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Kultur-Café

28.04.2016

Angst ums Überleben

Beim letzten Nachmittag der Veranstaltungsreihe Kulturcafé erhielten die Besucher in der Kissinger Bücherei Einblicke in den Senegal.
Bild: Heike John

Asylbewerber aus dem Senegal erzählen, warum sie in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten

Mit afrikanischen Trommelrhythmen eröffnete das Kulturcafé in der Bücherei den Nachmittag mit den Gästen aus dem Senegal. Zum dritten Mal erzählten Flüchtlinge von ihrem früheren Leben in der Heimat, von ihrer Flucht und ihrer Ankunft in Deutschland.

Issa Mballo möchte gerne Schreiner werden, Meta Kondjira träumt von einer Ausbildung als Kfz-Mechaniker. „Aber das ist schwer“, so ist den beiden 23-jährigen Senegalesen bewusst. Die deutsche Sprache zu erlernen fällt ihnen nicht leicht. Trommler Abdoulaje Ndoje ist zudem Analphabet. Seit frühester Jugend hat er als Fischer gearbeitet und nie eine Schule besucht. Die größte Hürde für eine berufliche Zukunft in Deutschland ist jedoch ihre Nationalität.

Die Bundesrepublik hat den Senegal als sicheres Herkunftsland eingestuft. Dies bedeutet, dass den insgesamt zwölf in der Kissinger Bachgasse untergebrachten Senegalesen die Abschiebung bevorsteht. „Sie dürften keinen Sprachkurs machen, wenn es nach unseren Politikern ginge“, informierte Marlene Weiß vom Asylhelferkreis. Dank ehrenamtlicher Helfer und einer Geldspende des Frauenbunds haben sie die Möglichkeit zum Deutschunterricht und aufgrund der Offenheit des Schulleiters können Issa und Meta auch die Berufsschule in Aichach besuchen.

Angst ums Überleben

„Deutschland denkt, im Senegal ist alles super, aber das stimmt nicht“, mischt sich dann auch Trommler Alioune Mbodji ein. Gemeinsam und mithilfe des Moderators Jakob Sedlmaier vom Asylhelferkreis sowie einer Übersetzerin aus der Runde berichten die jungen Männer von der großen Gewalt, die vor allem von Rebellen im Süden ihrer Heimat ausgeht. Meta erzählt von seiner Flucht, die fast zwei Jahre dauerte. Er wurde gekidnappt, viele Wochen eingesperrt und geschlagen. Beim Marsch durch die Wüste erlebte er, wie Menschen bereit waren, für eine kleine Flasche Wasser einen anderen zu ermorden. Im Boot auf dem Mittelmeer, das für 60 Leute ausgerichtet war, aber mit dreimal soviel Leuten gefüllt wurde, hatte er drei Tage Todesangst.

„Die Leute kommen nicht aus Abenteuerlust zu uns“, betonte Sedlmaier. Die Frage, wie es ihnen in Kissing gefalle, beantworten die Senegalesen höflich, aber zurückhaltend. Niemals würden sie über den Ort, der sie trotz aller Schwierigkeiten aufgenommen hat, etwas Negatives sagen. „Die jungen Männer haben ein schweres Schicksal, aber wirken immer freundlich und vergnügt“, bestätigte der Asylhelferkreis den Eindruck. „Wir hier in Deutschland haben großes Glück, denn wir sind privilegiert geboren und dafür können wir nichts“, so eine Zuhörerin.

Heute, Donnerstag, um 16 Uhr findet der Abschluss des Kultur-Cafés in der Bücherei statt. Reinhard Schelzig, Gitarre, präsentiert sein neues Projekt mit Carmen Amrein, am Hackbrett und Stefan Bienert am Kontrabass.

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