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Fußball

05.11.2020

TSV Rain: Das ist das Anforderungsprofil für den neuen Trainer

Wer wird Nachfolger von Alexander Käs als Trainer des TSV Rain? Diese Frage ist noch ungeklärt.
Bild: Walter Brugger

Plus Rains Sportlicher Leiter Alexander Schroder erklärt, wie das Anforderungsprofil für den neuen Trainer aussieht. Außerdem bewertet er das denkwürdige Jahr 2020.

2020 dürfte eines der außergewöhnlichsten Jahre sein, die der Sport und damit auch der Fußball jemals gesehen hat. Und das betrifft Bundesliga oder Champions League genauso wie die Amateure in den untersten Klassen. Während bei den Profis der Ball aber – abgesehen von der Tatsache, dass derzeit keine Fans zugelassen sind – fast wieder wie gewohnt rollt, ruht er bei den Hobbykickern wieder. Der Bayerische Fußballverband hat die frühzeitige Winterpause für all seine Amateure ausgerufen. Doch was Amateure genau sind, diese Frage ist nicht immer so leicht zu beantworten, wie Rains Sportlicher Leiter Alexander Schroder im Interview erklärt.

Herr Schroder, schon einmal so ein Jahr beziehungsweise so eine Saison erlebt?

Schroder: Nein, so etwas war eigentlich unvorstellbar. Aber diese Pandemie wirft für die ganze Welt große Probleme auf – da macht der Sport keine Ausnahme. In unserem Fall war es so, dass die Saison am 19. Juli 2019 begonnen hat. Am 31. November ging es dann noch ganz regulär in die Winterpause, aber die hat ja dann bis zum 3. Oktober gedauert. Zwischen Beginn und Fortsetzung der Spielzeit lagen also 16 Monate. Mit so etwas hat sicher niemand, auch nicht wir Verantwortliche beim TSV Rain, gerechnet.

Und nun ist schon wieder Schluss.

Schroder: Das was zu befürchten war, ist leider eingetroffen. Die Saison wurde vom Verband zum zweiten Mal unterbrochen, heuer wird in Bayern nicht mehr gespielt.

Der TSV Rain hätte den Schwung gerne mitgenommen

Was bedeutet die erneute Pause – sportlich und finanziell?

Schroder: Wir waren zuletzt ganz gut drauf und hätten diesen Schwung gerne weiter mitgenommen. Jetzt kriegen die Spieler wieder ein Programm zugeschickt, mit dem sie sich individuell fit halten müssen. Das Finanzielle ist freilich auch ein Thema für mich und Herrmann Waas, der sich bei uns um diesen Bereich kümmert. Nachdem im November ja nicht gespielt und trainiert werden kann, wird es da Anpassungen bei den Zahlungen geben. Prinzipiell wird uns die Unterbrechung weniger hart treffen als andere Vereine in der Liga, die hohe Fixausgaben haben. Wir sind strukturell ganz anders aufgestellt. Wir haben zuletzt auch weitere Rücklagen gebildet. Entscheidend ist in dieser Frage aber vor allem, wann es wieder „normal“ weitergeht.

Alexander Schroder ist Sportlicher Leiter beim TSV Rain.
Bild: Manuel Wenzel

Wie und wann kann es denn weitergehen?

Schroder: Das weiß jetzt wahrscheinlich keiner so genau. Gerade beim Thema Ligapokal ist ja vieles in der Schwebe. Ich hoffe und gehe aber davon aus, dass im Februar die Saison weitergespielt wird. Im Mai 2021 muss bei uns definitiv Schluss sein.

Warum?

Schroder: Weil da dann für den Tabellenersten die Relegation um die 3. Liga beginnt.

In dieser Relegation nehmen ja mehrere Regionalligen teil. Dort gibt es in der jetzigen Situation unterschiedliche Regeln.

Die Regionalliga Bayern pausiert, im West wird weitergespielt

Schroder: So ist es. Die fünf Fußball-Regionalligen sind derzeit ein Musterbeispiel für den regional unterschiedlichen Umgang mit der Corona-Krise im Sport. Denn die Regionalliga West wurde von der dortigen Landesregierung als Profiliga eingestuft. Während also Vereine wie Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen und die anderen viertklassigen Clubs in Nordrhein-Westfalen während des Teil-Lockdowns im November weiterspielen dürfen, ist der Spielbetrieb im Norden, Nordosten, im Südwesten und bei uns im Süden unterbrochen. Auf der einen Seite ist es toll, wie nah wir als Viertligisten am Profibereich sind. Auf der anderen Seite wäre dies für den TSV Rain nicht zu stemmen.

Johannes Müller war Co-Trainer unter Alexander Käs.
Bild: Szilvia Izsó

Was meinen Sie damit?

