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Gemeinderat

08.04.2014

Ärger um Ausgleichsfläche für die Holleräcker

Aus Ackerland wird eine Magerwiese und dafür wird extra der Humus bis zum Kies abgetragen, wie hier im Bild zu sehen. Das stößt bei vielen auf Unverständnis.
Bild: Christina Riedmann-Pooch

Naturschutzbehörde verlangt größeres Areal. Das Gremium hält das nicht für nötig

Kopfzerbrechen bereitete Bürgermeister Martin Walch die Größe der geforderten Ausgleichsfläche für das neue Bauland Auf den Holleräckern. Deshalb bat er Peter Markert vom gleichnamigen Planungsbüro zu prüfen, ob eine Verringerung der geforderten Ausgleichsfläche möglich wäre – denn bisher ist dies ein intensiv bewirtschafteter Acker.

Die Ausgleichsflächen, die sich zwischen dem Parkplatz des Mandichosees und dem verlorenen Bach in Richtung Merching befinden, werden nach Anordnung der unteren Naturschutzbehörde zu sogenannten Magerstandorten gestaltet. Ziel ist, eine ungedüngte, artenreiche Wiese als Mager- oder Halbtrockenrasenmosaik zu gestalten. Dafür wurde bereits die Humusschicht abgetragen. Wie sie von der ohnehin geringen Humusschicht als Kinder in mühevoller Kleinarbeit Steine abgeklaubt haben, um den Ackerbau zu erleichtern, daran erinnern sich noch viele Merchinger. Darunter auch Bürgermeister Walch. Deswegen ist es ihm besonders unverständlich, warum das „kleine bisschen Humus auch noch abgetragen werden muss“. Man habe sich immer an die Auflagen gehalten, „aber das tut einem in der Seele weh.“ Auch die Passanten hätten vielfach mit Unmut und Unverständnis reagiert, berichtet er.

Für das künftige Bauland Auf den Holleräckern muss aber eine Ausgleichsfläche bereitgestellt werden – und die bemisst sich an der Größe der Grundflächenzahl. In der vergangenen Gemeinderatssitzung hatten die Räte einer allgemeingültigen Grundflächenzahl von 0, 4 zugestimmt. Dadurch hatte sich die Größe der Ausgleichsfläche von rund 3600 Quadratmetern auf 5400 Quadratmeter vergrößert. Peter Markert hatte daraufhin durch einen Mitarbeiter das Gespräch mit dem Sachbearbeiter der unteren Naturschutzbehörde gesucht. Dort habe man sich aber „wenig kompromissbereit“ gezeigt und die Sachlage als nicht verhandelbar dargestellt.

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Anita Menge und Eugen Seibert unterstützen die ursprüngliche Entscheidung, trotzdem bei der Grundflächenzahl von 0,4 zu bleiben. Die Erweiterung der Fläche sei nicht so riesig, unterstrich Anita Menge. Außerdem habe man vor zwei Wochen bewusst für eine größere Ausgleichsfläche gestimmt, stützte Werner Schrom seine Vorredner. Bernhard Frank warf ein, dass jeder Quadratmeter fehlender Boden Ackerland die Preise für den landwirtschaftlichen Grund in die Höhe treiben würde. Bürgermeister Martin Walch erinnerte daran, dass dies nicht die letzte Ausgleichsfläche sei: Schließlich stehe er für ein weiteres Baugebiet in Verhandlungen und auch die Segler würden ein Heim bauen wollen.

Wolfgang Teifelhart beantragte die erneute Abstimmung. Er wollte erreichen, dass ein Teil der Bauflächen eine niedrigere Grundflächenzahl erhalten könnte, sodass die Ausgleichsfläche kleiner gehalten werden könne. Eine erneute Abstimmung wurde mit 9:6 Stimmen abgewiesen.

Kurzsichtigkeit ärgert Landwirt

Josef Failer stellte als erfahrener Bauunternehmer fest, dass die Grundflächenzahl von 0,4 unabdingbar sei. „Fakt ist, dass dieser Ausgleichswahn eines Einzelnen“, der willkürlich auf die zuständige Gemeinde losgelassen werde, viel Schaden anrichte und Nutzflächen zerstöre. Er habe Sorge, wenn er an die vielen ähnlichen Fälle europaweit denke, an denen fruchtbarer Ackerboden vergeudet werde. Selbst wenn man, wie bei einer Fotovoltaikfläche oder einer begrünten Verkehrsinsel denke, „man tut etwas für die Umwelt“ – auch dafür müsse man Ausgleichsflächen schaffen. „In absehbarer Zeit werden wir neun Milliarden Menschen sein – wo kommt da das Futter her?“ Diese Kurzsichtigkeit und Willkür „ärgert mich total“, unterstrich er.

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