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Hobby in Kissing

17.02.2018

Bestrickende Treffen

Stricken ist wieder in. In Kissing trifft sich jeden Mittwoch ein Kreis begeisterter Handarbeiterinnen. Dabei geht es aber auch um andere Themen.
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Stricken ist wieder in. In Kissing trifft sich jeden Mittwoch ein Kreis begeisterter Handarbeiterinnen. Dabei geht es aber auch um andere Themen.
Bild: Sabine Roth

Eigentlich wollten sie Krimis hören. Doch nun kommen in der Kissinger Bücherei Frauen jeden Mittwoch zum Handarbeiten und Ratschen zusammen. Sogar ein Kunstwerk ist dabei schon entstanden.

Handarbeiten liegen im Trend. Viele Menschen jeden Alters lieben es, etwas zu nähen, zu stricken oder zu häkeln. Sie sind stolz darauf, ihre eigenen Kreationen zu tragen. Das beweisen auch die Fotos und Videos, die auf der Online-Plattform Youtube oder in den sozialen Netzwerken im Internet verbreitet werden. „In den letzten Monaten sind sie wie Pilze aus dem Boden geschossen. Handarbeiten sind wieder angesagt“, sagt Ursula Schmidt. Sie hat das schon früh erkannt und bereits vor acht Jahren in Kissing den Stricktreff ins Leben gerufen hat.

Die frühere Mitarbeiterin der Gemeindebücherei, die erst vergangenes Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde, erinnert sich noch gut an die Entstehung: „Das war während der 25-Jahr-Feier der Bücherei. Zuerst wollten wir einen Krimistrick als literarisches Kränzchen einrichten und neben dem Stricken einen Krimi anhören.“ Doch das ließ sich nicht in dieser Form umsetzen, denn die meisten wollten sich gerne unterhalten und miteinander Spaß haben. Da war ein Hörspiel eher hinderlich.

So entstand aus der Aktion der Stricktreff. Jeden Mittwoch kommen von 10 bis 12 Uhr mehrere Frauen – die meisten sind bereits im Rentenalter oder arbeiten in Teilzeit – in die Bücherei und tauschen sich aus. Sie sitzen in einer gemütlichen Runde in der Sitzecke. Zusammen kommen sie auf neue Ideen. „Das Material schmiegt sich nicht so an, finde ich“, sagt beispielsweise eine. Dann wird getestet und ausprobiert. Doch es geht nicht nur um Fachliches, sondern auch um die Enkelkinder, den Urlaub und tolle Rezepte. Aber auch über Krankheiten, den Garten, über die Ehemänner und das aktuelle Weltgeschehen wird gesprochen.

Die Leiterin der Bücherei, Petra Scola, findet den Stricktreff klasse: „Das Strickteam belebt unsere Bücherei.“ Ein Handarbeitsregal mit Büchern und Stricknadeln steht direkt neben der Sitzecke. „Das ist wie eine Art Börse bei uns. Hier holen sich die Strickdamen ihre Ideen. Viele kopieren sich dann auch die Anleitungen. Drei Stück gibt es kostenlos“, freut sich Scola. Dass hier gestrickt wird, sieht man an der mit Strickmustern geschmückten Säule hinter der Treppe, die in den ersten Stock der Bücherei führt. Viele Damen haben sich hier schon verewigt und jeweils ein Teil dazu beigetragen. Dadurch sei die Säule nicht mehr so langweilig und sehe jetzt schön bunt aus.

Für die meisten ist der Mittwochvormittag ein Pflichttermin. Da muss manche Hausarbeit zurückstehen. Für die Ehemänner der Hobbystrickerinnen ist das aber kein Problem. Sie wissen, am Mittwoch ist Stricktreff. „Inzwischen sind wir schon 19 Frauen, in der Regel kommen aber nicht immer alle“, erzählt Schmidt. Dabei wird auch gehäkelt. Stolz zeigt Franziska Meeh ihre blaue Tasche her und schwärmt: „Das ist ein tolles Ambiente hier. Im Sommer gehen wir raus und sitzen dann auf der kuscheligen Terrasse hinter der Mehrzweckhalle der Grundschule.“ Handarbeiten war immer ihr Lieblingsfach in der Schule. Sie hat heute noch jedes Mal ihre Tasche von damals mit dabei und bewahrt dort ihre Utensilien auf.

Manche stricken nur Socken. Das aber in allen Farben und Mustern. Da kommen über das ganze Jahr schon mal hundert Paar zusammen. Deshalb werden die meisten Stücke über eine gemeinnützige Organisation zum Beispiel auf Märkten verkauft. Jutta Strehle liebt es größer. Seit rund zehn Jahren strickt sie Decken für die Organisation Humedica in Kaufbeuren, die dann an Kinder in Krisengebieten gehen.

Andere Länder, andere Sitten: Joanna Rottmann kommt aus Holland. Deshalb hat sie besonders lange Stricknadeln in der Hand – 40 Zentimeter. In Holland wird anders gestrickt als in Deutschland. Rottmann zeigt, wie es geht. Eine Nadel klemmt sie unter den Arm und dann kann es losgehen. Das Ergebnis ist das Gleiche, doch wenn die anderen Frauen neben ihr sitzen, denkt die quirlige Strickerin insgeheim: „Um Gottes willen, was machen die denn da!“ Wenn sie neue Nadeln braucht, muss Rottmann nach Holland fahren. Für sie sei das kein Problem, denn dann hat sie gleich einen Grund, wieder mal ihre Heimat zu besuchen.

Die Kissingerin Christel Fresz hat sich ihre eigene Stricktasche gemacht. Darauf ist sie besonders stolz, denn hier ist alles drin, was sie braucht.

Und Angela Donath freut sich, wenn eines ihrer Schultertücher fertig ist. Einmal hat sie sogar 55 Stunden gebraucht. Es hatte eine Spannweite von zwei Metern. Stolz zeigt sie eines ihrer Tücher her.

Oft werden saisonale Dinge gestrickt: zu Weihnachten Socken für die Männer, zu Ostern Häschen und Hühner. Im vergangenen Sommer wagten sich aber acht Strickerinnen an ein buntes Bild, das im Rahmen der „Paarkunst“ entstand. Es zeigt die Landschaft an dem Fluss. Einen Teil davon haben die Kissingerinnen beim Stricktreff gemacht. Danach wurden alle einzelnen Stücke – insgesamt beteiligten sich sechs Gemeinden an dem Projekt – zusammengenäht.

Im Moment ist das gesamte Bild in Schrobenhausen in den Räumen des Kunstvereins ausgestellt. Büchereileiterin Scola hofft, dass es irgendwann einmal in Kissing hängen wird.

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