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Kultur

31.01.2017

Arabisch als Fremdsprache boomt

Nachhilfe im Cafe (von rechts): Lehrer Hothaefa Al-Sheik erklärt seinen Schülern Markus Franz aus Kissing und Hubert Biallowons aus Mering arabische Verbformen. Das erfordert Sitzfleisch.

Auch in Friedberg gibt es einen Kurs. Bis zur Prüfung hält jedoch nur jeder Dritte durch. Was den Lehrer und seine Schüler antreibt.

 Mit der arabischen Sprache ist es ein bisschen wie mit der Liebe: Sie ist süß und schmerzhaft zur selben Zeit. Süß, wenn man im arabischen Lebensmittelladen auf ein As-sallamu alaikum, (der Friede sei mir dir) ein breites Lächeln erntet. Schmerzhaft wird es unter Umständen schon, wenn man das Grammatikbuch aufschlägt.

Der 22-jährige Markus Franz aus Kissing ist einer der Kursteilnehmer, die dafür jeden Donnerstagabend in die Friedberger Realschule kommen. Er gehört zum „harten Kern“, wie der Grundschulstudent grinsend betont – den drei von neun Schülern, die bis zur Prüfung durchgehalten haben.

Der Lehrer stammt aus Syrien

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Lehrer des Volkshochschulkurses ist der aus Syrien stammende Hothaefa Al-Sheik. Ihn wundert es nicht, dass auf dem Weg einige seiner Schäfchen aufgeben mussten. Denn schon das Erlernen des Alphabets ist für viele eine große Herausforderung. Anders als die deutsche Sprache zählt Arabisch zu den semitischen Sprachen. Sie wird nicht nur von rechts nach links geschrieben, die 28 Buchstaben des arabischen Alphabets haben kaum Ähnlichkeiten mit den vertrauten Lateinischen.

Es schaut ein bisschen wie Kunst aus, wenn Student Markus Franz daheim am Küchentisch sitzt und die geschwungenen Buchstaben auf seine Karteikarten malt. „Wie kannst du denn darin etwas erkennen?“, fragen dann seine Familienmitglieder ungläubig. „Am Anfang konnte ich das auch nicht“, sagt der angehenden Grundschullehrer lachend, „mittlerweile können wir jedoch einfache Texte lesen und schreiben.“

Fasziniert von Ägypten

In den Kurs gelockt hatten ihn die Erwartungen an das herannahende Berufsleben: „In Zukunft werden in meiner Klasse auch Kinder aus arabischen Ländern sitzen.“ Einige begrüßende Worte auf Arabisch könnten hierbei schon Eisbrecher sein. Auch regelmäßige Urlaubsreisen nach Ägypten, die Faszination für die legendenumwobene Kultur oder der Wunsch, mit den neuen syrischen Nachbarn ins Gespräch kommen zu können, führten Reisende und Flüchtlingshelfer in Al-Sheiks Kurs.

Der 30-Jährige, der 2014 selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, unterrichtete zuvor in der Stadt Ar-Raqqa im Norden Syriens Englisch. Im Vhs-Kurs in Friedberg bringt er nun seinen Schülern Hocharabisch bei, das Arabisch, das auch an den Schulen und Universitäten gelehrt wird und im Koran, in Büchern und Zeitungen geschrieben steht. Auch wenn es einfacher ist, einen Dialekt zu lernen, rät er davon ab: „Nicht nur in jedem arabischen Land, sondern auch in den Städten gibt es einen eigenen Dialekt. Wer unseren Dialekt im Osten lernt, versteht die Menschen im Westen nicht.“

Schwierige Aussprache

Von dem Mut, seine Muttersprache zu lernen, ist Al-Sheik beeindruckt: „Am meisten quälen sich deutsche Muttersprachler mit der Aussprache.“ Fast allen Schülern bereite das arabische „Ain“ Probleme, ein Reibelaut, bei dem die Muskeln im Schlund aneinandergepresst werden müssen. „Das kann bis jetzt noch niemand richtig aussprechen.“ Wer sich nicht täglich mit Vokabeln oder der komplizierten Grammatik auseinandersetzt, die selbst Muttersprachler nur selten perfekt beherrschen, riskiert schnell, den Anschluss zu verlieren.

Dennoch, ein langer Atem wird belohnt: „Beherrscht man die Sprache gut, kann man anfangen, Gedichte zu lesen. Wir haben wunderschöne arabische Poesie.“ Wer arabisch spricht, werde außerdem in den 22 Ländern der Welt verstanden. Die vielen arabischstämmigen Flüchtlinge in Deutschland sieht Al-Sheik für Lernende als Chance, vor Ort mit Muttersprachlern ins Gespräch zu kommen - und das, ohne sich dafür in ein Flugzeug setzen zu müssen.

Der Kissinger Markus Franz will nicht locker lassen und plant nach seinem Examen weiter Arabisch zu lernen. Nach drei Monaten Kurs kann sich der Student bereits auf Arabisch vorstellen, Brot kaufen und nach der Uhrzeit fragen. Zum Durchhalten motiviert Lehrer Hothaefa Al-Sheik mit dem Sprichwort „wer ernten will, muss säen“, einer Redewendung, die auch im arabischen Raum bekannt ist. Wie in der Liebe gilt: manchmal darf man eben nicht aufgeben.

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