Schroder: Wenn die Regionalliga Bayern auch dem Profitum zugeschlagen worden wäre, könnten wir zwar weiterspielen – aber mit zwei Corona-Tests pro Woche und generell ohne Zuschauer. Das wäre, zumindest in Rain, auf Dauer unvorstellbar. Es gibt in den Vierten Ligen gewaltige Unterschiede. Die großen Vereine in NRW – die waren ja teilweise schon in der Bundesliga – trainieren jeden Tag, wir dreimal in der Woche. Dort gibt es Spieler, die vom Fußball leben. In unserem Kader hat jeder eine normale Arbeitsstelle oder studiert. Da ist kein einziger dabei, der „nur“ Fußballer ist.

Die Verabschiedung von Alexander Käs holt der TSV Rain nach

Auch in der Pause dürfte es für Sie als Sportlicher Leiter nicht langweilig werden. Immerhin muss ja ein neuer Trainer gesucht werden.

Schroder: Damit beschäftigen wir uns ja schon länger. Schon im Februar wurde bekannt, dass unser Trainer Alexander Käs ein Angebot vom DFB als Stützpunktkoordinator für Westbayern hatte. Wir waren uns sofort klar, ihm dabei keine Steine in den Weg zu legen, obwohl ein Zwei-Jahres-Vertrag bis Ende Juni 2021 bestand. Ihm ist es dann aber ja gelungen, dass die Verantwortlichen in Frankfurt „Grünes Licht“ gaben, dass er noch bis November zweigleisig weitermachen kann.

Sein letzter Auftritt, der 1:0-Sieg in Buchbach, war ein Geisterspiel. Sie selbst waren auch nicht in Buchbach, dazu gibt es ja die dringende Empfehlung, Kontakte zu minimieren. Hat es überhaupt schon eine Verabschiedung gegeben?

Schroder: Alexander Käs wird zu einem späteren Zeitpunkt bei einem gemütlichen Abend verabschiedet werden. Hinzu kommt auch noch die Verabschiedung der Spieler, die uns heuer verlassen haben. Auch hier war ein gebührender Rahmen aufgrund der Pandemie bisher nicht möglich.

Alexander Schroder trifft die Entscheidung mit Johannes Müller

Der TSV Rain hat mittlerweile ein sattes Polster auf die Abstiegsränge, auch wenn nicht alle Teams im Tabellenkeller die gleiche Anzahl an Spielen haben. Dass im Sommer 2019 die Wahl auf einen so jungen Chefcoach gefallen ist, scheint sich ausgezahlt zu haben.

Schroder: Als wir einen 26-Jährigen als Regionalligatrainer verpflichtet haben, bin ich oft ungläubig angeschaut worden. Aber dann gewinnen wir das erste Spiel bei der Profimannschaft von Wacker Burghausen gleich mit 1:0. Alexander Käs, die Mannschaft und sein „Co“ Johannes Müller, Torwarttrainer Kevin Maschke, die Physiotherapeuten und Dominik Jocham, der als Mentaltrainer mitwirkt, sowie Walter Krämer als Zeugwart haben sich aber zu einem eingespielten Team entwickelt. Einen maßgeblichen Anteil hatte hier insbesondere Johannes Müller als Führungsspieler und verlängerter Arm auf dem Spielfeld.

Wie sieht es mit einem Nachfolger für Alexander Käs aus?

Schroder: Das entscheide ich gemeinsam mit Co-Trainer Johannes Müller in den nächsten Wochen. Einen direkten Trainerkandidaten haben wir noch nicht. Wir suchen aber einen, der zu uns pass, Erfahrung im menschlichen und taktischen Bereich hat und eine Trainingsphilosophie mitbringt, die zu unserer Mannschaft passt. Weiterhin wäre gut, wenn er die Mannschaft und das Umfeld in Rain kennt. Hier ist die Auswahl allerdings nicht allzu groß.

Beim Kader des TSV Rain dürfte sich nicht allzu viel tun

Ist beim spielenden Personal etwas geplant?

Schroder: Jetzt steht ja das vierte Wechselfenster in dieser Saison an. Auch das gab es noch nie. Man darf gespannt sein, was sich im Januar generell an Transfers tut. Wir sehen im Moment aber keinen Anlass, einen weiteren Spieler zum TSV Rain zu holen.

Was wünschen Sie sich für 2021 aus sportlicher Sicht?

Schroder: Schon zu Beginn der Pandemie im Frühjahr habe ich gesagt, dass ich wahrscheinlich vor der größten Herausforderung meiner fußballerischen Laufbahn – früher als Spieler und Trainer, jetzt als Sportlicher Leiter der Ersten und verantwortlich für die Zweite Mannschaft sowie Jugend-Großfeld – stehe. Ich wünsche mir, dass der normale Spielbetrieb schnell wieder läuft und wir im Mai den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft haben.

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