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Dillingen

05.08.2020

Liebesgrüße aus Frankreich beim Dillinger Orgelsommer

Burkhard Ascherl aus dem fränkischen Bad Kissingen brachte Liebesgrüße aus Frankreich zum Dillinger Orgelsommer.
Bild: Silvia Schmid

Plus … überbracht von einem Meister an der Orgel aus Bad Kissingen. Doch erst muss was gerichtet werden

Ein Samstag im August in der Dillinger Basilika. Die Uhr zeigt 11.08 Uhr, das Quecksilber im Thermometer steigt unaufhaltsam, es soll die 35-Grad-Marke an diesem Tag noch überschreiten. Das Kirchenschiff ist – soweit unter Coronabedingungen möglich – schon gut mit musikbegeisterten Besuchern gefüllt, der für das Konzert angereiste Künstler – heute ist es Burkhard Ascherl aus dem fränkischen Bad Kissingen – hat sich noch einmal zurückgezogen, macht sich frisch für das bevorstehende Konzert, nachdem er bereits am Vormittag schweißtreibend am Instrument geprobt hatte.

Die Pfeife war wohl verstimmt

Um 11.15 Uhr soll das Konzert beginnen. Wenige Minuten also, die noch verbleiben. Die Wärme der vergangenen Tage macht nicht nur den Menschen zu schaffen, auch die Orgel leidet. Das kleine „h“ will nicht schön und sauber klingen, die Pfeife hat sich wohl verstimmt. Während also der Countdown läuft, bis das fünfte Matinéekonzert im 14. Dillinger Orgelsommer starten kann, steigt Orgelbauerin Julia Bender von der Dillinger Firma Orgelbau Sandtner die Leiter hinter der großen Basilikaorgel hinauf, den Stimmhammer fest in der rechten Hand. Ein kurzer Handgriff, festziehen, Tonprobe, noch mal nachziehen, Tonprobe, fertig. Das Konzert kann beginnen.

Diesen Service gibt es sonst eigentlich nirgends. Die Gastkünstler beim Dillinger Orgelsommer wissen das zu schätzen. Schließlich müssen sich Organisten in kürzester Zeit mit dem jeweiligen Instrument vor Ort anfreunden und sich irgendwie mit den Gegebenheiten arrangieren. Burkhard Ascherl freundete sich schnell an mit der Dillinger Basilikaorgel. Er war bereits einen Tag vor seinem Konzert im Rahmen des Orgelsommers angereist und lobte: „Ein wunderbares Instrument.“

Salut aus der Orgelnation Frankreich

Im Gepäck hatte der Meister ein besonders schönes und durchaus außergewöhnliches Programm. Nicht Bach, nicht Liszt, nein ein Salut aus der Orgelnation Frankreich bestimmte die Auswahl der Werke: „From France with Love“ lautete der Titel des Programms. Neben Stücken der beiden bekannten französischen Komponisten Charles-Marie Widor (Allegro vivace aus: Orgelsymphonie Nr. 5 f moll) und César Franck (Cantabile H-Dur) sind es besonders zwei Stücke, die aus der Reihe fallen und beeindrucken: Das eine ist „Aalaiki’ssalaam – Friede sei mit Dir“. Komponist Naji Hakim, Franzose mit libanesischer Herkunft, komponierte dieses Werk unter dem Eindruck der Ereignisse im Sommer 2006 im Mittleren Osten und insbesondere im Libanon. Krieg, Zerstörung und menschlichem Leid wird Hoffnung, Friede und Freude entgegengesetzt. Burkhard Ascherl hat mit seiner Interpretation des Stückes eindrücklich demonstriert, was Musik auszudrücken vermag. Mitreißend, leidenschaftlich, kraftvoll und eindringlich, im spannenden Wechsel der Tempi und gekonnt eingesetzter Dynamik riss er das Publikum mit.

Fingerfertigkeit und höchste Konzentration

Das zweite Stück, mit dem Burkhard Ascherl sich besonders in die Herzen der Dillinger Zuhörer spielte, war Louis Viernes Scherzo aus der Orgelsymphonie Nr. 6 h-moll (op.59). Die reine Freude, dieses Stück, das dem Spieler höchste Konzentration, Fingerfertigkeit und Professionalität abverlangt. „An einen wild umher tanzenden Gnom“ erinnere das Ganze – und den sah man während des Vortrages förmlich vor sich. Nicht weniger mitreißend das virtuose Final, das einen markanten Schlusspunkt hinter ein ergreifendes Konzert setzte. Das Publikum bedankte sich mit großem Applaus und bekam als Zugabe noch einen Gruß aus Belgien: Burkhard Ascherl schmetterte die Fanfare von Nicholas-Jaques Lemmens in D-Dur und unterstrich damit noch einmal die Vielseitigkeit und Originalität des gesamten Konzerts.

Die sechste Matinée des Orgelsommers

Konzertorganist Arno Hartmann aus Bochum gastiert am Samstag, 8. August, um 11.15 Uhr in der Basilika St. Peter bei der sechsten Matinée des Dillinger Orgelsommers. Er studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Orgel, Orchesterdirigieren und Kirchenmusik. Konzerteinladungen führten ihn zu Festivals in der ganzen Welt. Sein Programm unter dem Titel „Himmlische Klänge!“ präsentiert mit Werken von César Franck (Orgelsymphonie „Grande Pièce Symphonique“ op. 17), Louis Vierne (aus den „Pièces de Fantaisie“) sowie des jungen Komponisten Serge Ollive (Erstaufführung) symphonische französische Orgelmusik des 19. bis 21. Jahrhunderts. Aufgrund des beschränkten Platzkontingents frühzeitig erscheinen.

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