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Friedberg

05.03.2019

Als Rheinländer im Friedberger Fasching

Tom Trilges (rechts) mit dem Friedberger Prinzenpaar Valentin II. und Michaela I. auf dem „Full House“-Mottowagen des ORCC.
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Tom Trilges (rechts) mit dem Friedberger Prinzenpaar Valentin II. und Michaela I. auf dem „Full House“-Mottowagen des ORCC.
Bild: Peter Fastl

Unser Reporter Tom Trilges ist als Karnevalist vom Niederrhein im Friedberger Fasching unterwegs. Er erlebt einen besonderen Tag und ein Highlight zum Schluss.

Um 15.34 gehe ich die Friedberger Ludwigstraße entlang. Alles ist vorbei. Denke ich. Da fängt neben mir plötzlich eine Kapelle an zu spielen, schnell sammeln sich 40 Leute und tanzen, singen, lachen miteinander. Nicht zum ersten Mal an diesem Faschingsdienstag kommen schöne Erinnerungen aus meiner Heimat hoch. Aus Mönchengladbach, dem rheinischen Karneval. Ich bleibe stehen und muss schmunzeln.

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Trotz Sturm ein schöner Faschingsumzug in Friedberg

Die Voraussetzungen sind nicht die besten, aber Friedberg trotzt dem miesen Wetter und Tief „Bennet“, 5000 Besucher sind zum Umzug gekommen. „Weniger Leute als sonst, klar. Die Stimmung ist aber mindestens genauso gut wie in den vergangenen Jahren, einfach super“, sagt Markus Nowak, Präsident des Ottmaring-Rederzhausen-Carneval-Clubs (ORCC), noch während des Umzugs. Den verbringe ich ganz vorne auf dem Wagen des ORCC. „Full House“ lautet das Motto in diesem Jahr.

Stadt geht beim Fasching in Friedberg auf Nummer Sicher

Um stilecht mitzufeiern, habe ich im Vorfeld natürlich keine Kosten und Mühen gescheut. Im Anzug, mit Einstecktuch und fescher Brille bin ich dabei, als sich der Faschingsumzug am Volksfestplatz um kurz nach 14 Uhr in Bewegung setzt. „Der Wagen wurde noch einmal gecheckt wegen des Sturms, bei uns passt alles. Es kann losgehen“, sagt Nowak. Ich schaue mir die anderen Gruppen in Ruhe an, sehe gut gelaunte Zwerge, wandelnde Plastiktüten und feiernde Frösche.

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Bürgermeister im Friedberger Fasching mittendrin

Los geht’s, jetzt ist Gutsle werfen angesagt. Neben mir auf dem Wagen: Bürgermeister Roland Eichmann als Pirat. „Das ist ja mein Privileg als Bürgermeister, hier vorne mitfahren zu dürfen und Süßigkeiten zu schmeißen. Aber mal ehrlich: Ich bezahle die ja sozusagen auch“, sagt Eichmann und lacht. Die Stadt stellt allen Teilnehmern ein Kontingent an Süßigkeiten bereit.

Als ich gerade denke, hier läuft ja eigentlich alles wie zu Hause, bin ich dann doch plötzlich irritiert. „Mit Frohsinn“, ruft Markus Nowak in sein Mikrofon. „Und Humor“, antwortet die Menge am Straßenrand. Stimmt ja, hier gibt es gar kein „Helau“ oder Alaaf“. Nun gut, zum Glück sind die Schlachtrufe auch im Friedberger Fasching recht eingängig und so stimme ich schon beim zweiten Mal lauthals mit ein.

Auf der Ludwigstraße warten immer die meisten Narren.
Bild: Tom Trilges

Süßigkeiten werfen bis in die Wohnzimmer

Praktisch ist, dass die Häuser an der Zugstrecke so nah an den Wagen stehen, dass man die Süßigkeiten bis in die Wohnzimmer werfen kann. Theoretisch. Im dritten Versuch klappt es auch bei mir. Bürgermeister Eichmann hat eindeutig den besseren Wurfarm, stelle ich schnell fest. Bis in den dritten Stock auf die Balkone schafft er es locker und sogar die Windböen kalkuliert er gekonnt mit ein.

Aber Eichmann hat ja auch schon mehr Erfahrung. Zum fünften Mal steht er beim Fasching auf dem ORCC-Wagen. Nach einer guten halben Stunde fällt mir noch etwas auf. Der „Kölsche Jung“ wurde noch gar nicht gespielt, dafür schon drei Mal „Johnny Däpp“. Bei aller Liebe, da mag ich die Hymnen vom Niederrhein dann doch lieber.

Aber der Party in Friedberg tut das keinen Abbruch. Coole Tanzeinlagen am Wegesrand gibt es auch. Ein Einhorn führt die beeindruckendste Choreografie vor, schön locker in den Hüften ist dieses rosafarbene Wesen.

Prinzenpaar genießt Faschingsumzug in vollen Zügen

Letzte Kurve, Musik aus, alle vom Wagen runter. Das war es. So schnell schon vorbei, aber das ist ja immer ein gutes Zeichen. „Wir machen nächstes Jahr wieder mit beim ORCC, das hat Mega-Spaß gemacht“, sagt Faschingsprinz Valentin II. „Das schweißt einfach zusammen über die ganze Zeit, die man in so einer Saison zusammen verbringt.“

40 Termine haben Valentin II. und seine Prinzessin Michaela I. absolviert. Aber der Faschingsumzug ist doch das Highlight, beide sind vorher noch nie mitgezogen. „Und es war noch nicht mal so kalt. Wenn man genug tanzt, passt das schon“, sagt die Prinzessin.

Große Ehre zum Schluss

Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht. Nein, kalt war mir wirklich nicht, viel zu aufregend dieser Friedberger Faschingsumzug. „Moment noch“, sagt Nowak zu mir, als ich gerade aufbrechen will. Ich werde etwas nervös, was kommt denn jetzt noch?

Michaela I. geht strahlend auf mich zu und hängt mir den ORCC-Orden um. In der Heimat habe ich schon einige. Aber dieser Orden bekommt einen besonderen Platz – nach einem besonders schönen Tag. Dem ersten im Fasching, aber sicher nicht dem letzten.

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So bunt war der Friedberger Faschingsumzug
Bild: Peter Fastl
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