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Aichach-Friedberg

15.07.2020

Algen, Badeunfälle, Gänsekot: Sind die Seen im Raum Friedberg überlastet?

Der Kiesstreifen wird immer breiter. Ursache ist der gesunkene Wasserstand am Friedberger See. Ein Grund zur Sorge?
Bild: Lucas Schmidt

Plus Wasserspiegel sinken, Menschenmassen suchen Erholung. Wie steht es um Friedberger See, Weitmannsee und Co. ?

Die Auflagen und Vorschriften wegen Covid-19 vergällen vielen Badegästen die Freude am Besuch im Freibad. Umso mehr ist diesen Sommer an den Seen los. Doch welche Folgen hat dieser Ansturm für die Natur? Ohnehin haben einige Seen mit Problemen zu kämpfen. So ist Franz Reißner aufgefallen, dass der Wasserstand am Friedberger See gesunken sei: „Vor 18 Jahren hat die Stadt Friedberg Uferbefestigungen in Form von Steinen angebracht, die zur Hälfte im Wasser lagen. Mittlerweile sind diese komplett frei gelegt“, erzählt der ehemalige Stadtrat.

Friedberger See: Der Wasserstand ist gesunken

Für diese Entwicklung sei wahrscheinlich der niedrige Grundwasserspiegel verantwortlich, glaubt Reißner. Ursprüngliche Idee sei es gewesen, durch die Steine das Erdreich vor Wellen zu schützen, damit es nicht weggeschwemmt wird. Im Moment reicht das Wasser nicht einmal über den Kies am Ufer hinaus.

Herbert Lipp vom Fischereiverein Friedberg macht dafür ebenfalls den Grundwasserstand verantwortlich: „Der Grundwasserpegel fällt und steigt immer wieder, doch ist er in den letzten Jahren insgesamt gesunken.“ Dadurch sinke auch der Wasserstand der Seen, erläutert er. . Ein weiterer Grund sei die vergangene Dürrezeit.

Algen, Badeunfälle, Gänsekot: Sind die Seen im Raum Friedberg überlastet?

Niedriger Wasserpegel birgt Gefahr für Badegäste

Die Wasserwacht am Friedberger See hofft, dass der Wasserpegel durch mehr Regen wieder ein wenig steigt. Trotzdem entstehen durch den niedrigen Stand des Wassers am Friedberger Baggersee laut Reißner auch Gefahren für Badegäste: „Das Ufer fällt sehr schnell steil ab, dadurch kann man sehr schnell nicht mehr stehen, wenn man ins Wasser läuft.“ Am See kommt es immer wieder zu Unfällen von Badegästen, die nicht gut schwimmen können und sich überschätzen. Vor einigen Jahren ertrank ein junger Mann, vergangenes Jahr konnte die Wasserwacht einen anderen gerade noch retten. Reißner sieht aktuell ein besonders hohes Gefahrenpotenzial. „Am Samstag waren mindestens 200 Kinder am Baggersee“, erzählt er.

Für Herbert Lipp stellen solche Besuchermassen auch eine Herausforderung für die Seen an sich dar: „Dass mehr Menschen an die Seen gehen, ist auf alle Fälle eine Mehrbelastung für die Gewässer.“ Es komme aber sehr darauf an, wie sich die Badegäste verhalten. Frischwasser komme zwar immer wieder nach, trotzdem habe es Einfluss auf die Wasserqualität, wenn derart viele Menschen darin baden.

Kein Zusammenhang mit Grundwasserstand

Laut Patricia Ernst vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth ist allerdings derzeit an der Messstelle Sankt Afra kein niedriger Grundwasserstand verzeichnet. Obwohl die Lechregion durch den Schotterboden bekannt dafür sei, dass der Grundwasserstand Auswirkungen auf die Pegel der Gewässer hat, sei den Messungen nach kein Zusammenhang zu erkennen.

Elisabeth Burkhard, Geschäftsführerin des Erholungsgebietevereins Augsburg, sagt zur Belastung der Seen: „Mehr Menschen an den Seen bedeuten auch höhere Kosten für die Verwaltung.“ Die Müllentsorgung sei ein Punkt, der dabei schwer ins Gewicht fällt. Am Weitmannsee in Kissing besteht außerdem ein Problem mit Graugänsen; die Liegewiesen sind voll mit dem Kot der Vögel. „Die Graugänse sind schon sehr lange am See, sie brüten im Frühjahr und fliegen dann wieder weg“, sagt Burkhard.

Graugänse sorgen am Weitmannsee in Kissing für Probleme

Man müsse sich damit arrangieren. 2020 seien es auch durch die hohen Temperaturen im Frühling mehr Gänse gewesen als in den vergangenen Jahren. Laut Burkhardt ist jedoch das Füttern der Gänse das eigentliche Problem: „Wenn ein Tier gefüttert wird, kommen alle.“ Da die Tiere wissen, dass sie Aussicht auf Fressen haben, halten sie sich bevorzugt auf den Liegewiesen auf. Ihr Kot sei aber nicht gesundheitsschädlich.

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Bild: Josef Abt

Um den Spielplatz neben dem Restaurant wurde laut Burkhard zudem ein Zaun errichtet, um die Verschmutzung zu verhindern. Und obwohl die Wiesen verschmutzt sind, sei das Wasser des Weitmansees sehr sauber. Das Gesundheitsamt nehme alle zwei Wochen Proben, die Wasserqualität sei einwandfrei.

Mandichosee: Tests auf Blaualgen negativ

Ein anderes Problem hat der Mandichosee. Dort wurden 2019 giftige Blaualgen entdeckt. Die Pflanzen seien vor allem für Tiere sehr gefährlich gewesen. „Für Hunde war das eine sehr gefährliche Situation. Der Gewässerschutz testet das Wasser der Seen aber regelmäßig, dieses Jahr ohne Befund von Blaualgen, dafür mit guten Ergebnissen bezüglich der Wasserqualität“, sagt Herbert Lipp. Außerdem bestand die Gefahr, dass die Blaualgen sich den Lech hinunter ausbreiten könnten. Laut Lipp ist es schwer vorauszusehen, ob Blaualgen oder ähnliche Problematiken wieder aufkommen. Im Moment seien die Seen im Umkreis aber in guter Verfassung.

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