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Roth Challenge

09.07.2019

Zehn Stunden Quälerei für den Gänsehautmoment

Freudestrahlend kam Theresa Wild nach 10:21:50 Stunden ins Ziel. Für die junge Triathletin ist die Roth Challenge immer ein ganz besonderer Wettkampf.
Bild: J. Wild

In knapp zehneinhalb Stunden bezwingt Theresa Wild die Roth Challenge. Dabei muss sie sich drei großen Ängsten stellen.

Frau Wild, wie geht es Ihnen nun nach der Roth Challenge mit ihren 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen?

Theresa Wild: Am Tag danach war ich nur müde und schlapp, jeder Schritt ist schwer und das Aufstehen eine Qual, aber das muss so sein. So weiß ich, dass ich alles gegeben habe.

Demnach müssten Sie mit ihrem Wettkampf zufrieden sein...

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Wild: Auf jeden Fall, ich wurde 39. bei den Frauen – darunter auch 20 Profi-Athletinnen – und Zehnte in meiner Altersklasse 25 – 30 Jahre. Außerdem wurden zwei andere Mädels und ich vom La Carrera Triteam Rothsee in der Mannschaftswertung bei den Frauen Dritte. Unter allen Starterinnen aus dem Landkreis Roth wurde ich erste. Vor allem freut mich aber, dass ich meine drei größten Ängste für das Rennen überwunden habe: Regen, Kälte und starker Wind. Das alles war im Wettkampf gegeben und ich habe alles bewältigt.

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Was geht in einem Athleten vor so einem langen Wettkampf vor?

Wild: Mir ist schon immer mulmig vorher, man wünscht sich, dass alles klappt. Aber man weiß eben nicht, ob der Körper mitmacht. Irgendwann tut es immer weh, man weiß nur nicht wann. Ich versuche immer meine Nervosität zu überspielen.

Fangen wir doch mit der ersten Disziplin an, wie lief das Schwimmen im Main-Donau-Kanal?

Wild: Der Kanal wird für den Schwimmwettkampf ja extra geschlossen und vorher noch einmal geöffnet, damit kaltes Wasser reinkommt und man mit Neoprenanzug schwimmen kann. Denn der Anzug ist nur bis zu einer Wassertemperatur von 25,5 Grad Celsius erlaubt. Er gibt auch ein wenig Auftrieb und man spart Kraft beim Schwimmen. Allerdings war ein Schiff gegen die Schleuse gefahren und sie konnte zuerst nicht geöffnet werden. Ich hatte mich also schon aufs Schwimmen ohne Neoprenanzug eingestellt. In einer Hauruck-Aktion wurde die Schleuse aber noch repariert, sodass doch noch kaltes Wasser reinkam und wir mit Anzug starten konnten. Das war schon besser, denn die Gefahr ist nicht so groß auszukühlen. Nach den Profis ging ich mit meiner Gruppe um 7.05 Uhr an den Start. Ich hatte ein gutes Tempo und kam nach 1:07:15 Stunden aus dem Wasser.

Es war ja ziemlich windig am Sonntag, wie erging es Ihnen auf der 180 Kilometer langen Radstrecke?

Wild: Man musste zwei Runden absolvieren zu je 90 Kilometer, mit 1500 Höhenmetern. Die „Hot Spots“ mit besonders vielen Zuschauern waren auf dem Solarer Berg und auf dem Kalvarienberg. Für mich als Landkreisstarterin aus dem La Carrera Triteam Rothsee war das super, viele Leute haben mich gekannt und angefeuert. Sie spielten für mich sogar das Lied „Die immer lacht“, das war sehr schön. Auf der zweiten Radrunde wurde der Wind stärker, das hat schon an mir gezehrt, aber da muss man durch. Für das Radfahren habe ich dann 5:30:53 Stunden gebraucht.

Wie fühlt man sich, wenn dann nach 180 Kilometern Radfahren noch ein Marathonlauf ansteht?

Wild: Man springt vom Rad und läuft wirklich wie auf Eiern, aber es muss trotzdem gehen. Ich habe das auch trainiert, obwohl man im Training ja nie diese langen Strecken nacheinander bestreitet.

Doch im Wettkampf hatten Sie ja dann doch diese langen 42 Kilometer vor sich...

Wild: Ja, das ist schon weit. Vor allem, weil sich sehr lange der Weg nicht verändert. Man hat rechts von sich den Main-Donau-Kanal und links den Wald – sonst nix. Das ist schon hart, vor allem weil auch der Wind aufgefrischt hat. Mir hat es sogar das Käppi weggeweht. Während meiner Vorbereitung dort hatte ich nie Wind. Man muss mit seiner Kraft haushalten. Zum Glück hatte ich diesmal gegen Ende des Wettkampfes keine Magenprobleme, wie ich sie schon öfter hatte. Stattdessen hatte ich Hunger! (lacht) Nach 21 Kilometern wurden meine Oberschenkel hart und ich habe versucht kürzere Schritte zu machen. Ich erhielt so viel Unterstützung von meiner Familie, Freunden und Fans, darum wollte ich noch einmal alles gegeben. Ich sagte mir: „Immer laufen, immer laufen!“ Als ich beim Zieleinlauf nach insgesamt 10:21:50 Stunden angekündigt wurde, war das ein sehr emotionaler Moment. Es war ein wunderbares Erlebnis für mich.

Über zehn Stunden Quälerei – wie steht man mental so einen Wettkampf durch?

Wild: Durch Willen und Kampf. Man trainiert nie so eine lange Strecke und lange Zeit am Stück, höchstens sechs oder sieben Stunden. Man darf bei einem Wettkampf über die Ironman-Distanz auch nie an seine Grenze gehen, sonst schafft man es nicht. Man ist eher durchgängig bei etwa 90 Prozent.

Was macht die Challenge Roth so besonders?

Wild: Jedes Jahr sind mehr als 250000 Zuschauer dabei. Und auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht so gut war und etwas weniger Leute als im vergangenen dabei waren, war es wieder toll. Die vielen Zuschauer machen eine Gänsehaut-Atmosphäre und es gibt 7500 Helfer, die den Athleten alles abnehmen. Man kann sich voll und ganz auf den Wettkampf konzentrieren. Da kommt kein anderer Wettkampf ran.

Stehen diesen Sommer noch weitere Wettkämpfe für Sie an?

Wild: Ja, in zwei Wochen findet in Schongau ein Regionalliga-Wettkampf statt über die olympische Distanz (1,5/40/10 Kilometer, Anmerkung d. Redaktion). Dort geht es auch um die Bayerische Meisterschaft. Mitte August geht es dann zur Deutschen Meisterschaft über die olympische Distanz nach Beilngries und danach zum 70.3-Triathlon in Zell am See. Dort könnte ich mich auch für die Weltmeisterschaft in Neuseeland qualifizieren.

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