Newsticker

Nach Trumps Wahlkampfauftritt steigen die Corona-Fälle in Tulsa
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Arbeit zwischen Säure und Quecksilber

06.02.2009

Arbeit zwischen Säure und Quecksilber

Gersthofen Futuristisch sieht Gefahrstoffexperte Karl-Heinz Bader in seinem hellgrünen Vollschutzanzug aus. Jede Bewegung ist für den Feuerwehrmann in der Übungsanlage beschwerlich. Als er den Schlüssel ansetzt, um eine Schraube zu lösen, rutscht er ab, erst beim zweiten Versuch gelingt es. Er trägt Stoffhandschuhe, darüber den Chemie-Schutzanzug und darüber noch einmal schwarze Schutzhandschuhe. Auf seinem Rücken hat er eine mit 1800 Litern Atemluft gefüllte Flasche, deren monotones Zischen bedrohlich wirkt. "Jetzt hätte er noch etwa fünf Minuten, dann muss er da raus", erklärt Brandinspektor und Werksfeuerwehrleiter Andreas Schnepp. Etwa 25 Minuten reicht die Luft. Für den Einsatz sind 15 Minuten eingeplant und für die anschließende Grobreinigung im Dekontaminationszelt weitere zehn.

Diesmal ist es nur eine Übung der Werksfeuerwehr des Industrieparks Gersthofen (Kreis Augsburg), doch schnell kann es ernst werden, so wie kürzlich. Da rückten die Feuerwehrmänner zur Unterstützung der Augsburger Kollegen aus. Hunderte Quecksilberkügelchen mussten in Pfersee eingesammelt werden (wir berichteten).

"Die Kollegen haben angefragt, ob wir helfen. Wir verfügen über ein spezielles Bindemittel", so Schnepp. Die Wehr ist die einzige ihrer Art im Raum Augsburg und rückt bei Unfällen im 50-Kilometer-Umkreis aus. Im Ernstfall werden alle Feuerwehrleute alarmiert, und sechs Mann rücken sofort aus. Zu einem größeren Einsatz mussten sie beispielsweise im September auf der B 25 bei Harburg (Nähe Donauwörth). Ein Lastzug, beladen mit Ethanol, war in einer Kurve umgekippt. Je nach Chemikalie müssen zur Entsorgung besondere Lastwagen angefordert werden. Bei Salzsäure können keine Stahltanks verwendet werden, und Lösemittel fressen sich sogar durch Gummimäntel in den Tanks.

Im Jahr rücken die Brandschützer des Industrieparks etwa zehn Mal aus, um vor Ort zu helfen. Im Industriepark werden pro Jahr 130 bis 150 Einsätze gezählt. Der Großteil davon sind Fehlalarme oder Arbeiten wie das Beseitigen einer Ölspur, vereinzelt auch die Erstversorgung bei Unfällen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren