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Sanierung in Dasing

08.11.2019

Anwohner sollen bis zu 95.000 Euro zahlen: Neuer Ärger an der Waldstraße

Die Anwohner der Waldstraße im Dasinger Ortsteil Lindl sollen insgesamt rund 470000 Euro zur offiziellen „Erschließung“ beitragen. Allerdings existierte bereits seit Jahren eine voll ausgebaute Fahrbahn. Zur Eröffnung waren die Betroffenen nicht eingeladen.
Bild: Tom Trilges

Plus Die Anwohner der Waldstraße im Dasinger Ortsteil Lindl sollen für die Sanierung der Fahrbahn tief in die Tasche greifen, werden aber nicht einmal zur Eröffnung eingeladen.

Die Bewohner der Waldstraße im Dasinger Ortsteil Lindl sind gerade nicht besonders gut auf die Gemeinde zu sprechen. Der Grund: Diese will sie kräftig zur Kasse bitten. Bis zu 95.000 Euro sollen Privatpersonen für die Sanierung der Fahrbahn bezahlen, die offiziell eine Neuerschließung ist. In der vergangenen Woche fand dann die Eröffnung der Straße statt. Und wieder gibt es neuen Ärger: Keiner der Betroffenen erhielt eine Einladung. Dasings Bürgermeister Erich Nagl verteidigt diese Entscheidung.

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Anwohner der Waldstraße wollten zu Eröffnung kommen

„Wir sind natürlich sehr interessiert an den Entwicklungen. Deswegen wäre es schon anständiger gewesen, man hätte uns Bescheid gegeben“, sagt Anwohner Michael Frank. Er spricht für die Interessen der Bewohner in der Waldstraße. „Ich wäre da gerne dabei gewesen“, betont auch Monika Theilacker, die in Lindl lebt und die Vorgänge in der Waldstraße seit Jahren verfolgt. „Aber uns hat ja niemand informiert.“ Mit „uns“ meint sie auch alle anderen Leute, die von den Arbeiten an der Waldstraße direkt oder indirekt betroffen sind. Aus Sicht von Theilacker vermittelt das Handeln der Gemeinde aufgrund der Vorgeschichte einen „seltsamen Eindruck“. Über eine lange Dauer hatte sich nämlich ein Konflikt mit den Anwohnern aufgebaut, der demnächst sogar juristisch ausgetragen werden könnte. Doch was war genau passiert?

Die Dasinger Lokalpolitik beschloss vor Jahren, die Waldstraße in Lindl nicht länger als Außen-, sondern als Ortsinnenbereich zu deklarieren – bis auf zwei Grundstücke im östlichen Teil. „Wir waren strikt dagegen und auch mit rund 15 Leuten im Gemeinderat, um das zu verhindern“, sagt Monika Theilacker.

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Anwohner der Dasinger Waldstraße sollen zahlen

Denn die Folgen des Beschlusses sind gravierend: In Innenbereichen ist zum Einen grundsätzlich Bebauung möglich. Darüber hinaus gilt die Sanierung der Fahrbahn durch den Schritt nicht mehr als solche, sondern als die Erschließung einer neuen Straße. Vorher hat offiziell nur ein Feldweg existiert. Dem widerspricht Michael Frank: „Es war bereits alles vorhanden, was man in jeder richtigen Straße hat – inklusive Beleuchtung, Strom und Internet.“ Die Gemeinde hat jedoch nun das Recht, Beiträge zum Bau von den Bewohnern einzuziehen.

Und genau das tut sie: Insgesamt 470.000 Euro werden wohl auf die wenigen Privatpersonen umgelegt, die in der Waldstraße wohnen – pro Kopf bedeutet das zwischen 30.000 und 95.000 Euro. Das Rentnerehepaar Heinrich und Martha Stöckl muss zusammen nach eigenen Angaben 87.000 beisteuern und sagt: „So viel Geld besitzen wir beim besten Willen nicht.“ Die Gesamtkosten der Maßnahme betragen 1,4 Millionen Euro, auch die ansässigen Firmen müssen zahlen. Dasings Bürgermeister Erich Nagl bekräftigte allerdings schon vor Wochen: „Dieser Schritt ist im Satzungsrecht festgelegt. Wir müssen uns daran halten, um keine rechtlichen Probleme zu riskieren.“

Kosten für Waldstraße in Dasing stark gestiegen

Auseinander gehen die Meinungen darüber, wie die Kommunikation mit den Betroffenen gelaufen ist. Nagl betont, der Gemeinde sei es ein Anliegen gewesen, frühzeitig für Klarheit zu sorgen. Friedrich Helfer aus der Waldstraße berichtet aber: „Es gab schon in der Vergangenheit Treffen zwischen Gemeinde und Anliegern. Anfangs sprach man allerdings davon, dass wir nur gut 16.000 Euro zahlen müssen.“

Mittlerweile steht ein Betrag von 33.000 Euro zu Buche. Nagl erklärt die Steigerung mit zusätzlichen Arbeiten, die dazugekommen seien. Er verweist jedoch zudem auf positive Effekte für die Besitzer: Die Grundstücke hätten nun einen höheren Wert, weil das Gebiet offiziell Bauland ist. Das erkennt auch Anwohner Michael Frank an.

Klagen Anwohner gegen die Gemeinde Dasing?

Geklärt ist die Situation in der Waldstraße dennoch bis heute nicht: Die endgültigen Bescheide mitsamt der Zahlungsaufforderung sollen Anfang kommenden Jahres an die Bewohner verschickt werden. Widersprüche muss dann erst der Gemeinderat und bei Ablehnung die Rechtsaufsicht des Landratsamts prüfen. Sollten beide Instanzen ablehnen, wäre nur noch der Rechtsweg möglich. Anwohnersprecher Frank schließt nicht aus, diesen auch zu beschreiten, will aber zunächst die genauen Konditionen für die einzelnen Betroffenen abwarten: „Die Gemeinde macht auch nur ihre Arbeit und bisher ist uns kein Schaden entstanden. Aber eine Prüfung des Sachverhalts werden wir wahrscheinlich einleiten, um Klarheit zu haben.“ Wenn das Gesetz so sei, müsse man dies aber Wohl oder Übel akzeptieren.

Auf eine erneute Anfrage unserer Redaktion lässt Bürgermeister Erich Nagl hierzu mitteilen, die Gemeinde habe bewusst auf Einladungen verzichtet, da die genauen Endsummen für die einzelnen Betroffenen noch nicht feststünden. Er ging nach eigener Aussage davon aus, dass es dadurch bei dem Eröffnungstermin nur zu weiteren Diskussionen gekommen wäre – jedoch ohne eine belastbare Gesprächsgrundlage.

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08.11.2019

Dann wage ich mal zu behaupten dass der vorherige Artikel zur Eröffnung der Waldstraße nicht recherchiert war sondern einfach nur Stimmungsmache. Dort wurde noch behauptet dass die Anwohner "aus Protest" der Eröffnung ferngeblieben waren. Kann ja so dann nicht stimmen.

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