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Natur

24.10.2017

Beim Insektenschutz sind alle gefordert

Bienen leisten durch die Bestäubung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Wenn sie weniger werden, gehen auch die Qualität und der Ertrag der Früchte zurück. 
Bild: dpa

Eine Studie hat gezeigt, dass die Zahl der Kleinstlebewesen in Deutschland rapide sinkt. Mit fatalen Folgen für das Ökosystem. Was Landwirte und Umweltschützer dazu sagen.

In den vergangenen 30 Jahren ist der Insektenbestand in Deutschland um mehr als drei Viertel gesunken. Das hat eine groß angelegte Studie eines internationalen Expertenteams herausgefunden (wir berichteten. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg werden diese Meldungen mit Sorge beobachtet. Insekten wie Bienen dienen als Bestäuber von Pflanzen. Sie sind daher sehr wichtig für das gesamte Ökosystem und auch für die Landwirtschaft. Umweltschützer machen jedoch gerade die konventionelle Landwirtschaft für den Insektenschwund verantwortlich.

Dem tritt Reinhard Herb, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), entgegen. Seiner Ansicht nach ist das Insektensterben kein alleiniges Phänomen auf landwirtschaftlich genutzten Feldern. Er sagt: „Auch auf Naturschutzflächen, wo die meisten Messungen stattfinden, hat die Artenvielfalt drastisch abgenommen.“ Die Forscher in der besagten Studie haben zwischen 1989 und 2016 das Insektenaufkommen in 63 Naturschutzgebieten untersucht. Herb ist deshalb der Meinung, dass jeder einen kleinen Teil zum Schwund beitrage. So blieben beispielsweise viele Insekten auf den Windschutzscheiben fahrender Autos kleben.

Monokulturen sind der Tod für Insekten

Otfried Horn vom Bund Naturschutz in Friedberg sieht dagegen vor allem die Landwirte in der Verantwortung. Denn die bewirtschafteten die größten Flächen und würden durch den massiven Einsatz von Pestiziden zum Rückgang der Artenvielfalt beitragen. Auch die Monokulturen seien der Tod für Insekten. Dabei könnten auch die Landwirte einen Beitrag leisten, indem sie kleine Randstreifen der Natur überlassen und diese nicht mit Pestiziden behandeln. „Das würde den Ertrag etwas mindern, aber dem gesamten Ökosystem zu Gute kommen“, betont Horn. Leider zähle da jeder Euro mehr.

Reinhard Herb kann derzeit keine großen Auswirkungen bei der Ernte durch das Insektensterben erkennen, räumt aber ein: „Mittelfristig haben wir Probleme mit der Befruchtung.“ Um dem Insektensterben entgegen zu wirken, gibt es im Wittelsbacher Land bereits einige Projekte. Wolfgang Grinzinger, Sachgebietsleiter im Landratsamt für Naturschutz, Gartenkultur und Landespflege, sagt: „Durch Neuanlegung, Schutz und Pflege von Biotopen soll neuer Lebensraum für Insekten geschaffen werden.“ Eine dieser Flächen rief der Landschaftspflegeverband in der Dasinger Sandgrube ins Leben. Eine andere ist im Gemeindegebiet Pöttmes zu finden. Wichtig sei, diese zahlreichen Biotope miteinander zu verbinden. Denn „ein isoliertes Biotop auf einem Feld macht keinen Sinn“, stellt Grinzinger fest. Allerdings müssten erst die Inhaber bereit sein, Ackerland dafür aufzugeben.

Mähen statt mulchen

Auch Horn spricht sich für eine Erweiterung solcher Gebiete aus. „Gerade kleinere Flächen, die sowieso nicht gut zu bewirtschaften wären, sollten der Natur überlassen werden“, sagt Horn. Denn nur so könne die ökologische Vielfalt gefördert werden. Umso wichtiger hält er die Entscheidung vieler Kommunen, Wiesen und Straßenränder zu mähen und nicht zu mulchen.

Wolfgang Grinzinger vom Landratsamt erläutert den Sinn dieses Projektes, das der Landesbund für Vogelschutz initiiert hat: Beim Mulchen wird das abgemähte Gras gehäckselt und anschließend auf dem Feld verstreut. So werden dem Boden Nährstoffe zugeführt. Das Gras überdeckt allerdings Blühpflanzen. Zudem kann es zu einer Überdüngung führen. Einige Pflanzen und Kräuter wie Sauerampfer, Wiesensalbei und Margeriten bevorzugen aber magere Böden. Von diesen und anderen Blühpflanzen ernähren sich Insekten. Diese sind wiederum Nahrung für viele Vögel. „Das Mulchen ist eine Katastrophe für die Natur, da Pflanzen und Kleinstlebewesen regelrecht zerschlagen werden“, so Horn. Mähen sei da die deutlich bessere Lösung. Vorausgesetzt, das gemähte Material wird abgetragen.

Außerdem spiele der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. „Leider wird oft schon gemäht, bevor die Kräuter ausgesamt haben“, sagt Horn. Das verhindere das Nachwachsen der Pflanzen. „Wenn an einer Straßenkreuzung alles zugewachsen ist und man nichts mehr sieht, muss das natürlich weg“, so Horn. Aber es gebe genug öffentliche Flächen, die erst spät im Herbst gemäht werden könnten.

Verantwortung beginnt im eigenen Garten

Horn sieht aber auch Privatpersonen in der Verantwortung. So empfiehlt er, nicht gleich jeden Löwenzahn auszurupfen, sondern Unkraut im eigenen Garten auch mal wachsen zu lassen. Denn das dient zahlreichen Insekten als Nahrungsgrundlage und bietet Schutz. „Die deutsche Ordnung im Garten ist insektenfeindlich“, so der Naturschützer. In Privatgärten werde mehr Gift pro Quadratmeter eingesetzt als in der Landwirtschaft. Auch das sei ein Grund für den Rückgang der Artenvielfalt.

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