerder Kindertags. Wenn das historische Treiben vorüber ist, dann türmen sich im Zusamweg Berge von getragener Kleidung. Die ganze Pracht, die eben noch als Augenweide von den vielen Kinderdarstellern getragen worden ist, liegt dann ein wenig unansehnlich vor den Mitarbeiterinnen der Nähstube. Dann wird je nach Kleidungsstück sortiert. Alle Strümpfe kommen zusammen, alle Handschuhe, Hemden... Tausende von Rüschen werden abgetrennt, um sie per Hand zu säubern. Alles, was in die Waschmaschine darf, wird dort gereinigt. Vieles aber ist zu empfindlich und muss in mühevoller Handarbeit behandelt werden. Jeder Fleck einzeln.

Danach geht es in die Nähstube. „Wir untersuchen jedes Teil, ob es reparaturbedürftig ist“, schildert Hannelore Zinsmeister. „Da sind Ärmel beschädigt, Löcher entstanden, Ösen ausgerissen und manches mehr. Da werden Schweden-Stiefel ebenso repariert wie Bürgerröcke. Von September bis Weihnachten sind wir nur damit beschäftigt, Gewänder auszubessern, Hüte zu reinigen und beispielsweise Zuggummi einzuziehen.“

Nach Weihnachten machen sich die fleißigen Bienen dann daran, neue Gewänder zu nähen. Immer donnerstags kommen sie zusammen. Längst nicht alle Wünsche können sie sich erfüllen. Oft reicht die Zeit nur für das Nötigste. „Gott sei Dank findet der Kindertag inzwischen im Zweijahres-Turnus statt“, ist Hannelore Zinsmeister erleichtert. „Das verschafft uns doch ein wenig Luft bei den notwendigen Schneiderarbeiten.“ Heuer waren es die Lehrerkostüme, die neu kreiert wurden, fürs kommende Jahr steht unter anderem ein Herold-Kostüm auf der Wunschliste.

Seit 2011 gibt es die Nähstube

Seit 2011 gibt es die Nähstube zum Schwäbischwerder Kindertag. Aus kleinen Anfängen hat sie sich sehr rasch zu einem beachtlichen Unterfangen entwickelt. Standen anfangs 70 Quadratmeter und eine Nähmaschine in einem kleinen Siedlerhaus in der Stadtmitte zur Verfügung, erstrecken sich die Arbeits- und Lagerräume mittlerweile auf zwei Etagen, rund 200 Quadratmeter und eine ordentliche Ausstattung. „Anfangs herrschte Chaos pur, alles war viel zu eng“, erinnert sich Hannelore Zinsmeister. „Dann sind wir Ende 2012 umgezogen und haben 2013 erstmals hier im Zusamweg genäht.“

Neben der Schneidermeisterin gehört auch eine Modistenmeisterin mit zum Team. Mathilde Sauter begleitet den Kindertag schon seit seiner Entstehung. „Pelz und Hut Sauter“ war einst ein alt eingesessenes Geschäft in der Reichsstraße 125 Jahre lang dauerte die Tradition, dann schloss der Laden 1998. All ihr Wissen steckt Mathilde Sauter nun in die Kappen und Mützen, Hüte, Hauben und Barrette, die die Darsteller des historischen Fests tragen.

Es greift ein Rädchen ins andere, wenn die ehrenamtlichen Helferinnen am Werk sind. Und die Harmonie erstreckt sich nicht nur aufs Fachliche. Auch sonst stimmt die Chemie – das kann man spüren.

Jetzt steht erst einmal das Festwochenende bevor mit seinem Höhepunkt am Sonntag, dem Historienspiel von Alt-Oberbürgermeister Dr. Alfred Böswald und dem opulenten Festumzug. Ausgiebiges Feiern bei Spiel, Spaß, Musik und historischem Lagerleben ist angesagt.

Doch dann beginnt für die Damen in der Nähstube der Kreislauf von vorn. Ab Montagmorgen gehören Prunk und Pracht wieder der Vergangenheit an. Und die edlen Kostüme, die Zunftkleider, die Gewänder der Spielleute, Gaukler und Hofdamen schmelzen erneut zusammen zu einem riesigen Haufen schmutziger Wäsche. Doch eines ist jetzt schon klar: Der nächste Schwäbischwerder Kindertag kommt bestimmt.

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