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Augsburg
20.11.2021

Bloggerin setzt sich für mehr Rücksicht beim Kinderwunsch ein

Heute sind Cécile Sauer und ihr Mann stolze Eltern einer Tochter. In der Kinderwunschphase fühlte sich die Augsburger Bloggerin durch neugierige Nachfragen oft verletzt.
Foto: Jessica Karonski

Familienplanung ist etwas Intimes - und doch wird häufig danach gefragt. Die Augsburger Bloggerin Cécile Sauer wirbt für mehr Sensibilität und ist damit nicht allein.

"Und, wann ist es bei euch endlich so weit, wann bekommt ihr ein Baby?" Diese Frage habe sie schier in den Wahnsinn getrieben, sagt die Plus-Size-Bloggerin Cécile Sauer. Bekannt geworden ist die Augsburgerin, die sich auf ihrem Blog und bei Instagram Theodora Flipper nennt, mit Modetipps für kurvige Frauen, vor einigen Jahren gewann sie die Augsburger Ausgabe von "Shopping Queen" mit Designer Guido Maria Kretschmer. Heute widmet sie sich häufig auch dem Thema Familie.

Denn vor gut einem Jahr war es tatsächlich "so weit": Im September 2020 kam ihre Tochter zur Welt. Über die Schwangerschaft, die Geburt und nun über den Alltag mit einem Baby berichtet sie regelmäßig auf Instagram, wo ihr knapp 34.000 Menschen folgen. "Ich möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass dicke Frauen keine Kinder bekommen können und damit anderen Mut machen", sagt sie. Und sie hat noch ein weiteres Anliegen: Sie wünscht sich mehr Sensibilität, wenn es um das Thema Kinderwunsch geht.

Sozialer Druck beim Thema Kinderwunsch belastet viele Frauen

Insgesamt zwei Jahre hat es bei ihr und ihrem Mann gedauert, bis die kleine Tochter auf dem Weg war. Bescheid wussten damals die wenigsten, Sauer war es wichtig, zusätzlichen Druck von außen zu vermeiden. Die Neugier war trotzdem da - in den sozialen Netzwerken genauso wie im persönlichen Umfeld. In dieser Zeit sei sie oft gekränkt gewesen, wenn sie wieder einmal mit Fragen nach der Familienplanung konfrontiert war, erzählt sie: "Man fühlt sich richtig angeschossen, als müsste man sich dafür schämen, dass man noch nicht schwanger ist." Unangenehm sei es ihr auch gewesen, beim Frauenarzt erkannt zu werden. Dort war sie zu dem Zeitpunkt für eine Zyklusüberwachung regelmäßig, immer wieder habe sie sich beobachtet gefühlt.

Situationen wie diese kennen viele Frauen. Da ist die Mutter oder Schwiegermutter, die endlich Oma werden will und regelmäßig fragt, wann es denn so weit sei mit den Enkelkindern. Da sind die Freunde, die sich bereits an der Hochzeit auf ein Fest einladen, wenn nicht spätestens nach einem Jahr Nachwuchs da ist. Und da sind die unzähligen Fotos von strahlenden Frauen mit Babybauch in den sozialen Medien, die schnell den Eindruck vermitteln können, als funktioniere es bei jedem auf Anhieb, nur bei einem selbst nicht. Ausgerechnet auf diesen Plattformen gibt es aber immer mehr Frauen, die von ihrem schwierigen Weg zum Kind berichten.

Betroffene werden oft mit ungefragten Ratschlägen und neugierigen Fragen konfrontiert

Manche geben ihren Abonnentinnen und Abonnenten sogar Einblicke in die akute Kinderwunschphase. Eine von ihnen nennt ihr Profil "Steffis Diary", also Steffis Tagebuch. In ihren Videos thematisiert sie die Aufs und Abs zwischen positivem Ovaluations- und negativem Schwangerschaftstest. Außerdem greift sie Kommentare auf, die viele Frauen als übergriffig empfinden - wie den möglicherweise gut gemeinten, aber auch unter Expertinnen und Experten häufig kritisierten Ratschlag, man solle sich doch entspannen und in den Urlaub fahren, dann würde es mit der Schwangerschaft schon klappen.

Solch intime Einblicke bleiben jedoch auch in den sozialen Netzwerken die Ausnahme, gerade im deutschsprachigen Raum. Auch für Sauer wäre es nicht in Frage gekommen, in dieser Zeit öffentlich über ihren Kinderwunsch zu sprechen, sagt sie. Das holt sie jetzt nach, denn: "Ich wünsche mir, dass die ungefragten Ratschläge und neugierigen Fragen weniger werden."

Cécile Sauer war im März 2021 im Podcast "Augsburg, meine Stadt" zu Gast. Die Folge können Sie hier anhören.

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