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Friedberg/Aichach

08.07.2019

Baderegeln auf Urdu und Schwäbisch

Nach dem Badeunfall im Friedberger See ist die Notwendigkeit von Schwimmkursen für Asylbewerber und deren Kinder wieder ins Blickfeld gerückt. Im Wittelsbacher Land gibt es ab Herbst neue Kurse. (

 Ein Syrer wäre beinahe im Friedberger See ertrunken, weil er nicht richtig schwimmen kann. Da stellt sich die Frage: Gibt es noch Schwimmkurse für Asylbewerber?

Immer wieder ertrinken Flüchtlinge in Baggerseen. Erst kürzlich retteten Schwimmer in Friedberg einen Syrer vor dem Ertrinken. Die Polizei vermutet, dass der Mann nicht gut genug schwimmen konnte. Der 21-Jährige wurde zur Untersuchung in die Uniklinik geflogen. Die Asylhelfer kennen das Problem. Hilfe bietet die Internetseite www.asyl-wittelsbacherland.de (Rubrik Schwimmkurse). Es finden sich unter anderem Informationen dazu, wohin sich Nichtschwimmer wenden können, um Unterstützung zu erhalten. Auch Baderegeln in 26 Sprachen von Afghanisch bis Ungarisch gibt es.

Der Landkreis selbst hat aktuell keine Kurse geplant, aber Organisationen wie die Wasserwacht bieten Kurse an. Aber erst wieder im Herbst. „Die Kurse bei uns finden immer im Herbst und dann wieder im Frühjahr statt“, sagt Rainer Heinl von der Wasserwacht. Ausgeschrieben ist ein Kurs für Erwachsene, den aber Asylbewerber ebenso besuchen können. Nancy Rose-Steidle, Vorsitzende der Wasserwacht in Aichach, informiert: „Asylbewerber können gerne alle ausgeschriebenen Kurse besuchen. Sie müssen bloß einen Antrag auf Kostenübernahme beim Landratsamt stellen, was meistens zügig behandelt wird.“

Rose-Steidle erinnert sich an zwei Schwimmkurse in den Jahren 2017 und 2018, die die Wasserwacht Aichach zusammen mit dem Landratsamt angeboten hatte: „Woran ich mich sehr gerne erinnere, die Flüchtlinge, Jugendliche von der Berufsschule zwischen 16 und 18 Jahren, waren froh und dankbar, dass sie einen Schwimmkurs besuchen dürfen.“ Sprachprobleme beim Training hätte es zwar gegeben, aber diese wurden mit Händen, Füßen und Bildern aus der Welt geschafft.

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„Das Projekt bereichert uns alle. Wenn man richtig schwimmen kann, vermeidet man erstens Gefahrenquellen. Und zweitens kommt man bei den Kursen ins Gespräch und erfährt viel über die Jugendlichen. Wir verbinden jetzt persönliche Schicksale mit den Nachrichten, die wir im Fernsehen sehen“, sagt Rose-Steidle. Zwar gebe es auch Menschen, die sich beschweren, dass Flüchtlinge kostenlose Schwimmkurse erhalten, man selbst für den Nachwuchs aber zahlen müsse. Doch alle hätten die Möglichkeit, beim Landratsamt den Antrag auf Kostenübernahme zu stellen, so Rose-Steidle.

Kinder von Asylsuchenden werden in Anfängerkurse integriert

Freiwilligenkoordinatorin Marina Lovric vom Landratsamt bestätigt die Antragsmöglichkeit. Das sogenannte Bildungs- und Teilhabeprogramm mache möglich, dass die Kostenübernahme ganz einfach auf einem Formblatt gestellt werden könne. Die Flüchtlings- und Integrationsberatung hilft sogar beim Ausfüllen. Lovric weist aber darauf hin, dass jeder an diesem Programm teilhaben könne. „Gerade für Kinder ist es sehr wichtig, schwimmen zu lernen.“ Sie warnt davor, dass Menschen, die nicht gut schwimmen können, in Flüssen baden oder in Seen schwimmen. Auch sei es wichtig, die Geflüchteten zu ermahnen, nicht ins tiefe Wasser zu gehen und sich beispielsweise nicht auf eine Luftmatratze zu legen und abzutreiben. Einen wichtigen Hinweis hat Lovric aber noch in Bezug auf Ehrenamtliche, die selbstständig Schwimmkurse anbieten. Hier übernehmen sie auch die private Haftung. Deshalb rät die Fachfrau davon ab.

Auch die Schwimmabteilung des TSV Friedberg bietet keinen expliziten Schwimmkurs für Asylbewerber an. „Wir integrieren vor allem Kinder bis zwölf Jahre in unsere Anfängerschwimmkurse am Montag (da sind die Sprachbarrieren nicht so groß, da Kinder viel nachmachen und weniger Angst haben). Für Erwachsene gibt es gerade keine Anfragen“, sagt Susanne Spaar von der Schwimmabteilung. Sie kenne aber die Gefahren in Badeseen, in denen es öfter eine Untiefe gibt, bei der man den Kontakt zum Boden verliere. Panik sei dann absolut falsch am Platze, da sich dann die Muskeln verkrampfen und man eher untergeht. Dann wirke der Körper nämlich wie ein Stein. Wer sich dagegen im Wasser entspannen könne (auch wenn das in einer lebensbedrohlichen Situation sehr schwierig ist), könne mit nur wenig Bewegung an der Wasseroberfläche bleiben.

Lustige Aufforderungen haben ernste Hintergründe für die Kursteilnehmer

Baderegeln in verschiedenen Sprachen finden sich auf der Seite der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG: www.dlrg.de. Hier findet der Schwimminteressierte alle Sprachen von Afghanisch und Chinesisch über Hindi und Russisch bis hin zu Plattdeutsch und Schwäbisch. Hinter den lustigen Aufforderungen wie „Gang blos zom bada, wenn’s dr guad goad“ oder „Schrei nia om Hilfe, wenn da net wirklich en Gfahr bisch, aber hilf andre, wenn se Hlfe brauchad“ stecken aber ernste Hintergründe. Sie können sogar Leben retten.

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