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Aichach-Friedberg

11.05.2020

Berufsschule und Corona: Ein großer Aufwand, den kaum einer sieht

Cornelia Nieberle-Schreiegg schildert die besondere Situation an den Beruflichen Schulen im Wittelsbacher Land.
Bild: Sarah Pfänder

Plus An den Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land werden die Abschlussklassen wieder unterrichtet. Warum das mit besonderen Herausforderungen verbunden ist.

Bitte mehr Hausaufgaben – mit diesem Wunsch sah sich Cornelia Nieberle-Schreiegg konfrontiert, bevor die Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land wieder für die Abschlussklassen öffneten. Die Schulleiterin überraschte diese eher seltene Motivation jedoch nicht: „Einige hatten nicht viel zu tun. Da ihre Betriebe wegen Corona schließen mussten, arbeiteten sie nicht, wollten mit ihrer Ausbildung aber weiterkommen.“

Dies betraf zum Beispiel Auszubildende bei Möbelunternehmen. Denn diese waren lange Zeit geschlossen. Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel dagegen blieb nicht viel Zeit zum Lernen. Beide Berufsgruppen besuchen die gleichen Kurse in der Berufsschule. „Dieses Ungleichgewicht bei der Auslastung gilt es nun auszugleichen“, sagt Nieberle-Schreiegg.

Schüler im Wittelsbacher Land mit unterschiedlicher Vorbildung

Laut der Schulleiterin klappt das derzeit ganz gut, seit die Berufsschule für Abschlussklassen geöffnet ist. „Wir sind es gewohnt, Schüler auf ein ähnliches Niveau zu bringen“ sagt Nieberle-Schreiegg. Doch nicht nur was die Belastung angeht, auch die Vorbildung der Schüler ist oft unterschiedlich. „Schließlich haben wir Förderschüler ebenso wie Abiturienten an unserer Schule.“

Wie kommen die Jugendlichen selbst mit dieser ungewohnten Situation zurecht? Annika Loibl sagt, dass ihr der Umgang der Menschen mit der Krise Angst macht, nicht die Krise an sich. Der angehenden Automobilkauffrau macht insbesondere zu schaffen, dass sie kaum ihrem Hobby bei der Freiwilligen Feuerwehr nachgehen kann.

Gelernt habe die junge Frau jedoch, dass sie nicht auf alle Nachrichten hört: „Die Verbreitung von Fake News finde ich schlimm.“

In Friedberg machen die Einzelhandels-Azubis ihren Abschluss

Gelernt hat auch Schulleiterin Nieberle-Schreiegg: „Die Präsenz an der Schule ist durch nichts zu ersetzen.“ Doch dies berge auch Hürden: „Wir müssen natürlich sehr auf die Hygiene achten“, sagt Nieberle-Schreiegg. Das gilt besonders für Friedberg, wo der größere Teil der insgesamt 600 Schüler aus den Abschlussklassen unterrichtet wird. Denn hier lernen auch die Einzelhändler, von denen einige bereits in der elften Klasse ihren Abschluss machen.

Für mehr Schüler gebe es unter den aktuell erschwerten Bedingungen jedoch keine Kapazitäten. Laut Schulleiterin Nieberle-Schreiegg wäre es demnach ein Problem, wenn zusätzlich weitere Klassen in die Schule müssten. Dies ist jedoch noch nicht der Fall. Derzeit werden die Klassen geteilt, es gibt pro Raum nur 14 Schüler und einen Lehrer.

Es gab für die Schulen keine Desinfektionsmittel mehr

Zudem haben die Schüler Flyer bekommen, auf denen die Richtlinien zur Hygiene zusammengefasst sind. Darin geht es insbesondere um das Händewaschen ebenso wie den Mindestabstand und eine allabendliche Reinigung der Pulte. „Desinfektionsmittel haben wir jedoch nicht so viel bekommen. Es gab einfach nichts mehr“, sagt Schulleiterin Nieberle-Schreiegg.

Ihr Kollegium lobt sie dabei explizit. „Die Lehrer haben mich unterstützt und tragen die Maßnahmen mit.“ Zudem seien sie nun neben dem Unterricht an der Schule weiterhin beim Erstellen von Lernmaterial für die Daheimgebliebenen eingespannt. Dies alles zu leisten, ist eine große Herausforderung. „Wir müssen alle Hygienevorschriften für Schüler und Lehrer einhalten. Und nun kommen auch die Prüfungen auf uns zu“, sagt Nieberle-Schreiegg.

Jede Innung hat eigene Püfungsordnung

Dies sei die komplizierteste Aufgabe. Denn jede Innung, jede Kammer hat ihre eigene Prüfungsordnung. Deshalb ist bei jedem Berufszweig eine individuelle Planung vonnöten. „Bis zu den Pfingstferien kriegen wir wohl unsere schulischen Abschlussprüfungen durch“, sagt die Direktorin. Die Prüfungen in den Betrieben sind für die Zeit danach vorgesehen.

„Wir haben von allen Schultypen den größten Aufwand, fallen aber immer wieder unter dem Radar“, sagt Nieberle-Schreiegg. Zwar könne sie sich auf ihr Organisationsteam und ihre Stellvertretung stets verlassen.

Lehrer im Wittelsbacher Land finden sich nicht genügend gewürdigt

Trotz dieser großen Verantwortung der Berufsschule werde sowohl von der Politik als auch von der Gesellschaft das Engagement der Lehrkräfte jedoch oft nicht entsprechend gewürdigt. „Dabei haben wir eine eigene Onlineplattform entworfen, weil die des Kultusministeriums oft überlastet war“, sagt Nieberle-Schreiegg.

Die Probleme gebe es insbesondere bei der digitalen Infrastruktur: „Wir haben Schüler ohne Internetzugang. Manche sind nur schwer zu erreichen, weil ihr Dorf in einem Funkloch liegt.“ Zudem seien einige Familien nicht mit einem Laptop ausgestattet. Dann wird es sogar mit den Hausaufgaben schwer.

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