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30.07.2010

"Allen kann man es nie recht machen"

Der Unfallschwerpunkt B 2 /Augsburger und Ohm-Straße könnte duch einen Umbau entschärft werden. Die Zukunftsvision der Planer ist ein großer Kreisverkehr, über den die B 2 als Brückenbauwerk geführt wird. Foto: Peter Stöbich
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Der Unfallschwerpunkt B 2 /Augsburger und Ohm-Straße könnte duch einen Umbau entschärft werden. Die Zukunftsvision der Planer ist ein großer Kreisverkehr, über den die B 2 als Brückenbauwerk geführt wird. Foto: Peter Stöbich
Bild: Peter Stöbich

Die Pläne für eine Ortsumfahrung von Kissing diskutierte der Gemeinderat der Nachbarkommune Mering in seiner jüngsten Sitzung eineinhalb Stunden lang, obwohl es nichts zu beschließen gab. Von Peter Stöbich

Die Pläne für eine

Ortsumfahrung

von

Kissing

diskutierte der Gemeinderat der

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Nachbarkommune Mering

in seiner jüngsten Sitzung eineinhalb Stunden lang, obwohl es nichts zu beschließen gab. Denn die Räte befürchten ein millionenteures "Stückwerk" und vor allem eine unzumutbare Verkehrs- und Lärmbelästigung für die Bewohner im Ortsteil

St. Afra

.

Frank Frischeisen

und

Michael Kordon

vom staatlichen Bauamt

Augsburg

mussten sich deshalb heftige Kritik anhören - auch wenn wohl noch einige Jahre ins Land gehen, bis die Bagger anrollen.

Falls Kissing je die geplante Ortsumfahrung bekommt, soll diese im Süden auf halber Strecke zwischen Kissing und St. Afra von der Auenstraße aus über die Bahn wieder zurück schwenken. Nicht nur das staatliche Bauamt hat sich für diese Trasse entschieden und sich damit bereits mit den übergeordneten Stellen abgestimmt; auch Kissings Gemeinderat schloss sich der Behörde an (wir berichteten). Im Kissinger Norden bleibt nichts anderes übrig, als etwa auf Höhe von Gut Lindenau mit einer Standardlösung von der jetzigen Straße Richtung Westen abzuzweigen und zwischen Pfaff silberblau und der Fotovoltaikanlage über die Bahn zu führen. Beim Verlauf fast parallel zur Bahn wird die Auenstraße am nördlichen wie am südlichen Überführungsbauwerk unterquert; diese wird nicht angebunden.

Dann erst splitten sich die Varianten auf "wie ein Blumenstrauß", so Kordon. C 2 heißt jene, die westlich der Bahn weiter verläuft, die Staatsstraße Richtung Königsbrunn (St. 2380) quert und in einem großen Bogen die Meringer Ortsumfahrung einbindet. Hier wäre eine große Grünbrücke nötig, um seltenen Tier- und Pflanzenarten aus dem Naturdenkmal Bahngruben und der Kissinger Heide Weiterleben und Entwicklung zu ermöglichen. Die Diskussion zwischen Ämtern, Naturschützern und Fachleuten machte aber klar, dass eine Linie B momentan effektiver ist. "Die Prognosen zeigen, dass der Entlastungseffekt für Kissing bei 13 200 Fahrzeugen liegt", so Kordon, "mit der langen Variante kämen wir nur auf 12 500 weniger",. Bei Variante B sei es aber unerlässlich, die beiden jetzt schon überlasteten Verkehrsknoten im Nordwesten und Westen Merings auszubauen. Das soll an der Augsburger und Ohm-Straße durch einen Kreisverkehr realisiert werden, über den die B 2 geradeaus auf einer Brücke führt. Bei der Staatsstraße 2380 denken die Fachleute an eine "Trompetenschleife".

Keine Ampeln, weniger Unfälle

"Das bedeutet, dass es keine Ampeln mehr und weniger Unfälle geben würde", versuchte Kordon den Räten das Projekt schmackhaft zu machen. Diese reagierten aber mit deutlicher Zurückhaltung wie zum Beispiel Ludwig Huber ( CSU): "Das ist der reinste Schildbürgerstreich", sagte er, "Kissing bekommt, was es will, doch die Bürger von St. Afra sind dabei völlig egal!" Sein Fraktionskollege Georg Resch warnte davor, alte Fehler wie beim Bau der heutigen Meringer Umgehung zu wiederholen und sagte, der Gemeinderat solle jetzt mit Argumenten wie Geld und Zeit "überzeugt" werden. Florian Mayer (CSU) meinte, man solle mit den Bürgern diskutieren, um eine gute Verkehrslösung für den Südlandkreis zu suchen.

Reiner Heinrich erkundigte sich nach Schallschutzmaßnahmen für die Bürger von St. Afra. Kordon erwiderte, zum jetzigen Zeitpunkt sei es zu früh, um darüber Aussagen machen zu können. Erst müsse der Vorentwurf für die neue B 2 genehmigt werden, dann folgten ein Planfeststellungsverfahren sowie der notwendige Grunderwerb und die bis zu 30 Millionen Euro teure Finanzierung. Dies werde mit Sicherheit noch mehrere Jahre dauern. Er räumte ein, dass es wegen des Naturdenkmals Bahngruben "erhebliches Konfliktpotential" mit den Naturschützern gebe. Deshalb sei die große C 2-Variante nicht realisierbar: "Aber allen kann man es nie recht machen." Dieser Ansicht war auch Bürgermeister Hans-Dieter Kandler, der vor "Traumlösungen im Wolkenkuckucksheim" warnte: Politik sei die Kunst des Machbaren und erfordere deshalb auch Kompromisse, sagte er. Es sei schon viel wert, wenn die beiden Verkehrsknotenpunkte in Mering umgebaut und entschärft würden, um die hohe Zahl von Unfällen zu verringern. Von Peter Stöbich

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