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Kliniken an der Paar

20.09.2018

Bald keine Geburten mehr in Friedberg?

Rund 700 Kinder kommen jedes Jahr im Friedberger Krankenhaus zur Welt. Steht die Entbindungsstation trotzdem vor dem Aus?
Bild: Waltraud Grubitzsch (Symbolbild)

Die Belegärzte wollen die immer höheren Haftpflichtprämien nicht mehr alleine bezahlen. Dem Krankenhaus sind jedoch die Hände gebunden.

Die Geburtshilfe am Aichacher Krankenhaus war während des Sommers geschlossen – kommen bald auch in Friedberg bald keine Kinder mehr zur Welt? Diese Sorge geht unter Frauen um, die sich derzeit auf ihre Entbindung vorbereiten. Denn die als Belegärzte tätigen Gynäkologen sind offenbar nicht bereit, auf Dauer die hohen Beiträge für die Berufshaftpflicht allein zu bezahlen. 40000 bis 55000 sind pro Jahr fällig – mit stetig steigender Tendenz.

Mit rund 700 Entbindungen pro Jahr gehört das Friedberger Krankenhaus zu den führenden Geburtskliniken der Region. Erst vor Kurzem kam das 500. Baby zur Welt. Dennoch gibt es Gerüchte über ein bevorstehendes Aus: Eine werdende Mutter wandte sich an unsere Zeitung und berichtete, dass von einer Schließung bereits zum Januar nächsten Jahres die Rede sei. „Müssen wir alle jetzt zur Entbindung nach Augsburg fahren?“, lautet ihre bange Frage.

Klinik-Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak gibt Entwarnung: „Uns liegt aktuell keine Kündigung eines Belegarztes vor.“ Er räumt allerdings ein, dass es tatsächlich Probleme mit der Haftpflichtversicherung für die Frauenärzte gebe. Seit Jahresanfang bemühe man sich, mit dem Landkreistag und dem bayerischen Sozialministerium zu klären, wie eine rechtlich einwandfreie Lösung aussehen könnte. Landrat Klaus Metzger hat sich deswegen bereits an Ministerin Melanie Huml gewandt, bislang aber noch keine Antwort bekommen.

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Hintergrund sind die neu eingeführten Vorschriften gegen Korruption im Gesundheitswesen, die es den Kliniken nicht mehr erlauben, den Belegärzten Beihilfen zu zahlen und ihnen so einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Während für die Hebammen bis zu 60 Prozent der Versicherungsprämien erstattet werden können und die Klinik auch die Versicherung für die angestellten Ärzte übernimmt, gehen die niedergelassenen Mediziner bislang leer aus. Die Folge: Jeder der drei Gynäkologen, die als Belegärzte am Friedberger Krankenhaus tätig sind, müssen zunächst einmal 120 Entbindungen leisten, um das Geld für die Versicherung zu erwirtschaften. Erst dann beginnen sie, Geld für ihre Praxis zu verdienen.

Das wollen die Mediziner auf dauer nicht mehr hinnehmen, bestätigt Klinik-Chef Kazmierczak. Denn die Prämien steigen angesichts „horrender Entschädigungen“, die den Opfern ärztlicher Fehler gezahlt werden, von Jahr zu Jahr. Da ohnehin nur noch zwei Gesellschaften solche Versicherungen anbieten, besteht faktisch auch kein Wettbewerb.

Kazmierczak hofft, dass im Rahmen des Förderprogramms Geburtshilfe die Haftpflichtprämien übernommen werden können. „Leider wurde aber die Förderrichtlinie noch nicht veröffentlicht. Nach den Information, die wir erhalten haben, wird sie voraussichtlich erst Ende Oktober 2018 publiziert“, berichtet er. Im bislang vorliegenden Entwurf gebe es jedoch keine Klärung.

Sich einfach über die Bestimmungen des Anti-Korruptionsgesetzes hinwegzusetzen, das hätte nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch finanzielle Folgen für die Kliniken an der Paar: Andere Krankenhäuser in der Region, die ebenfalls Geburtshilfe anbieten, könnten auf Schadensersatz klagen. Ein Risiko, das weder Klinikleitung noch Politik eingehen wollen.

Für Krzysztof Kazmierczak wäre es die sauberste Lösung, wenn die Kassen die Vergütung der Geburtshilfe erhöhen würden. Derzeit erhält ein Arzt für die Entbindung 400 Euro, 1200 hält der Krankenhaus-Geschäftsführer für angemessen, um auch die Versicherungsbeiträge abzudecken. Das nötige Geld sei bei den Kassen vorhanden, die einer Erhöhung auch nicht ablehnend gegenüberstünden.

Und eine Umwandlung der Geburtshilfe von einer Beleg- in eine Hauptabteilung mit angestellten Ärzten, bei der die Klinik die Haftpflichtprämien übernehmen könnte? Neben einem Chefarzt wären ein Oberarzt und acht Assistenzärzte nötig, um den Bereitschaftsdienst zu gewährleisten, zählt Kazmierczak auf: „Sie finden diese Leute nicht.“

Trotz der schwierigen Lage sieht der Klinik-Geschäftsführer keinen Grund zur Hysterie. „Ich gehe davon aus, dass wir eine Lösung finden“, betont er. Eine Sicherheit gebe es allerdings nicht. Wichtig sei es jetzt, aus München das richtige Signal zu bekommen.

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