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Dillingen

24.08.2020

Dillinger Orgelsommer: ein polnischer Professor in der Basilika

Johanna Seidenschnur-Pielot begrüßte in polnischer Sprache Wladyslaw Szymanski, der an der Sandtner-Orgel in der Basilika ein blendendes Konzert gab.
Bild: Walter

Plus Der polnische Meisterorganist Wladyslaw Szymanski entwickelt. an der Orgel ein bemerkenswertes Tableau. Es ist weit angereist.

Die siebte Matinee des Orgelsommers offerierte Werke aus dem 19. Jahrhundert. Dabei wehte durch die wiederum gut gefüllte Basilika ein Hauch von Internationalität, als Johanna Seidenschnur-Pielot das Konzert in polnischer Sprache eröffnete. Schließlich war der Gastorganist Wladyslaw Szymanski aus Katowice angereist.

Temporeiches Spiel und ruhelose Ketten

Dieser beeindruckte mit einer technischen Souveränität, die er in den Dienst seiner Interpretationen stellte. Die Toccata e-Moll op. 23 von Fernand de la Tombelle aus dem Jahre 1891 wurde so zu einem rasanten Bravourstück. Der Organist zeigte eine hervorragende Artistik in dem temporeichen Spiel. Die ruhelosen Sechzehntelketten rissen nur ab für eine gewaltige Zäsur, ehe der Ansturm erneut losbrach. Eine schöne Entdeckung, die an Charles-Marie Widor erinnerte.

Die Sonate D-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy op. 65 Nr. 5 hob Wladyslaw Szymanski in den Rang eines delikaten romantisch-transparenten Ereignisses. Chorisch-hymnische Religiosität bestimmte das einleitende Andante, elegisch-gesanglich folgte der zweite Satz mit trefflich hingetupften Pedaltönen.

Ein dreistimmiges Spiel an der Orgel

Im Finale des Allegro maestoso leuchtete eine Cello-Kantilenen auf, die Szymanowski gekonnt in das dreistimmige Spiel einfing. Man bestaunte eine furiose Schlussrunde mit angeregten Begleitfiguren und famosem Pedaleinsatz.

Als Botschafter der romantischen Orgelmusik Polens erwies sich W. Szymanski in zwei Variationswerken. In der Improvisation über ein polnisches Kirchenlied op. 38 von Mieczyslaw Surzynski spürten die Zuhörer die Freude des Interpreten über die klanglichen Möglichkeiten der Sandtner-Orgel, die er splendid auswählte. Dabei setzte er den Schweller differenziert ein, vertiefte die Wirkung durch spannende Soloregister. Wenn die Variation als Trio erklang, umspielten Flöte und Basssequenzen die Melodie, die immer wieder markante Steigerungen erfuhren. Ein hymnisches Finale mit fanfarenartigen Einwürfen, Akkord zentriertem punktiertem Rhythmus und gewaltigen Bässen krönten den Zyklus.

Publikum ist überwältigt

Den Geist des Rokoko atmeten die Variationen über ein Originalthema op. 47 des Breslauer Komponisten Adolf Friedrich Hesse. Gleich einer Spieluhr entstanden anheimelnde, zarte, reizende Stimmen, die mit eleganten Basszitaten erweitert wurden.

Bezaubernd registrierte Klangfarben, zurückgenommener Schwellereinsatz, konträre geschickte Begleitung und ein triumphaler Schlussteil zu stupendem Pedal mit überraschendem pastoralem Ende charakterisierten die Wiedergabe des liebenswerten Werkes. Lang anhaltender Beifall eines überwältigten Publikums.

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