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07.02.2009

Arbeit inmitten explosiver und giftiger Stoffe

Gersthofen Futuristisch sieht Feuerwehrmann Karl-Heinz Bader in seinem hellgrünen Vollschutzanzug aus. Jede Bewegung ist für den Gefahrstoffexperten in dem engen Behälter beschwerlich. Als er den Schlüssel ansetzt, um eine Schraube zu lösen, rutscht er ab, beim zweiten Versuch gelingt es. Er trägt Stoffhandschuhe, darüber den eigentlichen Chemikalien-Schutzanzug und darüber noch einmal schwarze Schutzhandschuhe. Auf seinem Rücken hat er eine mit 1800 Litern gefüllte Atemluftflasche, deren monotones Zischen bedrohlich wirkt.

"Jetzt hätte er noch etwa fünf Minuten, dann muss er da raus", erklärt Brandinspektor und Werksfeuerwehrleiter Andreas Schnepp. Etwa 25 Minuten reicht die Luft. Für den Einsatz sind 15 Minuten eingeplant und für die anschließende Grobreinigung im aufgebauten Dekontaminationszelt zehn.

Diesmal ist es nur eine Übung der Werksfeuerwehr des Industrieparks Gersthofen, doch schnell kann es ernst werden. Kürzlich rückten die Feuerwehrmänner zur Unterstützung der Augsburger Kollegen aus. Hunderte Quecksilberkügelchen mussten eingesammelt werden. "Die Kollegen haben angefragt, ob wir helfen. Wir verfügen über das spezielle Bindemittel, das zur Aufnahme von Chemikalien nötig ist, und haben die Entsorgungsmöglichkeiten", so Schnepp.

Die Wehr ist rund um Augsburg Ansprechpartner Nummer Eins, wenn es um Gefahrstoffe geht. Der Radius, in dem sie bei Unfällen werden, bewegt sich bei etwa 50 Kilometern rund um Augsburg.

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Im Ernstfall werden alle anwesenden Feuerwehrleute alarmiert, sechs Mann rücken sofort aus. Zu einem größeren Einsatz mussten sie beispielsweise im September 2008 auf der B 25 bei Harburg (Nähe Donauwörth) ausrücken. Ein Lastzug, beladen mit Ethanol, hatte eine Kurve unterschätzt und war umgekippt. Die geeigneten Transporter zum Umpumpen von Flüssigkeiten müssen von Spezialfirmen angefordert werden. "Wir haben acht bis zehn Firmen, die wir in so einem Fall anrufen können", so Schnepp. Je nach Chemikalie müssen es auch besondere Lkw sein. Bei Salzsäure zum Beispiel können keine Stahltanks verwendet werden, und Lösemittel fressen sich sogar durch Gummimäntel.

Undurchschaubare Handelsnamen der Produkte

Ein zunehmendes Problem stellt auch die Kommunikation mit Fahrern aus Osteuropa dar, aber auch die Handelsnamen der Produkte, die in den Ladepapieren angegeben sind. "Die Stoffbezeichnungen der Chemikalien sind bekannt, aber ich hatte es vor Kurzem mit einem Stoff zu tun, den ich gar nicht einschätzen konnte. Ein Kollege gab mir den entscheidenden Tipp: Der Name klinge nach einem Produkt von Henkel. So war es dann auch", erläutert Schnepp. Dabei handelte es sich um wasserlösliches Öl.

Im Jahr rücken die Brandschützer des Industrieparks etwa zehn Mal extern aus, um zu helfen. Im Industriepark werden pro Jahr 130 bis 150 Einsätze gezählt. Der Großteil davon sind Fehlalarme oder Arbeiten wie das Beseitigen einer Ölspur, vereinzelt auch die Erstversorgung bei Unfällen.

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