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Wemding

27.01.2017

Trotz Sehbehinderung trägt er den schwarzen Gürtel

Sind stolz nach der erfolgreichen Schwarzgurt-Prüfung von Rene Steinhübel aus Wemding: (von links) Co-Trainer Rudi Gottwald, der stark sehbehinderte Prüfling Steinhübel, Co-Trainerin Monika Schenk, Trainer Lothar Kreutner und Jürgen Müller.
Bild: Gottwald

Rene Steinhübel aus Wemding ist nahezu blind. Dennoch hat er nun eine wichtige Karateprüfung abgelegt. Wie der 40-Jährige das gemeistert und was er als Nächstes vor hat.

Der schwarze Gürtel – das Erreichen dieses Grads ist für viele Karateka das große Ziel. So verhielt es sich auch bei Rene Steinhübel. Der Wemdinger hatte schon in jungen Jahren mit dem Ausüben der Kampfkunst begonnen, ist seit 1991 Mitglied beim heimischen TSV. Nun hat er erfolgreich die Prüfung zum 1. Dan abgelegt, die ihm das Tragen eines schwarzen Gürtels erlaubt. Der Weg dahin war jedoch alles andere als leicht. Denn Rene Steinhübel ist fast blind.

Nur über etwa fünf Prozent Sehkraft verfügt der 40-Jährige noch. Als er 18 Jahre alt war, wurde bei ihm Retinitis pigmentosa festgestellt. Eine Krankheit, bei der sich nach und nach die Netzhaut auflöst. „Ab 2003 oder 2004 ging es dann schlagartig ans Eingemachte“, erinnert sich Steinhübel. Mittlerweile kann er nur noch Umrisse erkennen sowie etwas Licht und Farben. Mit dem Karate hatte er zuletzt längere Zeit pausiert, ehe in ihm vor einigen Jahren wieder die Leidenschaft entflammte. Das große Ziel: der schwarze Gürtel.

Dreimal in der Woche stand er zuletzt auf der Matte, jeweils für drei Stunden. Darüber hinaus war Steinhübel noch im Fitnesscenter, besuchte Lehrgänge und holte sich weitere Tipps. In der weit über einjährigen Vorbereitungszeit unter der Führung der Trainer Jürgen Müller (5. Dan) und Lothar Kreutner (4. Dan) – die TSV-Urgesteine mit jahrzehntelanger Erfahrung im Shotokan- Karate sind bei ihren Schützlingen bekannt für ihr hartes und schweißtreibendes Training – war der ausgebildete Telefonist auf die anspruchsvolle Prüfung eingestellt worden. Mithilfe von zusätzlichen Übungseineinheiten mit den Co-Trainern Monika Schenk und Rudi Gottwald (beide 1. Dan) hatte Steinhübel das geforderte Niveau erreicht. „Das war schon sehr intensiv“, schildert der 40-Jährige.

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Beim Training sagt ihm sein Gegenüber beispielsweise den nächsten Angriff an, sodass Steinhübel weiß, welchen Block er machen muss. Wo sich sein Partner auf der Matte befindet, erahnt er über andere Sinnesorgane als die Augen. „Gehör und Gespür sind für die Orientierung wichtig, aber auch Gerüche und Luftzüge. Das prägt sich im Laufe der Jahre alles sehr aus, wenn man nicht sehen kann.“

Sichtlich aufgeregt stellte er sich nun im oberbayerischen Adelshofen (Landkreis Fürstenfeldbruck) den hochkarätigen Prüfern Klaus Sterba (8. Dan) und Herbert Perchtold (6. Dan). Er musste hier vor dem strengen Prüfungskomitee sein ganzes Können unter Beweis stellen. „Beim 1. Dan ist sicher jeder nervös, ich war aber gut vorbereitet“, so Steinhübel. „Mein Vorteil ist ja, dass ich mir alles bildlich vorstellen kann. Ich habe es ja schließlich schon einmal gesehen.“ Nach dem erfolgreichen Prüfungsmarathon in Adelshofen durfte er dann, sichtlich erleichtert, sein Diplom in Händen halten.

Stolz, aber auch beeindruckt von der Leistung ihres Schützlings gratulierten seine Trainer. „Im Karate ist nichts unmöglich. Es kommt immer auf den Geist und den Willen des einzelnen Karatekas an“, stellte Co-Trainer Rudi Gottwald fest. Der Prüfling selbst ist von der Sportart, die er seit Jahrzehnten betreibt, begeistert: „Im Karate trainiert man Körper und Geist gleichzeitig, weshalb es der ideale Ausgleichssport ist – für Jedermann.“

Für Rene Steinhübel soll mit dem schwarzen Gürtel aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Er erwägt, im Herbst bei den bayerischen Meisterschaften für Menschen mit Behinderung anzutreten. Darüber hinaus möchte er sein Wissen gerne weitergeben. „Ich plane, den Trainerschein zu machen. So kann ich mithelfen, dass mein Verein auch weiterhin besteht.“ Zwar müssten bis dahin noch einige Hürden genommen werden, denn der Bayerischen Karateverband betritt Steinhübel zufolge mit sehbehinderten Athleten derzeit praktisch Neuland. Es gelte, erst gegenseitig Erfahrungen zu sammeln. Er selbst kennt in der näheren Umgebung keinen weiteren blinden oder sehbehinderten Karateka. Der nächste ihm Bekannte kommt aus Regensburg. Dennoch will der Wemdinger womöglich auch Vorbild für Menschen aus der Region sein. „Ich bin ja das lebende Beispiel, dass man Karate auch mit Handicap machen kann.“

Kontakt Interessierte können im Dojo des TSV Wemding montags und mittwochs trainieren. Das Kindertraining findet von 19 bis 20.15 Uhr, das Erwachsenentraining von 20.15 bis 21.45 Uhr.

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