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Demo in Kissing

15.09.2018

AfD in Kissing: "Mit der Angst wird jetzt Politik gemacht"

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Das Bündnis „Vielfalt ist stärker“ ruft zur Kundgebung auf dem Kissinger Rathaus Platz.
Bild: Bündnis „Vielfalt ist stärker“

Diakon Michael Popfinger bezieht bei der Gegen-Demo Position und ist bereit anzuecken.

Der gleichermaßen bekannte wie umstrittene AfD-Politiker – Björn Höcke kommt am  Samstag nach Kissing. Er spricht zum Thema „Unrecht beenden, Grenzen schützen“. Ein Zeichen für Vielfalt und Freiheit will eine Kundgebung auf dem Rathausplatz dem entgegensetzen. Der Dasinger Diakon Michael Popfinger hat die Herausforderung angenommen und tritt dabei als Redner auf.

Kirche muss sich positionieren

„Was sage ich da?“ - die Frage spukte ihm schon nachts im Kopf herum, so dass sich der hauptberufliche Banker Freitagfrüh um 4 Uhr ans Konzept für seine Rede setzte. „Ich spreche als Privatperson - aber schon vor dem Hintergrund christlicher Werte“, sagt er. Wenn es um Flüchtlinge, Fremdenfeindlichkeit und Angst geht, müsse auch die Kirche klar Stellung beziehen, fordert er.

Nach 25 Jahren Tätigkeit als Diakon und zahlreichen Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen sieht er als Ursache der Schwierigkeiten immer wieder ein Hauptthema, nämlich Angst. „Auch jetzt geht es eigentlich nicht so sehr um die Flüchtlinge, sondern es werden Gefühle angefacht. Mit der Angst wird jetzt Politik gemacht“, sagt er in Bezug auf die AfD.

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Und das sei gefährlich. Denn mit der Angst könne man kein Land regieren, Angst lähme. „Da gibt es keine Freiheit mehr“, betont der Diakon.

Dichte Grenzen können das Problem nicht lösen

Und schnell ein paar Grenzen dicht zu machen – das werde die Probleme auf keinen Fall lösen. Und es reiche auch nicht aus, schnell ein paar Menschen eine Unterkunft zu verschaffen. Vielmehr brauche es einen Plan, damit alle Menschen vor Ort eine Lebensgrundlage haben. „Da muss die ganze, eine Welt zusammenstehen“, verlangt Popfinger. Denn eigentlich mag doch jeder am liebsten daheim bleiben, ist seine Überzeugung.

Und er merkt kritisch an: „Gerade die westliche Welt hat lange Zeit auf Kosten der armen Länder durchaus gut gelebt“. Jetzt gelte es zusammenzurücken. Da gehe es auch um Gerechtigkeit. „Das wird nicht jedem schmecken, aber so ist“, meint er in Hinblick auf seine Ansprache am Samstag.

Die Kundgebung am Kissinger Rathaus beginnt um 11 Uhr. Popfinger spricht nach einer kurzen Begrüßung von Bürgermeister Manfred Wolf. Die Wahlkampfveranstaltung der AfD mit Höcke findet im Landgasthof Alt-Kissing statt und beginnt um 13 Uhr. In Kissing lagen im Vorfeld die Nerven bei einigen blank.

Größte Befürchtung war es, dass der Anlass Extremisten anlocken könnte. Gerade im Zusammenhang mit der überregionalen Berichterstattung kursierten außerdem schnell Gerüchte. Das betraf unter anderem den Veranstaltungswort. Obwohl die AfD im Landgasthof Alt-Kissing zusammenkommt, wurden die Betreiber von Kühners Landhaus verdächtigt, der Partei ihre Räume zur Verfügung zu stellen. Diese legen Wert darauf, klar zu stellen, dass sie mit der AfD-Veranstaltung nichts zu tun haben.

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15.09.2018

Für mich ist es nicht extrem, wenn die demokratischen Parteien gemeinsam eine Veranstaltung „Vielfalt ist stärker“ in Kissing gemacht haben. Für mich ist es nicht extrem, wenn dort ein katholischer Diakon an den ersten Artikel unseres Grundgesetzes erinnert:
>>Art 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.<<
Im ersten Artikel unserer Verfassung heißt es, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Dort heißt es nicht, dass die Würde der Deutschen unantastbar sei.
Wir Deutschen leben heute in einem freien Land, weil vor über 70 Jahren uns die Soldaten anderer Länder befreit haben. Und nach der Nazizeit uns andere Völker geholfen haben, unser Land ethisch, politisch und wirtschaftlich wieder aufzubauen.
Nächstenliebe, Solidarität, Humanismus sind globale Werte auf unserer Erde. Dass gegen sie häufig aufs Unmenschlichste verstoßen wird, steht ihrer Gültigkeit nicht entgegen.
Der Diakon sprach auch von der Notwendigkeit, unsere Lebensgrundlagen zu schützen, um der heute Lebenden sowie unserer Nachkommen willen. Die AFD hingegen bejaht die Atomkraft, verharmlost die Erderwärmung und fordert nicht den Schutz der Atmenden sondern der Dieselautoindustrie.
Der Diakon sprach von der großen und sogar wachsenden Ungerechtigkeit der Einkommens- und Vermögensverteilung. Die AFD hingegen will zum Schutz der Reichen die Erbschaftssteuer abschaffen.
Gut, dass heute in Kissing Bürger und Parteien gemeinsam gegen die menschen- und umweltfeindlichen Forderungen der AFD demonstriert haben!
Raimund Kamm

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15.09.2018

Die ganze Welt muss zusammenstehen - tut sie aber leider nicht, tat sie noch nie und wird sie auch nie tun. Höckes Ansicht ist extrem, die hier geäußerte Meinung dieses Herrn aber auch.

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