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11.03.2009

Anna Loos über Melken und den Fall der Mauer

Anna Loos über Melken und den Fall der Mauer
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Sie nennt sich einen "Owi". Die Schauspielerin Anna Loos (38), die vor dem Mauerfall über Ungarn aus der DDR floh, hat ihr Leben je zur Hälfte im Osten und im Westen Deutschlands verbracht.

Geboren ist sie in der Kleinstadt Brandenburg/Havel, in Hamburg absolvierte sie eine Schauspiel- und Musicalausbildung. Mit ihrem Mann, dem Schauspieler Jan Josef Liefers, hat sie zwei kleine Töchter. Gemeinsam hat das Paar kürzlich das Drama "Lilys Geheimnis" und einen Film über den Fernsehkoch Clemens Wilmenrod gedreht. Als Sängerin steht Anna Loos mit der Rockband Silly auf der Bühne, wo sie in die Fußstapfen des DDR-Stars Tamara Danz tritt. Aktuell ist sie mit der ZDF-Produktion "Wohin mit Vater?" beschäftigt.

Im Kino ist Loos ab 12. März in der romantischen Komödie "Nur ein Sommer" zu sehen. Sie spielt die patent-schnodderige Eva, die in Brandenburg keinen Job bekommt und als Melkerin für die Sommersaison auf eine Schweizer Alm zieht. Beim Senner Daniel (Stefan Gubser) lernt sie die Bergwelt zwischen Kühen, Stall und Käse kennen und muss in Sachen Liebe eine Entscheidung treffen. Bei der Dramaturgie half Wolfgang Kohlhaase ("Sommer vorm Balkon"). Regisseurin Tamara Staudt konnte ihr Team besonders gut anleiten, weil sie selbst zwei Saisons lang auf einer Alm gearbeitet hat.

Im Film sieht es professionell aus: Wie war es, das Melken von Kühen zu lernen?

Anna Loos über Melken und den Fall der Mauer

Loos: "Für mich war es nicht so schwierig, der Bauer hat mir Talent bestätigt (lacht). Ich komme ja aus Brandenburg, und meine Oma hatte in der Nähe einen Bauernhof. Die hatten keine Kühe, aber Pferde, Hühner und Ziegen. Und Ziegen zu melken, das ist nicht unähnlich. Am Anfang hat es mich aber etwas Überwindung gekostet, die Kühe sind ja sehr groß."

Was war der härteste Job, den Sie selbst je gemacht haben?

Loos: "Das war auf der Schauspielschule in Hamburg. Mein allererster Job war, morgens um fünf die Klos einer Kneipe zu putzen. Das war schon hart und eklig. Aber irgendwie ging das auch."

Was mögen Sie an der Schweiz?

Loos: "Einiges, zuerst mal den Käse. Und dann mag ich auch die Leute, gerade auf der Alm. Das Leben da ist einfach sehr extrem, die Leute sind alle ein bisschen schrullig. Die sind wahnsinnig nett, aber auch diese Schrulligkeit finde ich süß."

Wie war es bei der Liebesszene, als Sie sich mit Daniel im Heu wälzen?

Loos: "Ich habe so viele solcher Szenen noch nicht gedreht. Bei mir muss man wirklich super Überzeugungskraft aufbringen ... Ich ziehe mich nicht so gerne vor 20 Leuten aus. Da ist ja immer das ganze Filmteam dabei, das ist alles andere als romantisch. Ich mag es nicht so besonders."

Sie haben mal gesagt, ihre Karriere ist wie eine Sinuskurve, mal geht es rauf, mal runter. Wo sind Sie gerade?

Loos: "Im Moment habe ich das Gefühl, es gibt keine Kurve runter. Ich habe die letzten zwei Jahre wirklich so tolle Sachen gedreht. Mein Vater hat immer gesagt, wenn man etwas zu sehr will, dann dünstet man das auch aus. Das ist nicht gut, und genauso ist es auch. Ich habe vor drei Jahren angefangen, Rockmusik zu machen, was ich immer wollte - und dann auch noch mit den Helden meiner Jugend (der Band Silly). Das war auf einmal so perfekt für mich, dass ich alle verkrampften Gedanken weggelegt habe. Das hat mir echt gut getan."

Der Mauerfall ist bald 20 Jahre her - wo waren Sie am 9. November 1989?

Loos: "Ich war auf dem Gymnasium in Wedel in Schleswig-Holstein. Ich habe da bei einer Tante gelebt, weil ich ja aus dem Osten abgehauen bin. Ich habe mich mit ihr vor den Fernseher gesetzt, und sie hat gesagt, die Mauer ist gefallen. Zwei Stunden später klingelte es und meine Eltern standen vor der Tür. Das war ein supercooler Tag für mich, weil ich gar nicht gewusst habe, wie lange ich die nicht sehe. Das war schon irre. Ich hätte das nie vorhergesehen."

Wie ist es, zurück nach Brandenburg zu kommen?

Loos: "Das ist für mich wirklich Heimat. Ich liebe diese Stadt über alles. Die hat sich nicht nur negativ, sondern auch schon positiv entwickelt. Am Anfang sind viele Jugendliche nach der Wende einfach erstmal weggegangen. 20 Jahre Jahre nach Mauerfall sind die alle wieder da, weil es eine niedliche, schöne Stadt ist."

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