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Friedberg

23.09.2016

Am schwersten fällt die Wohnungssuche

Wenn sie anerkannt sind, dürfen Flüchtlinge aus den Sammelunterkünften ausziehen. Doch eigene Wohnungen sind schwer zu finden.
Bild: Anne Wall (Symbolbild)

Knapp ein Viertel der Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, hat eine Stelle gefunden. Die Verantwortlichen sind mit dieser Zahl zufrieden. Probleme gibt es aber bei den Unterkünften. Welche Lösungen Pfarrei und Bürgermeister sehen.

Dass die Wohnungssuche in Friedberg schwierig sein kann, ist nicht neu. Das spüren auch anerkannte Flüchtlinge, die aus Gemeinschaftsunterkünften ausziehen und in eigene Wohnungen ziehen dürfen. Mit der Quote derer, die eine Arbeitsstelle gefunden haben, sind die städtische Asylbeauftragte Ulrike Proeller und Bürgermeister Roland Eichmann zufrieden – auch wenn die Zahl niedrig klingt.

32 von etwa 390 Flüchtlingen in Friedberg haben eine Arbeit gefunden. Möglicherweise sind es sogar mehr, denn bereits anerkannte Asylbewerber werden nur dann in die Statistik aufgenommen, wenn sie freiwillig an der Integrationsberatung teilnehmen. Aus dem gleichen Grund ist auch die genaue Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die in Friedberg leben, nicht bekannt.

Für Mütter mit kleinen Kindern gibt es ein neues Angebot

Am schwersten fällt die Wohnungssuche

So niedrig, wie sie wirkt, ist die Friedberger Zahl nicht. Denn viele der Menschen dürfen nicht arbeiten, weil sie noch nicht volljährig sind oder das Rentenalter erreicht haben. Andere haben den erforderlichen Integrationskurs noch nicht abgelegt, manche haben wegen ihrer Herkunftsländer ein Arbeitsverbot und andere wurden bereits abgelehnt, aber noch nicht abgeschoben. Von denen, die arbeiten dürfen, hat etwa ein Viertel eine Stelle oder einen Praktikumsplatz gefunden oder sind in einem Arbeitsprojekt beschäftigt.

„Es ist ein relativ stolzes Verhältnis zwischen denen, die Arbeiten und denen, die nicht arbeiten“, findet Eichmann. Ulrike Proeller kann aus der Erfahrung ihrer Beratungsstunden sagen, dass fast alle arbeiten wollen, sobald ihr Deutsch gut genug ist. Beim Lernen der Sprache und bei der Integration soll ab Oktober ein Kurs helfen, den die Volkshochschule in Friedberg anbietet. Bisher mussten Asylbewerber für diese Kurse nach Augsburg fahren. Gerade für Mütter mit kleinen Kindern war der Zeitaufwand hoch.

Für sie gibt es nun den Friedberger Kurs, der vormittags stattfindet. Eine ehrenamtliche Kinderbetreuung soll das Angebot ergänzen. Neu ist auch eine Unterstützung für Ulrike Proeller: Von Montag an wird ihr die 27-jährige Studentin Stephanie Posch als 20-Stunden-Kraft bei der Beratung helfen. Posch engagiert sich schon länger in der Asylarbeit und bekommt einen Vertrag bis Ende Juli. Dann läuft auch Proellers Vertrag aus. Der Stadtrat will im Frühjahr darüber sprechen, wie die Asylarbeit weitergehen soll.

Die Kirchengemeinde stellt einige Wohnungen

Schwierig sieht es bei der Suche nach Wohnungen aus. Wer als Flüchtling anerkannt ist, darf in eine eigene Wohnung ziehen. Die Asylbeauftragte Ulrike Proeller weiß von 56 Anerkannten, die eine eigene Bleibe gefunden haben. Rund 100 leben noch in Sammelunterkünften. Pröller berichtet: „Es gibt wenig bezahlbaren Wohnraum und viele Vermieter verhalten sich ablehnend.“ Stadtpfarrer Pater Markus Hau und Kaplan Pater Steffen Brühl haben sich deshalb an ihre Gemeinde gewandt. Einige Gläubige haben Wohnungen an Flüchtlinge vermietet. Aktuell verbuchte die Pfarrei einen weiteren kleinen Erfolg: eine Wohnung ist in Aussicht. Sie könnte Platz für eine Familie bieten, muss aber noch renoviert werden.

Brühl glaubt, dass die Vermieter vorsichtig und nicht ablehnend gegenüber Ausländern sind. Manche seien unsicher, was für Mieter sie zu erwarten hätten. Zudem gebe es Zweifel, ob sich die Familien nach der Zeit in Sammelunterkünften schnell ans Leben in einer Mietwohnung gewöhnen könnten. Brühl sieht auch einen anderen Grund: „Friedberg ist ein teures Pflaster.“ Er betont: „Wir müssen neu bauen, es gibt keine andere Lösung.“

Neubauten sollen in Zukunft helfen

Das ist auch geplant. Bürgermeister Eichmann erinnert an das Wohngebiet, das an der Afrastraße entstehen soll. Dort sollen es auch günstige Wohnungen geben. Vor Anfang 2019 können diese aber nicht bezogen werden. Eichmann hat eine weitere Idee: Leer stehende Gebäude der Stadt könnten für Wohnungen umgebaut werden. Dafür gibt es ein Förderprogramm, mit dem bis zu 90 Prozent der Kosten erstattet werden. Die Wohnungen müssen mindestens 10 Jahre lang für anerkannte Asylbewerber freigehalten werden. Die genauen Bedingungen sind aber noch nicht bekannt.

In Friedberg bleiben sollen die Flüchtlinge in jedem Fall. „Die Menschen sollen ja hier leben“, sagt Eichmann. Nur dann könne die Integration gelingen. Daran ändert nichts, dass manche Flüchtlinge demnächst umziehen müssen. Einige Mietverträge für Unterkünfte laufen demnächst aus. Doch andere Unterkünft, die noch umgebaut wurden, werden fertig in der nächsten Zeit fertig gestellt und können bezogen werden.

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