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Flüchtlinge

08.03.2019

Ankerzentrum für Mering ist beschlossene Sache

Das Meringer Ankerzentrum in der Hörmannsberger Straße 18 (rechtes Gebäude) wird kommen.
Bild: Peter Stöbich

Die Regierung sieht keine Alternative zur umstrittenen Einrichtung in Mering. Diese soll weiter bestehen, wenn das Ankerzentrum Donauwörth aufgelöst wird.

Bis in den Flur hinaus standen die Zuhörer, als der Meringer Marktgemeinderat zum geplanten Ankerzentrum in der Hörmannsberger Straße 18 tagte. Schon vor dem Eingang verteilten Meringer Flugblätter, die zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen die geplante Einrichtung aufrief. Und auch aus den Reihen der Gemeinderäte schlug den zuständigen Behördenvertretern eine Woge der Skepsis und Ablehnung entgegen.

Wie berichtet, will die Regierung von Schwaben in dem umgebauten Bürogebäude, das ursprünglich einmal als Erstaufnahmeeinrichtung angemietet wurde, eine Außenstelle des Donauwörther Ankerzentrums mit bis zu 176 Flüchtlingen einrichten. Die Sitzung am Donnerstagabend sollte vor allem dazu dienen, die Gemeinderäte umfassend über das Vorhaben zu informieren. Dazu waren vor Ort: Josef Gediga, Vizepräsident der Regierung von Schwaben, Frank Kurtenbach, Leiter der schwäbischen Ankereinrichtungen, Simone Losinger, Leiterin der Ausländerbehörde am Landratsamt, Friedbergs Polizeichef Alexander Wagenpfeil sowie die Grünen Landtagsabgeordnete Christina Haubrich – Simone Strohmayr und Peter Tomaschko befanden sich im Urlaub.

Die Meringer Bürger hatten bei dieser Versammlung noch keine Gelegenheit die Fragen zu stellen, die ihnen auf dem Herzen liegen. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler kündigte jedoch bereits eine eigene Bürgerversammlung dazu an. Diese findet am Mittwoch, 27. März, in der Mehrzweckhalle statt. Auch dabei werden noch einmal alle Behördenvertreter vor Ort sein, um Auskunft zu geben.

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Bürgermeister: Mering als Standort für Ankerzentrum nicht geeignet

Bürgermeister Kandler stellte zu Beginn noch einmal seine Position klar: „Ich glaube nicht, dass wir der geeignete Standort sind“. Es fehle in vielerlei Hinsicht an der nötigen Infrastruktur. Mering habe keine eigene Polizei. Die Meringer Ärzte haben teilweise schon einen Aufnahmestopp und könnten keinesfalls die gesundheitliche Versorgung der Dependance-Bewohner übernehmen. Und auch die Ehrenamtlichen, die erfolgreich die dezentralen, kleineren Unterkünfte in Mering betreuen, würden mit dieser Großeinrichtung an ihre Grenzen geraten. „Bisher läuft es gut. Das wird nun gefährdet, wenn nicht sogar konterkariert“, kritisierte der Bürgermeister.

Die detailreichen Ausführungen von Josef Gediga, Vizepräsident der Regierung von Schwaben und seine Antworten auf den langen Fragekatalog der CSU-Fraktion ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass die Meringer Außenstelle eine beschlossene Sache ist. Donauwörth ist eigentlich auf 600 Personen ausgelegt und derzeit mit 800 belegt. Alle anderen Optionen seien mit den beiden Augsburger Dependancen und der gerade entstehenden in Neu-Ulm bereits ausgereizt. Ursache für die gestiegenen Belegungszahlen sei eine Gesetzes-Änderung im Asylrecht. Demnach müssen so genannte Dublin-Fälle – Flüchtlinge, die in einem anderen EU-Land erstmals registriert wurden - mit bis zu zwei Jahren statt zuvor einem halben Jahr länger in den Aufnahmeeinrichtungen verweilen. Dies führe dazu, dass dauerhaft mehr Kapazitäten in den Ankerzentren und ihren Dependancen gebraucht werden.

Keine Hoffnung auf schnelle Auflösung des Meringer Ankerzentrums

Damit zerstreute Gediga auch gleich die Hoffnung, dass Mering zeitgleich mit dem Donauwörther Ankerzentrum zum Jahresende aufgelöst werden könnte: „Mering ist jetzt eine Außenstelle von Donauwörth und genauso wird es eine Außenstelle des künftigen Ankerzentrums sein. Denn wo sollen die Menschen sonst hin?!“, erklärte er. Der Mietvertrag für das Anwesen in Mering läuft noch bis 2025. Für die Zeit danach gebe es derzeit noch keine Überlegungen.Sehr interessiert verfolgten die Zuhörer und Gemeinderäte auch die Ausführungen von Frank Kurtenbach, dem Leiter der schwäbischen Ankereinrichtungen. Demnach wird es wie in der vergleichbaren Unterkunft im Kobelweg Kriegshaber einen Sicherheitsdienst geben, der immer mit acht bis zehn Personen präsent ist und bei Problemen auch noch verstärkt werden könne.

Das ganze Areal wird mit einem überkletterungssicheren Zaun umgeben und es gibt Einlass- und Ausgangskontrollen.Angesprochen wurden auch die Ängste, dass es im Ort zu Schwierigkeiten mit den Bewohner kommt. Gediga sprach hier sehr offen, über schwierige Zeiten in Donauwörth, als die Bewohner vor allem aus Äthiopien und Gambia begannen, ihr Taschengeld in Alkohol zu investieren. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen sei es gelungen, die Probleme weitgehend zu lösen. Und auch in Mering werde man mit allen Beteiligten in Verbindung stehen und aktiv werden, wenn es Schweirigkeiten gibt. „Die allermeisten benehmen sich ordentlich“ versicherte Gediga. Er erklärte außerdem, dass keine Menschen aus Donauwörth nach Mering verlegt werden, die in der Vergangenheit schon auffällig geworden seien.Der genaue Zeitpunkt, wann die Anker-Dependance in Mering eröffnet, ist noch unklar. Laut Kurtenbach werde es sicher noch einige Monate dauern, bis man hier starten könne.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Ankerzentrum Mering: Stimmung droht zu kippen und den Artikel: „Mering soll ein Ankerzentrum für Flüchtlinge bekommen“.

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