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Kirche in Friedberg

07.03.2019

Anti-Missbrauchsgipfel erntet Kritik an der Kirchenbasis

Die Kinderschutzkonferenz in Rom hat bei vielen Katholiken große Erwartungen geweckt. Wie beurteilen Priester und Laien die Ergebnisse?
Bild: Alessandra Tarantino, dpa

Die Kinderschutzkonferenz im Vatikan sorgt für Kontroversen.Was Geistliche und Laien in und um Friedberg dazu sagen.

Die Kinderschutzkonferenz in Rom sollte eine Antwort sein auf die vielen Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche. Doch ihr Ausgang löst bei den Opfern und ihren Vertretern Enttäuschung aus. Wie schätzen Geistliche und Laien aus Friedberg und Umgebung den Gipfel ein und was soll ihrer Meinung nach getan werden?

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Nach Friedbergs Pfarrer Steffen Brühl hat Papst Franziskus bei den Bischöfen einen Perspektivwechsel angestoßen. Allerdings erfülle die Papstrede auch seine Erwartungen nicht. „Die Kirche hat als Institution versagt“, so Brühl. Ihn erfülle es mit Scham und Wut, dass besonders junge Menschen zu Opfern wurden. Das sei nicht das, wofür die Kirche stehe.

Ein eigenes Schutzkonzept in Friedberg

Eine konsequente Aufarbeitung der Fälle müsse mit unabhängigen, externen Kommissionen geschehen, die unbeschränkten Zugang zu allen Dokumenten haben müssten. Bischöfe sollten sich bei den Opfern persönlich entschuldigen und sie finanziell entschädigen. Außerdem müsse in jeder Pfarrei ein effektives Schutzkonzept umgesetzt werden, findet Brühl.

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Der Meinung ist auch Gabriele Muhr, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Friedberg. Die Konferenz trage zwar zur Sensibilisierung bei, allerdings sei noch unsicher welche Folgen daraus gezogen würden. Die Kirche mache den Eindruck, dass der Schutz der Institution Priorität habe. Aus Rom wünscht sie sich ein konsequentes Durchgreifen sowie internationale Maßstäbe, nach denen die nationalen Bischofskonferenzen ihre Aufgabe wahrnehmen.

Pfarrer Schwartz fordert harte Strafen

Thomas Schwartz, Pfarrer von St. Michael in Mering, hält eine Konferenz in dieser Größe für einen wesentlichen Schritt. Der Papst sehe die Missbrauchsfälle durchaus als ein gesamtkirchliches Problem an. Schwartz versteht jedoch, dass die Opfer vom Ergebnis frustriert sind. Der Seelsorger plädiert für eine „Null-Toleranz-Politik“. Priester, die ihre Schutzbefohlenen missbrauchen, haben ihr Amt nach Meinung von Schwartz verwirkt. Genauso hart müssen alle bestraft werden, die solche Taten verheimlichen. Dafür bedarf es die Zusammenarbeit von Kirche und Justiz. Wichtig sei es außerdem, dass Bischöfe sich weltweit treffen und Maßnahmen einleiten.

Für den Diakon Michael Popfinger aus Dasing waren die Ergebnisse der Konferenz nicht konkret genug. Das Grundproblem der Kirche sei ihre klerikale Machtstruktur, die überwunden werden müsse. Erst der Druck von Außen zwinge die Kirche zur Umstrukturierung. Sie solle sich wieder auf ihre Grundsätze besinnen und sich endlich öffnen. „Unsere Kirche ist nicht heilig, sie soll heilen“, betont er. Der Wandel müsse von unten kommen, denn die Kardinäle seien Teil des Systems. Um wieder Glaubwürdigkeit und Kontrolle zu schaffen, sollten aus seiner Sicht Akten und Archive der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zu lange um den heißen Brei geredet

Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Rehrosbach, Bettina Treffler, hat den Missbrauchsgipfel nicht verfolgt, denn es werde „schon viel zu lange um den heißen Brei geredet“. Sie hat den Eindruck, dass die Kirche mit konkreten Maßnahmen auf sich warten lasse. Zwar ist sie davon überzeugt, dass der Papst persönlich durchgreifen möchte, doch ihm seien die Hände gebunden. Von den Kirchen erhofft sie sich eine weitere Öffnung und die Rückbesinnung auf die Botschaft Christi.

Der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Kissing, Norbert Knaier, sieht die Konferenz positiv, nachdem jahrelang über das Thema geschwiegen worden sei. Es sei längst überfällig, dass die Kirche das Problem anerkenne und offen darüber spreche. Der Ausgang der Versammlung habe ihn nicht enttäuscht, denn die Kirche brauche Zeit, um sich zu ändern. Er findet es furchtbar, dass über Jahre hinweg Kinder missbraucht wurden. Ausgerechnet Priester hätten eine Vorbildfunktion. Eine Abschaffung des Zölibats ist seiner Meinung nach keine Lösung. Vielmehr solle auf Basis der Laien Kontrollmechanismen geschaffen werden.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht: Stadtpfarrei in Friedberg: Keine Chance dem Missbrauch

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