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Mering

05.06.2018

Anwohner in Mering ärgern sich über „Berliner Mauer“

Der Meringer Bauausschuss diskutierte gestern vor Ort über die Auffüllung eines Grundstücks an der Wallbergstraße.
Bild: Eva Weizengger

 Ein Meringer Baggerunternehmen füllt sein Gelände auf und will dort eine Lärmschutzwand errichten. Die Nachbarn fürchten nun erhebliche Einschränkungen

 Wohngebiete, die direkt an Gewerbeflächen angrenzen, sorgen in Mering immer wieder für Unstimmigkeiten zwischen den Nachbarn. Die Häuslebesitzer fühlen sich durch Lärm oder weniger ansprechende Gebäude beeinträchtigt. Gewerbetreibende dagegen klagen über Einschränkungen für ihren laufenden Betrieb. Im jüngsten Fall hat ein Meringer Baggerunternehmen eine Fläche in der Wallbergstraße aufgefüllt und will dort eine Lärmschutzwand errichten, um die Nachbarn vor unnötigen Belästigungen zu schützen. Diese zwei Meter hohe Mauer missfällt aber den Anliegern, die sich an die Gemeinde wandten. Bei einem Ortstermin begutachteten die Mitglieder des Meringer Bauausschusses die Situation.

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler erklärte: „Hätte er ein Gebäude auf das Gelände gestellt, wäre eine Auffüllung rein rechtlich ohne große Genehmigung möglich gewesen.“ Da der Unternehmer jedoch lediglich das Gelände mit Kies aufgefüllt habe und dort seine Fahrzeuge parke, sei er nun verpflichtet, für diese Aktion eine nachträgliche Baugenehmigung einzuholen. „Für den Zaun selbst braucht er, wenn er bei der Maximalhöhe von zwei Metern bleibt, keine Genehmigung“, informierte Kandler. Ludwig Ortlieb, Inhaber des Baggerbetriebs, schilderte beim Ortstermin seine Lage: „Ich wollte eigentlich den Nachbarn entgegenkommen, unnötigen Ärger vermeiden, und habe deshalb vor, diese Wand mit einer besonders lärmdämmenden Bauweise zu installieren.“

Die Anwohner dagegen fürchten, dass die Auffüllung die Fläche so verdichtet, dass in ihren Gärten bei einem heftigen Regenguss künftig das Wasser steht. Außerdem klagen sie über eine erhebliche Beeinträchtigung durch eine zwei Meter hohe Betonwand und bezeichnen diese Baumaßnahme als „Berliner Mauer“.

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Die Verwaltung ermittelte, dass auf einer Fläche von 1055 Quadratmetern eine Auffüllung von maximal 70 Zentimetern an der höchsten Stelle vorgenommen wurde. Bereits das Nachbargrundstück wurde vom Inhaber eines Autohauses aufgefüllt. Die Baggerfirma habe zuvor wie in einer Senke gelegen. Da es sich beim Auffüllmaterial weitgehend um Kies handele und auch mittig auf dem Grundstück ein Versickerungsschacht angelegt wurde, sei keine Problematik mit Niederschlagswasser für die Nachbargrundstücke zu sehen.

Im Bebauungsplan ist geregelt, dass die Art der Einfriedung mit der Genehmigungsbehörde und zusammen mit dem Markt Mering abzustimmen sei. „Über die Höhe können wir gemäß Bayerischer Bauordnung nicht sprechen, aber über das Material sehr wohl“, sagte Kandler.

In der Bauausschusssitzung äußerte sich Georg Resch (CSU) deutlich zur Situation: „Ich verstehe die Anwohner, die eine zwei Meter hohe Schallschutzwand sicher sehr einschränkt, doch auf der anderen Seite haben sie sehr wohl gewusst, dass sie, als sie ihre Grundstücke günstig erworben haben, direkt an ein Gewerbegebiet angrenzen.“ Es gebe keine rechtlichen Gründe, die für eine Ablehnung der Maßnahme sprächen. Für Götz E. Brinkmann (SPD/parteifrei) kam eine Ablehnung ebenfalls nicht infrage. Im Gegenteil, er lobte sogar den Unternehmer, der mit seiner Lärmschutzwand zum Wohle der Nachbarn handele.

Zudem gab er zu bedenken: „Die Anwohner haben doch selbst hohe Gartenzäune, Sichtschutzwände und eine mehr als zwei Meter hohe Hecke errichtet, was stört sie da eine Lärmschutzwand?“

Klaus Becker (Grüne) sprach sich für eine Genehmigung der Auffüllung aus. „Die ‚Berliner Mauer‘ trage ich aber nicht mit, denn ich sehe hier keinen wirksamen Schallschutz gegeben.“ Markus Enzensberger (CSU) hoffte auf Gesprächsbereitschaft unter den Nachbarn: „Ich sehe hier doch, dass sowohl Anwohner wie auch der Unternehmer einen Schritt aufeinander zugehen könnten.“ Wenn die Anwohner nicht geschützt werden wollten, so könne der Baggerbetrieb doch auf eine teure Lärmschutzwand auch verzichten.

Auch Bürgermeister Kandler appellierte an den Antragsteller: „Rein rechtlich können wir den Zaun nicht verhindern, aber vielleicht denkt der Baggerunternehmer noch einmal darüber nach.“ Es sei ja ein erster Schritt zu einer guten Nachbarschaft, die ja schon zuvor „etwas getrübt“ gewesen sei.

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