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24.06.2009

Alkoholsucht betrifft die Familie

Aichach-Friedberg (glb) - Alkoholsucht ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Nicht nur die Abhängigen selbst leiden darunter, vielmehr ist das ganze Umfeld betroffen. Aber es gibt professionelle Hilfe bei Suchtproblemen. Die Außenstelle der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Augsburg-Land beteiligte sich an der bundesweiten Suchtwoche unter dem Motto "Alkohol? - kenn dein Limit!" mit einem Vortrag und einem Tag der offenen Tür. Über die Co-Abhängigkeit sprach die Sozialpädagogin Elisabeth Pauli. In ihrem Vortrag "Mitgefangen - mitgehangen" erläuterte sie, was Angehörige von Suchtkranken erleben, aber auch wie sie sich aus ihrer Verstrickung befreien.

Mit betroffen von einer Suchterkrankung seien nicht nur die Familie, sondern auch Freunde und Kollegen. Das ganze System verhalte sich wie ein Mobile. Alle versuchten, das höchst störanfällige Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Jede Störung wirke sich auf alle anderen aus. Die Folge sei eine Rollenpolarisierung: Der Kranke sei der Symptomträger, die Angehörigen die Symptompfleger. Die Konsequenz: "Jede Pflege, die hilft, die negativen Folgen auszuhalten, verhindert die Eigeninitiative."

Pauli fand klare Worte. Alle gut gemeinten Lösungsversuche könnten leicht in einen Teufelskreis führen, in dem man genau das bewirkt, was man verhindern will. Erst wenn alle kapituliert haben, wenn der Kranke seine Abhängigkeit und der Angehörige seine Machtlosigkeit erkannt haben, ist der Weg aus der Verstrickung möglich. "So hart es klingt: Die beste Hilfe ist es, nicht zu helfen!", stellte Pauli klar. Angehörige sollten an sich denken und für sich selbst etwas tun.

Andererseits sollten alle professionelle Hilfe annehmen. Die Suchtberatung im Landkreis teilt sich Pauli mit ihrer Kollegin Monika Heitzinger-Furchner. Die beiden informieren und beraten bei allen Fragen über Sucht und Suchtgefährdung und führen Krisengespräche. Sie vermitteln Therapien und bereiten diese vor. Die Beratungsgespräche finden in Aichach oder in Friedberg statt. In den Räumen der Suchtberatungsstelle in Aichach betreut Monika Heitzinger-Furchner die "Motivationsgruppe". Diese ist die erste Stufe im Behandlungsplan. Dort treffen sich Leute, die in Therapie wollen oder die sich ihrer Sucht nicht ganz im Klaren sind. Elisabeth Pauli übernimmt dort die Weiterbehandlung nach der Therapie.

Alkoholsucht betrifft die Familie

Mithilfe der Gruppenstunden soll das Gelernte im Alltag umgesetzt werden. Ebenso betreut Pauli die Angehörigengruppe, die sich dort einmal im Monat trifft.

Infos Die Suchtberatungsstelle ist in Aichach, Münchener Straße 19, Tel. (0 82 51) 87 34 20. Die Außensprechstunden in Friedberg finden in der Sozialstation, Hermann-Löns-Straße 6, statt. Alle Mitarbeiter der Beratungsstelle unterliegen der Schweigepflicht.

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