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Mering

15.01.2020

"Altes Kloster" soll Mering erhalten bleiben

Das alte Kloster ist eines der wenigen noch erhaltenen alten Gebäude in Mering. Immer wieder war die Zukunft der Immobilie, die der Kommune gehört, Gegenstand von Diskussion. Jetzt machen die Grünen sich dafür stark, das Haus zu bewahren.
Bild: Gönül Frey

Plus Die Grünen setzen sich für das historische Gebäude ein und vermessen es mit einem eigenen Architekten. Dieser sieht außen Spuren der Vernachlässigung.

Nachts entferne er heimlich die Schösslinge, die aus den Fensterschächten am "alten Kloster" wachsen – so berichtete der Meringer Renatus Scheglmann in der vergangenen Bürgerversammlung. Er ist nicht der einzige, dem am Äußeren des Gebäudes, dessen Eigentümer der Markt Mering ist, Spuren der Vernachlässigung auffallen. Auch Architekt Tobias Listl stellt fest: „Das Gebäude ist Innen in einem deutlich besseren Zustand, als es von Außen den Anschein hat“.

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Deutliche Schäden am Putz zeigt das "alte Kloster".
Bild: Tobias Listl

Der 36-Jährige kandidiert erstmals auf der Grünen-Liste für den Meringer Gemeinderat und wurde von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Petra von Thienen gebeten, sich des "alten Klosters" anzunehmen. Denn den Grünen ist der Erhalt ein besonderes Anliegen. „Wir haben nicht mehr viele alte Gebäude in Mering. Und es wäre sehr schade, wenn wir dieses hier auch noch verlieren“, sagt die Grünen-Sprecherin. Ihre Sorge ist nicht völlig unbegründet. Denn als in der Vergangenheit mögliche Standorte für ein neues Rathaus diskutiert wurden, stand auch schon einmal der Abriss des "alten Klosters" zur Debatte. Auf den Antrag von Renatus Scheglmann prüfte damals sogar der Denkmalschutz, lehnte es aber letztendlich ab, das Gebäude, das mutmaßlich Wende 19./20. Jahrhundert entstand, unter Denkmalschutz zu stellen.

Architekt: Das Innere des "alten Klosters" ist in einem guten Zustand

Tobias Listl machte sich nun zunächst auf die Suche nach den Plänen für das Gebäude und stellte fest, dass praktisch nichts vorhanden ist. Deswegen fertigt er derzeit als ersten Schritt im Handaufmaß einen Plan der Räumlichkeiten an. Listl hat Architektur und Denkmalpflege studiert und sich auf Bauforschung spezialisiert. Er lehrt und forscht an der Münchner Hochschule.

"Altes Kloster" soll Mering erhalten bleiben

Mit dem Außenaufmaß ist er bereits fertig, nun widmet er sich dem Inneren. Und auch wenn der 36-Jährige zunächst vor allem Längen und Breiten kartiert, hält er natürlich die Augen offen. „Wenn ich zum Beispiel schadhafte Stellen entdecke, dann halte ich das fest und gebe es an die Gemeinde weiter“, erklärt er. In dieser Hinsicht ist das Innere für ihn eine angenehme Überraschung. „Hier wurde soweit eigentlich alles ganz ordentlich in Stand gehalten“, meint er. Überraschend war das insofern, als das "alte Kloster" außen einen deutlich schlechteren Eindruck macht.

Altes Kloster Mering: Außen zeigen sich Spuren der Vernachlässigung

Die zahlreichen, teilweise auch großflächige Schäden im Putz sind nicht zu übersehen. Wild aufgegangene Baum- und Buschschösslinge wachsen direkt an der Hausmauer. „Der Bewuchs müsste dringend entfernt werden, denn vor allem die Wurzeln schädigen das Gebäude“, sagt der Architekt. Auch seien einige der Regenrinnen am Haus verstopft. Dadurch fließe das Wasser an der Hauswand ab und drohe den Putz weiter zu beschädigen. „Das sind alles Dinge, die jetzt noch relativ unkompliziert zu beheben sind. Aber es muss gemacht werden, bevor das Gebäude stärkeren Schaden nimmt“, sagt Listl.

Aus den Regenrinnen wächst das Unkraut, ein Anzeichen dafür, dass der Abfluss verstopft ist.
Bild: Tobias Listl

Das wäre auch in anderer Hinsicht fatal, weiß er. Denn je verkommener das Anwesen auf die Menschen wirkt, desto weniger werden sie sich für seinen Erhalt einsetzen. „In der Denkmalpflege beobachten wir das immer wieder, dass Eigentümer ihre Häuser sogar mit Absicht verlottern lassen, damit sie am Ende in so einem schlechten Zustand sind, dass man sie nur noch abreißen kann“.

Grüne wollen bei den Meringern Werbung für das Gebäude machen

Dagegen wollen die Grünen bei den Meringern Werbung für das "alte Kloster" machen. Listl hat mittlerweile auch eine Internetseite eingerichtet, auf der er seine Ergebnisse und Fotos veröffentlicht. Petra von Thienen hält es außerdem für erforderlich, dass sich die Kommune irgendwann darüber klar wird, was sie mit dem Gebäude anfangen will. Derzeit nutzt der Hort den neueren Anbau und einige Räume im alten Teil. Außerdem gibt es Wohnungen, die vermietet sind. „Ich könnte mir eine öffentliche Einrichtung für kulturelle Zwecke gut vorstellen. Zum Beispiel ein Café und Ausstellungsräume“, sagt sie. Gut zum Gebäude passen würde auch das Heimatmuseum, allerdings sehe dessen Leiter Joachim Pagel aus verschiedenen Gründen das "alte Kloster" als nicht geeignet an.

Das alte Kloster ist Innen in einem deutlich besseren Zustand als außen, finden Petra von Thienen und Tobias Listl von den Grünen. Sie wollen Werbung für das Gebäude machen, dessen Abriss im Gemeinderat schon einmal zur Debatte stand.
Bild: Gönül Frey

Unter anderem dürfte es schwierig und aufwändig werden, Barrierefreiheit herzustellen. Die Grünen-Politikerin könnte sich aber auch vorstellen, dass die Kommune hier gemeinsam mit einem Investor ein Jung-und-Alt-Wohnprojekt verwirklicht. Aber was bringt da überhaupt die laufende Vermessung? „Sie liefert wichtige Grundlagen. Wenn wir zum Beispiel ein Café hier einrichten würden, dann will doch jeder Pächter erst mal genau wissen, wie groß die Räume sind“, erläutert Petra von Thienen. Auch wenn es gelte, Handwerker zu beauftragen, brauche man die Maße, fügt Listl hinzu.

Die Ergebnisse der Vermessung und einige Fotos sind im Internet zu sehen unter www.tlistl.wixsite.com/mering-altes-kloster

Lesen Sie auch das Interview: Alte Mädchenschule Mering: Höchstens der Altbau ist schützenswert

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