Diese beiden Kandidaten standen sich in der Marktgemeinde Kaisheim schon vor sechs Jahren gegenüber: Andreas Strobel (CSU) fordert erneut Amtsinhaber Martin Scharr (PWG) heraus. Obwohl die Bewerber identisch sind, steht die Wahl des Bürgermeisters im März 2026 in mehrerlei Hinsicht unter anderen Vorzeichen. Die Umstände dürften in der Region sogar ziemlich einmalig sein.
Auf der einen Seite steht Martin Scharr. Er ist seit knapp zwölf Jahren im Amt. In der zu Ende gehenden Periode hatte der Rathauschef einen Schicksalsschlag zu verkraften: Im Sommer 2023 verunglückte er mit dem Fahrrad schwer. Der verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Lange Zeit war unklar, ob Scharr überhaupt wieder seine Arbeit aufnehmen können würde. Erst im Laufe des Jahres 2025 war dies der Fall.
Kaisheims Bürgermeister Martin Scharr ist „dienstfähig mit eingeschränkter Mobilität“
Die Motivation dafür habe er aus den Zielen geschöpft, die er sich gesetzt habe, so der Bürgermeister. Erst einmal habe er seine Enkel, die zwischenzeitlich zur Welt kamen, im Kinderwagen schieben wollen. Als dies möglich war, habe er ins Rathaus zurückkehren wollen. Auch dies sei ihm gelungen. Das dritte Ziel lautete: Er wolle wieder gewählt werden. Von amtsärztlicher Seite spreche nichts dagegen: Er sei „dienstfähig mit eingeschränkter Mobilität“. Weil sein rechter Arm seit dem Unfall gelähmt ist, benötigte Scharr bislang Hilfe, sprich einen Chauffeur, wenn er zu Terminen muss. Dieses Problem werde in Kürze gelöst: „Da bekomme ich ein umgebautes Auto. Das ist ein großer Schritt für mich.“
Martin Scharr sagt, er fühle sich fit für eine weitere Amtsperiode und sei motiviert. Es gebe Aufgaben, die anstünden oder schon am Laufen seien „und bei denen man als Bürgermeister viel gestalten kann“. In Kaisheim wolle man die Ortsmitte erneuern. Der Architektenwettbewerb stehe kurz vor dem Start, und 2027 könnten wohl die ersten Baumaßnahmen beginnen. Ein Projekt für betreutes Wohnen sei in Aussicht: „Wir haben einen Investor an der Hand.“ Man sei auf der Suche nach einem passenden Grundstück. In Kaisheim und in Bergstetten sollen Scharr zufolge neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden, zudem ein Wohngebiet am Ziegelanger in Kaisheim. Die noch in diesem Jahr geplante Erweiterung der Kindertagesstätte werde vorangetrieben. Für Kinder seien Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen. Kritik an den hohen Kosten könne er nicht verstehen, so der 56-Jährige: „Wenn ich den Mehrwert sehe, muss das oberste Priorität haben.“
Seit 2020 habe die Gemeinde eine ganze Reihe von größeren Vorhaben umsetzen können: zum Beispiel die Verdichtung der innerörtlichen Bebauung, die neue Sportanlage in Kaisheim sowie insgesamt vier neue Feuerwehrfahrzeuge in Kaisheim, Altisheim, Leitheim und Gunzenheim (“man muss die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten“).
Andreas Strobel holte vor sechs Jahren über 43 Prozent der Stimmen
Andreas Strobel holte vor sechs Jahren bei der Bürgermeisterwahl in Kaisheim gut 43 Prozent der Stimmen, obwohl er gut 40 Kilometer von der Marktgemeinde entfernt in Heretsried lebt und damals nicht von „seiner“ Partei, der CSU, sondern von der Freien Bürgerstimme (FBS) in Kaisheim nominiert wurde. 2026 hat der Vater von sechs Kindern noch immer seinen Wohnsitz im Landkreis Augsburg, ist mittlerweile aber auch in Kaisheim gemeldet. Am 8. März tritt er für die CSU an, die FBS unterstützt ihn.
Doch warum wieder Kaisheim? Er habe sein „kommunalpolitisches Grundinteresse“ in den vergangenen Jahren nicht verloren, sagt Strobel, der früher bereits dem Stadtrat von Neusäß angehörte. Ebenso habe er weiterhin Kontakte in die Marktgemeinde gepflegt und die dortige Entwicklung verfolgt. Auf den Anruf des stellvertretenden CSU-Ortsverband-Vorsitzenden Roland Schmid hin habe er sich bereiterklärt, den Vorsitz zu übernehmen und erneut für den Bürgermeister-Posten zu kandidieren.
Momentan geht Strobel in der Kommune von Haustür zu Haustür, um sich vorzustellen. Einer seiner politischen Schwerpunkte liege im Bereich der Familie. Der Polizeibeamte möchte das Betreuungsangebot ausbauen: „Das ist ein Standortfaktor.“ Strobel will auch das Gewerbe stärken: „Ich glaube, da liegt Kaisheim weit unter seinen Möglichkeiten.“ In der Verwaltung müsse für dieses Thema ein zentraler Ansprechpartner installiert werden und „am Ende ist es Sache des Bürgermeisters“. Der CSU-Kandidat erklärt, er habe bereits Gespräche geführt. Ergebnis: Der Freistaat wäre durchaus bereit, etwas von seinen umfangreichen Flächen in Kaisheim als Bauland abzutreten. Zudem gebe es eine Firma, die gerne nach Kaisheim kommen würde.
Strobel betont, er habe im Vorfeld der Kommunalwahlen mit allen Parteien und Gruppierungen in der Marktgemeinde „intensive Gespräche geführt“, denn als Bürgermeister müsse man „ein Stück weit überparteilich sein“.
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