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Sulzdorf: So wohnt man in einem Denkmal

Sulzdorf

Wie es ist, in einem Denkmal zu wohnen

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    Das alte Pfarr- und Schulhaus in Sulzdorf wurde liebevoll hergerichtet.
    Das alte Pfarr- und Schulhaus in Sulzdorf wurde liebevoll hergerichtet. Foto: Beate Schwab

    In einem Baudenkmal zu leben, ist viel mehr als nur Wohnen. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, einen Ort voller Geschichte zu bewahren. Über viele Jahre haben Brigitte und Walter Höß das 1682 vom Kloster Kaisheim erbaute Pfarr- und Schulhaus in Sulzdorf liebevoll und behutsam saniert und damit das älteste Gebäude Sulzdorfs zu ihrem Zuhause und gleichzeitig wieder zu einem Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft gemacht. Am Samstag öffnete das Ehepaar Höß für eine Veranstaltung des Vereins Kulturerbe Bayern sein Wohnhaus und erzählte beeindruckend, wie das historische Bauwerk wieder mit neuem Leben gefüllt wurde.

    Sybille Kraft, die Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Bayern, begrüßte die zahlreichen Besucherinnen und Besucher bei strahlendem Sonnenschein im Innenhof des Altes Schulhauses und bedankte sich für die Großzügigkeit von Brigitte und Walter Höß, die an diesem Tag dazu eingeladen hatten, einen Blick in Ihr Baudenkmal zu werfen. Der Verein wolle mit seinen Veranstaltungen Menschen zusammenzubringen, die eine Liebe zur historischen Bausubstanz haben, und ein Verständnis für das kulturelle Erbe in Bayern wecken. „Es muss doch jedem Menschen das Herz aufgehen, der hierher nach Sulzdorf kommt und zuerst die Kirche und dann das hübsche Ensemble mit Pfarr- und Schulhaus entdeckt!“

    Das Haus in Sulzdorf war in einem erbarmungswürdigen Zustand

    Brigitte und Walter Höß erzählten anschließend im Gespräch mit Sybille Kraft von der langen Renovierungsgeschichte, die sie gemeinsam gemeistert haben. „Als wir das alte Pfarr- und Schulhaus 1999 entdeckten, haben wir uns auf den ersten Blick verliebt. Und die Gemeinde war heilfroh, dass wir das Gebäude kaufen wollten“, schmunzelte Walter Höß. „Das Haus war zwar in einem erbarmungswürdigen Zustand, aber der besondere Ort gegenüber der Kirche und der Charme der liebevollen kleinen architektonischen Details ließen mir das Herz aufgehen“, berichtete Brigitte Höß. Und so arbeiteten die beiden drei Jahre lang jedes Wochenende mit insgesamt ungefähr fünfundzwanzigtausend Stunden Eigenleistung an ihrem Traum und sanierten das Haus von Grund auf.

    Brigitte und Walter Höß.
    Brigitte und Walter Höß. Foto: Beate Schwab

    Fachliches Wissen über die historische Bausubstanz mussten sie sich erst im Laufe der Zeit aneignen. „Wir hatten zuvor wenig Ahnung vom Bauwesen und gingen den Umbau ziemlich naiv an“, lachte Walter Höß, „ich konnte immerhin einen Töpferkurs in der Toskana vorweisen“. Er ist Arzt und Psychotherapeut in Augsburg, seine Ehefrau Brigitte ist Verwaltungswirtin. Tatkräftig unterstützt wurden die beiden von den Dorfbewohnern, von der Möglichkeit zur Toilettenbenutzung bis zum Mitanpacken. „Wie uns das Dorf unwahrscheinlich stark und liebevoll unterstützt hat, wird für mich immer unvergessen bleiben“, strahlte Brigitte Höß. Es gab auch Stimmungstiefs während der langen Bauzeit, doch das Paar konnte sich immer wieder gegenseitig motivieren, „es war nicht nur Mühsal, es war auch das Erleben von Selbstwirksamkeit“.

    Raumaufteilung des alten Sulzdorfer Schul- und Pfarrhauses blieb unverändert

    Die Raumaufteilung im alten Schul- und Pfarrhaus blieb unverändert, alle Räume wurden geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Brigitte Höß berichtete beim Rundgang durch ihr Haus auch von dessen langer Geschichte. Das heutige Wohnzimmer war über viele Jahre das Klassenzimmer für die Dorfkinder, nachdem die Gemeinde Sulzdorf 1803 den Pfarrhof nach Auflösung des Klosters Kaisheim gekauft hatte. 1880 wurde dann nebenan eine „neue“ Schule errichtet, in der die Sulzdorfer Kinder bis 1971 unterrichtet wurden. Auch dieses Gebäude wurde vom Ehepaar Höß saniert, das einstige Klassenzimmer wurde nicht nur zum großzügigen „ausgelagerten Wohnzimmer“, dort organisieren sie auch Tanzparties oder Fußballfernsehabende. „Früher wurden hier die Klassen 1 bis 8 gemeinsam unterrichtet, es befanden sich bis zu 59 Schülerinnen und Schüler in einem Raum“, erinnerte sich ein Dorfbewohner beim Rundgang. Heute findet hier einmal im Monat der Frauenstammtisch „Millibänkle“ statt, das gesellige Miteinander der Dorfgemeinschaft erfüllt die alte Schule wieder mit neuem Leben.

    Das ehemalige Klassenzimmer in dem nun sanierten Gebäude.
    Das ehemalige Klassenzimmer in dem nun sanierten Gebäude. Foto: Beate Schwab

    Nach dem Rundgang durch die Gebäude konnten sich die Besucher bei einem nostalgischen Pausenbrot stärken, es gab Butter- oder Schnittlauchbrote, Äpfel und Süßigkeiten. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Erna Dirschinger und Hans Löffler mit Volksliedern, die von den Besuchern fröhlich mitgesungen wurden. „Musik gehört zur Schule dazu!“, waren sich alle einig. Zum Abschluss des Nachmittags wurde im ehemaligen Klassenzimmer noch der BR-Dokumentarfilm „Schulhausgeschichten“ von Sybille Kraft gezeigt. Ein inspirierender Ausklang für einen besonderen Tag voller „Mut zum Denkmal“.

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