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Familienalbum
24.09.2021

"Die alltäglich anfallenden Aufgaben teilen wir 50/50"

Lisa Figas mit ihrem Ehemann. Die beiden wohnen mit ihren zwei Kindern in Augsburg.
Foto: Lisa Figas

Lisa Figas lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Augsburg. Um Erziehung und Beruf zu vereinbaren, hat das Paar einen Schichtplan entwickelt.

Was bedeutet Familie heute? Was macht sie aus? Und was hält sie zusammen? Wir stellen diese Fragen denen, die sie am besten beantworten können. In unserer Serie "Familienalbum" erzählen Menschen aus der Region, wie sie leben, was ihre Familie besonders macht und auf welche Art sie den Alltag organisieren. Diesmal mit Lisa Figas. Sie und ihr Mann sind Eltern von zwei Kindern. Den Alltag müssen die beiden ohne große Unterstützung der Rest-Familie meistern.

Familie: Mein Mann und ich haben zwei Kinder. Wir leben in einer Wohnung in Augsburg. Meine Familie kommt ursprünglich aus Sachsen, dort wohnen auch noch meine Großeltern. Die sind nett, aber in unserem Alltag natürlich nicht als Unterstützung verfügbar. Auf der Seite meines Mannes ist eigentlich nur noch seine Mutter da und sein Bruder. Die leben in Schrobenhausen, also zumindest etwas näher. Meine Schwiegermutter kann uns zwar nicht regelmäßig unterstützen. Sie springt aber ein, wenn es mal brennt. Hinzu kommt, dass mein Mann und ich Halbwaisen sind, wir haben beide früh unsere Väter verloren.

Anfänge: Ich habe meinen späteren Mann auf der Internetseite wg-gesucht.de kennengelernt. Das war 2005, ich hatte mich auf seine Zimmeranzeige beworben. Das WG-Zimmer war sehr begehrt, 40 Leute hatten es sich angesehen. Bei den Vieren, die er am sympathischsten fand, hat mein Mann gelost. Das Los hat dann mich getroffen. Über die Jahre ist erst eine Freundschaft entstanden, bevor später mehr daraus wurde. Es war praktisch, dass wir von Anfang an zusammen gewohnt haben. Ich wusste so zum Beispiel schon, dass er großer Fußballfan ist, dass er jeden Sonntag weg ist, weil er seinen Opa im Altenheim besucht. Und auch, dass er ein Morgenmuffel ist.

Wir hatten beide früh die Vorstellung, dass wir Kinder wollen. Dafür war unsere Zweier-WG aber zu klein. Überraschend schnell haben wir dann eine größere Wohnung gefunden und sind umgezogen. Dort leben wir bis heute.

Dann kam unser erstes Kind zur Welt. Zwei Jahre später haben wir geheiratet. Unser zweites Kind folgte ein Jahr darauf. Als wir unser erstes Kind bekommen haben, waren wir noch unverheiratet und beide beruflich selbstständig. Da gab es mit der Elterngeldstelle einen kleinen Papierkrieg (lacht). Selbst bei einer Familienberatung wusste man nicht so recht, wie man uns erklärt, wie sich das Elterngeld in unserer Situation berechnet. Für uns war es ein großes Problem, dass das Elterngeld einkommensabhängig bezahlt wird. Bei Selbstständigen zählen nicht wie bei Festangestellten die zwölf Monate vor der Geburt, sondern das vergangene Kalenderjahr. Wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht gut lief, hat man ein Problem. Uns hat erschreckt, wie ungewöhnlich wir in den Augen der Behörden waren. Das hat uns schon ein bisschen mürbe gemacht.

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Bei unserem zweiten Kind waren wir dann beide verheiratet und festangestellt. Die Überraschung war groß, wie einfach das gleiche Prozedere in dieser neuen Lebenssituation laufen kann.

Alltag: Wir Eltern gehen beide in Vollzeit ins Büro, er 40, ich 35 Stunden in der Woche. Während der Pandemie konnten wir unsere Jobs ganz unkompliziert ins Homeoffice verlegen. Unsere kleine Tochter ist bis 16.30 Uhr im Kindergarten, unser Sohn bis etwa zur gleichen Zeit im Hort.

Wir sind viel zu Hause und nicht so abenteuerlustig. Was uns aktuell überrascht, ist, dass unsere Kinder jetzt, wo es coronabedingt wieder möglich ist, zu Kursen wollen: Sportkurse, Musik und Schwimmen. Von der Organisation werden mein Mann und ich aktuell ein bisschen erschlagen (lacht). Zum Glück haben wir sehr flexible und familienfreundliche Arbeitgeber. Unsere Arbeitszeiten können wir gut schieben.

Die alltäglich anfallenden Aufgaben teilen wir 50/50. Zu Beginn der Pandemie haben mein Mann und ich einen Schichtplan entwickelt, so dass jeder zu seiner Arbeitszeit kommt. Ich bin eher ein Morgenmensch, mein Mann hat am Abend noch eine fitte Phase. So klappt es, dass wir zwischen fünf Uhr morgens und Mitternacht unsere Arbeit erledigen können. In dem Plan waren auch Sportphasen integriert, sodass die Kinder sich austoben können und man selber auch einen Ausgleich hat. Auch Haushaltszeit haben wir fest eingeplant. Dabei hilft uns eine Smartphone-App.

Streitpunkte: Mein Mann und ich haben uns nie viel gestritten. Wir haben eine Diskussionskultur entwickelt. Wenn man davon ausgeht, dass der andere einem nichts Böses will, dann kann man auf einer anderen Ebene miteinander sprechen. Mit einer wertschätzenden Kommunikation kommt man oft zu überraschenden Erkenntnissen.

Glücksmomente: Die kommen ganz klar, wenn die Kinder schlafen (lacht). Nein, das ist natürlich Spaß. Es ist schön, zu wissen, dass man zusammen einen langen Tag geschafft und alles gut geklappt hat. Da kann man schon stolz sein. Besonders viel bedeutet es uns, wenn die Kinder glücklich und entspannt sind. Oft sind es die kleinen Momente: verstecken spielen in der Wohnung, wenn ich mich extra blöd hinter einem Vorhang stelle und man meine Füße noch sieht. Die Kinder kriegen sich dann gar nicht mehr ein. Kleinigkeiten eben.

Was ist Ihre Geschichte? Wollen Sie auch von Ihrer Familie erzählen und verraten, was Sie und Ihre Lieben besonders macht? Dann melden Sie sich – gern mit einer Telefonnummer – per Mail an uns. In der Serie "Familienalbum" erzählen wir die Geschichten von großen und kleinen Familien, von Regenbogenfamilien, Patchworkfamilien oder Mehr-Generationen-Familien, kurz: von jedem, der sich als Familie fühlt. Alle Artikel aus der Reihe finden Sie gebündelt auf einer Sonderseite.

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