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Friedberg

01.12.2020

Ärger über Kot und Kosten: Weitet sich die Taubenplage in Friedberg aus?

Die vielen Tauben sind für einige Friedberger ein Ärgernis.
Bild: Thorsten Jordan (Symbolbild)

Plus Im Friedberger Stadtgebiet gibt es immer mehr Tauben. Das Problem ist nicht neu. Es könnte sich laut Experten allerdings weiter verschärfen.

Für viele Anwohner sind sie eine richtige Plage: Im Frühjahr und im Sommer sind auf Dächern der Stadt Dutzende verwilderte Tauben zu beobachten. Das Problem gibt es seit rund 20 Jahren. Die Tauben werden laut Artenkenner Gerhard Mayer nicht weniger, sondern eher mehr – mittlerweile ist nicht nur die Innenstadt betroffen. Hier ein Blick auf die Lage.

Vor allem unter Solaranlagen, wie hier in Friedberg-Süd, nisten die Tauben.
Bild: Gerhard Mayer

Laut Mayer verteilen sich die Brutmöglichkeiten auf mehrere Stadtteile. Vor allem in Friedberg-Süd nehme das Problem zu. Das liege vor allem an den zahlreichen Solarzellen auf dem Dach der Grundschule Süd: "Solche Anlagen bieten den Tauben hervorragende Bedingungen. Unter den Zellen können sie optimal nisten. Dort ist es windgeschützt und auch in den kälteren Monaten warm", erklärt Mayer.

Schutzgitter reichen gegen Tauben in Friedberg nicht aus

Die Taubenplage könnte sich laut Mayer weiter verschärfen: "Es gibt immer mehr Solaranlagen auf den Dächern, was es den Tauben einfacher macht, sich in Friedberg anzusiedeln." Zwar gebe es mittlerweile vielerorts Schutzgitter, damit sich die Tiere nicht einnisten können, doch das ist laut Mayer nicht immer ausreichend: "Manche Drähte werden von den Tieren aufgebogen, sodass sie dann doch unter die Zellen schlüpfen können." Nicht nur der Taubenkot sei dabei problematisch. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Schutzgitter an den Solarzellen bewähren. Das Saubermachen kostet in jedem Fall Geld, aber wirklich furchtbar ist laut Mayer der Gestank von verfaulten Taubeneiern, die unter die Solarzellen rutschen.

Tauben verteilen sich auf Friedberger Stadtgebiet

Wie viele Tauben es in Friedberg gibt, kann aber auch der Artenkenner nicht beantworten. Einen Anstieg verzeichnet die Stadt Friedberg nicht, wie Pressesprecher Frank Büschel auf Anfrage mitteilt. Allerdings bestätigt auch er eine Verteilung der Tauben über das Stadtgebiet: "Einen Hinweis auf erhöhtes Aufkommen haben wir aktuell aus dem Wohngebiet bei der Grundschule Friedberg-Süd. Wir haben aber keine Erkenntnisse über eine merkliche Änderung der Situation. Das wird von der Verwaltung derzeit überprüft", so Büschel. Ähnliches berichtet Wolfgang Müller, Pressesprecher beim Landratsamt Aichach-Friedberg: "Das Taubenproblem war vor einigen Jahren ein Thema, nicht nur in Friedberg. Aktuell ist es aber ruhig, und von Beschwerden haben wir keine Kenntnis."

Die Turmfalken halten die Pfarrkirche St. Jakob taubenfrei.
Bild: Gerhard Mayer

Seit Mitte des Jahres versucht die Stadt Friedberg, den Vögeln mit einem Taubenhaus beizukommen: "Das ist eine tierschutzgerechte Maßnahme zur Kontrolle der Taubenpopulation. Dieser Versuch läuft gerade auf einem Anwesen in der Innenstadt. Auswertungen liegen uns noch nicht vor", so Frank Büschel. Die Tauben sollen durch artgerechtes Futter angelockt werden. Im Taubenhaus werden Nistplätze angeboten. Nachkommen werden verhindert, indem die frisch gelegten Eier durch Attrappen ersetzt werden. So könne die Population reguliert werden.

Taubenproblem in Friedberg: Ein Betroffener erzählt

Die betroffenen Anwohner in Friedberg und anderen Gemeinden im Landkreis Aichach-Friedberg müssen schon seit einigen Jahren mit der Taubenplage leben. So auch Richard Scharold, Zweiter Bürgermeister und Bäckereiinhaber. Besonders in der Filiale in der Hergottsruhstraße habe es immer wieder Probleme gegeben: "Das war zeitweise ganz schlimm. Mit dem vielen Taubenkot hatten wir massive Probleme", so Scharold, der bis 2020 in der Herrgottsruhstraße wohnte. "Die Viecher haben uns alles verschissen. Die Tauben wollten einmal sogar in unserem Schlafzimmer nisten. Wir haben alles versucht, aber sind die Tauben nicht losgeworden."

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, der einzeln stehende oder kleine Gruppen von Eichen, die gut besonnt sind, besiedelt. Im Mai geht die Raupenwanderungen los. Die Raupen verursachen massive Fraßschäden, bevor sie sich Ende Juni verpuppen. Zudem enthalten die sogenannten Brennhaare der Raupen eine Substanz, die giftig ist und bei Berührung eine allergische Reaktion inklusive Hautentzündung hervorrufen.
10 Bilder
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Bild: Marcus Merk

Auch Scharold sieht eine Verteilung der Tauben über das Stadtgebiet. "Gefühlt sind in der Innenstadt gerade weniger Tauben unterwegs. Im Sommer und Herbst sind viele auf den Feldern, im Winter kommen sie dann oft zurück in die Stadt", so Scharold, der warnt: "Man darf die Tauben nicht füttern. Das hat vor Jahren ein Mitarbeiter der Bäckerei gemacht. Sofort waren sehr viele Tiere da."

Laut Gerhard Mayer wäre es ohnehin ein Problem, dass die Tiere zu viel Futter haben: "Die Tauben holen sich das Futter auf den Feldern und nisten in belüfteten, aber nicht vergitterten Dachböden - so sind sie ganzjährig gut versorgt."

Tauben wie hier am Rehlinger Kirchturm sind auch in Friedberg ein Problem.
Bild: Gerhard Mayer

Auch Turmfalken kommen gegen Tauben nicht an

Vor Jahren siedelten sich in privaten und kirchlichen Nisthilfen in der Stadt Friedberg und in vielen Ortsteilen Turmfalken an. Mit Erfolg, denn mittlerweile sind die Pfarrkirche St. Jakob, die Wallfahrtskirche Herrgottsruh und das Wittelsbacher Schloss laut Mayer zumindest während der Brutzeit der Turmfalken taubenfrei: "Das bringt schon etwas, aber nur in der unmittelbaren Nähe. Tauben sind keine Beute für die Turmfalken." Anders wäre das bei Wanderfalken: "Die gibt es in Augsburg, aber in Friedberg ist es nahezu unmöglich, dass die sich ansiedeln."

Das Taubenproblem wird die Friedberger laut Mayer auch in den kommenden Jahren beschäftigen. "Die brüten vier- bis fünfmal pro Jahr. Aus zwei Tauben werden ganz schnell zehn. Die Tiere haben hier gute Bedingungen und die Brutplätze an ungesicherten Solardächern werden jedes Jahr mehr." Das Taubenproblem gibt es laut Mayer aber an vielen Orten im Landkreis.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Taubenplage in Friedberg: Die Stadt darf kein Venedig werden

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