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Aichach-Friedberg

01.03.2019

Ankerzentrum für Flüchtlinge in Mering birgt sozialen Sprengstoff

Die leer stehende Unterkunft an der Hörmannsberger Straße 18 in Mering möchte die Regierung nun als Außenstelle des Ankerzentrums Donauwörth nutzen.
Bild: Peter Stöbich

Plus Rund 120 Flüchtlinge sollen in einer Meringer Außenstelle der Donauwörther Einrichtung untergebracht werden. Vor Ort ist der Ärger groß.

Ein Ankerzentrum für Mering – diese Nachricht löst in der Marktgemeinderat reihum nur besorgte Reaktionen aus. Wie berichtet, möchte die Regierung von Schwaben in dem eigentlich als Erstaufnahmeeinrichtung angemieteten Gebäude in der Hörmannsberger Straße eine Dependance des Donauwörther Ankerzentrums einrichten.

„Die Pläne der Regierung von Schwaben für die Belegung des Objekts Hörmannsberger Straße bergen sozialen Sprengstoff“, sagt Landrat Klaus Metzger. Insbesondere mit Blick auf bereits vorhandene Unterkünfte könnten sie die Marktgemeinde deutlich überfordern, fürchtet er. Der Landrat betont, dass er diese Bedenken auch dem Vizepräsidenten der Regierung von Schwaben gegenüber deutlich gemacht habe. Er appelliert, sich in der kommenden Woche dennoch die Vorstellungen der Regierung erst einmal anzuhören. Wie berichtet, hat Bürgermeister Hans-Dieter Kandler am Donnerstag, 7. März, eine Sondersitzung des Marktgemeinderates einberufen. Dabei soll die Regierung von Schwaben ihre Pläne für Gemeinderat und Öffentlichkeit erläutern. An einem weiteren Termin soll es dann eine extra Bürgerinfo geben.

Ankerzentrum in Mering: „Das ist eine Sauerei ohnegleichen“

Wie berichtet, ist Kandler entsetzt und verärgert über das Vorhaben. „Das ist eine Sauerei ohnegleichen“, hatte er gegenüber unserer Redaktion gesagt. Laut Landrat wird es nun darum gehen, die Dinge so zu ordnen, dass sie den Menschen in Mering auch zumutbar sind. „Wir alle hier leisten seit 2015 bei der Aufnahme und folgend bei der Integration exzellente Arbeit.“ sagt er und fordert, die auch zu honorieren, indem die Bedenken und Anregungen der Menschen vor Ort berücksichtigt werden. In den Betrieb der Ankerdependance wird auch die Ausländerbehörde am Landratsamt mit eingebunden sein, unter anderem was die monatliche Auszahlung der Leistungen betrifft. „Spannend wird auch die Frage, wie das gegebenenfalls personell zu bewältigen sein soll.“ meint Metzger dazu. Der Landkreis habe seinen Stellenplan verabschiedet, zusätzliches Personal werde es nicht geben. „Auch darauf muss die Regierung eine Antwort geben“, fordert er.

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Tomaschko hält Mering als Standort für Ankerzentrum nicht geeignet

Kritisch äußert sich auch CSU–Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko, obwohl seine Partei die Ankerzentren ja erfunden hat. „Wir sind alles andere als erfreut über diese Entwicklung in Mering“, sagte er für sich und die anderen örtlichen Mandatsträger. „Wir werden geschlossen argumentieren, dass Mering nicht der geeignete Standort ist“, verspricht er. Tomaschko will mit diesem Anliegen auch an den bayerischen Innenminister heran treten und hat bereits Gespräche mit der Regierung von Schwaben geführt. Er ist allerdings nicht sehr zuversichtlich, dass sich die Ankerdependance in Mering komplett verhindern lässt.

Unbedingt möchte er jedoch eine zeitliche Befristung bewirken. Der Stadt Donauwörth wurde die Auflösung des dortigen Ankerzentrums bis Jahresende zugesichert. Die Dauer der Meringer Außenstelle müsse an Donauwörth gekoppelt werden, fordert Tomaschko. Sprich: Sobald Donauwörth aufgelöst wird, soll auch die Ankerdependance in Mering geschlossen werden. Deswegen will Tomaschko daran arbeiten, ein Konzept zu finden, wo die Ankerzentren nach Donauwörth entstehen können. Seiner Ansicht nach wäre Kempten, das mit seiner Kaserne als Standort schon in der Diskussion war, wesentlich besser geeignet als ein Ort wie Mering. Kerngedanke der Ankerzentren sei es ja, die Kompetenzen an einem Ort zu bündeln, damit die Asylverfahren schneller abgewickelt werden. „Die Einrichtung von Außenstellen wie Mering widerspricht diesem Prinzip“, kritisiert er.

Menschen in Mering reagieren besorgt und ablehnend

Als örtlicher Abgeordneter haben sich bereits etliche Menschen wegen der Ankerdependance bei ihm gemeldet: Die Reaktionen waren durchwegs kritisch. Das deckt sich auch mit der massiven Resonanz in den sozialen Medien. Freudige Kommentare sind zwar auch darunter, die stammen jedoch durchwegs von Donauwörthern, die auf eine Entlastung in ihrem Heimatort hoffen.

Was das aktuelle Projekt für die Stimmung in Mering bedeutet, das bereitet der örtlichen Asylkoordinatorin Maureen Lermer größte Sorgen. Dank der sehr engagierten Helferkreise, sei es bisher gelungen die Integration der Flüchtlinge in der Marktgemeinde gut zu betreuen. Sie fürchtet, dass die Ablehnung des Ankerzentrums die Haltung gegenüber allen Menschen mit Migrationshintergrund beeinflussen könnte. Das würde die ohnehin nicht einfache Aufgabe der Flüchtlingshelfer weiter erschweren.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: „Mering bekommt ein Ankerzentrum für Flüchtlinge“ und den Kommentar: “Ankerzentrum mutet Mering viel zu“

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