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Persönlichkeit in Baindlkirch

02.05.2018

Baindlkircher Autor schöpft aus seinem Leben

Siegfried Weidinger berichtet in seinem Buch von den  Erlebnissen als Rettungssanitäter.
Bild: Christine Hornischer

Siegfried Weidinger ist Gründer der Brettlbühne und Verfasser mehrerer Theaterstücke sowie Bücher. Nicht nur in seinen Werken verlässt er sich auf den Wink des Schicksals.

Wenn es ihm mal wirklich zu viel wird, dreht Siegfried Weidinger sein Autoradio voll auf. Er liebt Schlager: „Denn das ist meine Zeit“, sagt der 67-Jährige. Er ist Buchautor, Gründer der Boandlkircher Brettlbühne, Autor mehrerer Theaterstücke, Regisseur, Rettungssanitäter und – nicht zu vergessen – im Hauptberuf Versicherungskaufmann. Ein Mann mit vielen Talenten also.

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Unter Beweis gestellt hat er sein Schreib- und Regietalent erst jüngst bei der Premiere seines Dreiakters „Willi Winzig“ im Gasthof Giggenbach. Die Boandlkircher Brettlbühne, die das Stück zeigte, war vor 23 Jahren von Siegfried Weidinger gegründet worden - noch bevor er selbst in den Ort zog, „weil ich beim Vorbeifahren für mich bemerkte, dass da eine Heimatbühne fehlt.“

Und richtig: Wenn Weidinger die Brettlbühne damals nicht gegründet hätte, würde etwas fehlen. Und den vielen Besuchern stünden nicht wieder und wieder Lachtränen in den Augen. Dabei hat Autor Weidinger auch das aktuelle Stück direkt „aus dem Leben“ geschrieben. Schließlich war er nach der Trennung von seiner Frau wie sein Protagonist Willi Winzig auch alleinerziehender Vater dreier Töchter. „Damals sagte mir ein Familienrichter wortwörtlich: Ein Mann kann keine Kinder erziehen.“ Siegfried Weidinger bewies das Gegenteil. „Wenn ich heute so zurückblicke, erfüllen meine Kinder mich mit dem größten Stolz“, sagt Weidinger, der mittlerweile auch schon Großvater ist.

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Geboren wurde er in Berlin, hatte aber „so viel Charakter, mit drei Monaten nach Bayern zu kommen.“ Den Beruf des Versicherungskaufmannes verdankt er dem Zufall. „Ich konnte meinen erlernten Beruf des Feinmechanikers aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben“, erzählt er. Dann sei eines Tages sein Versicherungsvertreter vorbeigekommen. Auf ein eher zufällig dahingeworfenes „Hast an Job für mi?“ wurde ein Beruf.

Beim Rettungssanitäter hatte wieder Meister Zufall seine Hand im Spiel. „In der Schule konnten wir Physikstunden sparen, indem wir einen Erste-Hilfe-Kurs belegten“, erinnert sich der jetzige Baindlkircher. „Der Kursleiter machte damals Werbung, dass die Johanniter noch Freiwillige brauchten. Das interessierte mich.“

Bis 1978 blieb Weidinger bei den Johannitern, dann wechselte er zum BRK, um dort eine Jugendgruppe aufzubauen. Und auch das Stücke-Schreiben kam durch einen Zufall: „Bei den Johannitern machte man mich für einen Bunten Abend verantwortlich. Beim Organisieren merkte ich, wie viel Spaß mir das macht.“ Bald griff der Mann, der „jede Sekunde gelebt hat“, die Bunten Abende auch bei seiner Versicherung auf. Übers Jahr schrieb er die kleinen Bosheiten und Missgeschicke seiner Versicherungs-Kollegen auf, um sie dann in seiner Festrede als Bruder Barnabas zum Besten zu geben.

In eine ganz andere Wortwelt taucht Siegfried Weidinger mit seinem Buch „Mit Blaulicht und Horn“ ein. Als „Sani“ mit jahrelanger Erfahrung berichtet er in diesem Buch von seinen Erlebnissen im Einsatz. Und diese langjährige Erfahrung spürt man in jeder Episode, wie gravierend, ungewöhnlich, entsetzlich oder auch witzig sie sein mag. Das Taschenbuch, das der 67-Jährige vor vier Jahren geschrieben hat, gibt auf eindrucksvolle Weise wider, was den Alltag dieser überaus wichtigen Helfer ausmacht, welche Belastungen sie ertragen müssen, und wie man ihnen die Arbeit auch ein bisschen erleichtern kann. „Blut, Kummer, Leid, alles das, was Patienten und ihre Angehörigen erleiden müssen, all das erlebt ein Rettungssanitäter mit und soll es wegstecken können, immer wie eine Maschine funktionieren - geht das?“ fragt der Baindlkircher in seinem Buch.

Natürlich ist es Weidinger nicht leichtgefallen, all die Bilder und Szenen, die er gesehen und erlebt hat, wegzustecken. „Da hilft eine gesunde Portion schwarzer Humor“, grinst der Mann der 105 Jahre und ein halbes alt werden will. „45 Jahre hab ich in die Rente einbezahlt, dann will ich sie auch genau so lang erhalten“, begründet er sein Ziel.

Gerne engagiert wird er für Geburtstagsfeiern. Ein Klassiker ist sein Auftritt als „Schorsch“ beim „Dinner for one“. Dabei erinnert er sich an eine nette Gegebenheit. „Beim Stück saßen zwei alte Männer und eine Frau da und lachten, dass ihre Augen ganz geschwollen waren.“ Später stellte sich heraus, dass die Frau eine Freifrau Gräfin Wilhelmine von Lüdenscheidt ist - genau wie in dem bayrischen „Dinner for one“ die Miss Sophie. Eine weitere Spezialität bei Feiern ist die Rolle als Boandlkramer beim „Brandner Kasper“. Letzterer liest bei diesen Gelegenheiten natürlich eine speziell aufs Geburtstagskind gemünzte Sündenlitanei.

Und natürlich hat Siegfried Weidinger auch schon wieder eine aktuelle Eigenproduktion in Arbeit. Ein Buch über Hunde soll es werden, in dem der Vierbeiner selbst erzählt.

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