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Politik

07.02.2018

Als Max ein Saudi war - Eindrücke vom UN-Planspiel

So sieht der Saal der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York aus.
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So sieht der Saal der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York aus.
Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

170 Jugendliche probieren in einem Planspiel aus, wie die Vereinten Nationen funktionieren.  Max von Linden erzählt, wie er sich als Vertreter Saudi-Arabiens fühlt.

Wie fühlt es sich an, als 17-jähriger in die Rolle eines Delegierten bei den Vereinten Nationen zu schlüpfen? Zusammen mit weiteren 170 Jugendlichen aus sechs Ländern hatte ich bei der „Munau“ (Model United Nations Augsburg) die Möglichkeit, genau das in einem Planspiel auszuprobieren. Vier Tage lang trafen wir uns am Maria-Ward-Gymnasium in Augsburg.

Die ganze „Munau“-Konferenz ist ein großes, sehr realistisches Planspiel, bei dem Teilnehmer ein Land repräsentiert. So formen sich 40 Delegationen mit jeweils bis zu sechs Abgesandten. Im Normalfall repräsentiert jedoch niemand sein tatsächliches Heimatland. Ich war also nicht Delegate of Germany, sondern Delegate of the Kingdom of Saudi Arabia. Eine Rolle, die mich durchaus vor Herausforderungen stellte.

Delikates Thema Frauenrechte

In den vielen Gesprächen und Reden der Konferenz muss man nämlich stets darauf achten, dass alles, was man als Repräsentant „seines Landes“ sagt, auch mit der Position der dortigen Regierung übereinstimmt. Für mich waren also beispielsweise Frauenrechte in diesen Tagen ein sehr delikates Thema, bei dem ich stets aufpassen musste, dass meine Aussagen mit den gesellschaftlichen Regeln in Saudi Arabien konform waren. Die strikten Regelungen dort entsprechen gar nicht meiner persönlichen Meinung, doch das Vertreten einer anderen Ansicht gehört nun einmal zu den „Model United Nations“-Konferenzen dazu.

So bekommen wir eine neue Sicht auf die dort beredeten Themen, erweitern unseren Horizont. Für mich wird dadurch das Handeln mancher Staaten auf der realen internationalen Bühne nachvollziehbarer. Jeder will seine Ideen – und damit sein Land – so gut wie möglich in der Abschlusserklärung positionieren.

Afrika und Urbanisierung

An den echten Vereinten Nationen orientiert, wurden sechs Komitees mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten gebildet. Während sich der Sicherheitsrat mit Nordkorea und dem nicht vorhandenen Frieden in Afrika beschäftigte, wurde im ECOSOC (Economic and Social Council) unter anderem über nachhaltige Urbanisierung diskutiert. Das Ziel jeder der gut und gerne vier Stunden dauernden Debatten war es, Resolutionen zu verabschieden. Bei Resolutionen handelt es sich im Endeffekt um eine Art internationale Gesetze. Die von uns verabschiedeten „Mun“-Resolutionen haben selbstverständlich keinerlei rechtliche Bedeutung für irgendjemand, doch sie werden stets an die Vereinten Nationen geschickt. Gute Ideen fließen so manchmal also in die echten Resolutionen der UN ein.

Ein charakteristischer Punkt der Konferenz ist, dass man ausschließlich auf Englisch kommuniziert. Das liegt an den internationalen Gästen. Diese werden in Augsburg stets in Gastfamilien untergebracht. „Munau“ sind also nicht nur Tage politischer Debatten, sondern vor allem Tage des interkulturellen Austauschs, des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens.

Entscheidungen, die uns alle betreffen

 Eine Erfahrung, die ich jedem politisch Interessierten nur wünschen kann. Leider gibt es aber außerhalb von „Munau“ nur sehr wenige annähernd so große und bedeutende Konferenzen in Bayern. Ich persönlich finde, viel mehr Schulen sollten das anbieten und den Jugendlichen die Chance geben, ein bisschen besser zu verstehen, was ihre Landesvertreter in den Versammlungen in New York, Wien usw. machen. Denn dort werden Entscheidungen getroffen, die uns alle betreffen. 

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