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Inklusion

17.11.2018

Betroffene müssen auf Verbesserung lange warten

Josef Koppold, Behindertenbeauftragter des Landkreises (links), dankt Merings Behindertenbeauftragten Georg Schneider von Herzen für die gute 17-jährige Arbeit.
Bild: Christine Hornischer

Merings Behindertenbeauftragter Georg Schneider tritt aus Altersgründen zurück. Für seine Nachfolge hat er aber auch schon einen Kandidaten gefunden. Und für den gibt es weiter viel zu tun

Inklusion ist ein viel diskutierter Begriff. Das wurde beim „Runden Tisch zur Inklusion“ im Caritas-Seniorenzentrum St. Agnes deutlich, zu dem Georg Schneider geladen hatte. Unter anderem bedeute es Barrierefreiheit, so der Behindertenbeauftragte des Marktes Mering: „Barrierefreiheit ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass alle Mitbürger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

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Wichtig sei es, dass Menschen mit Behinderungen und Vertreter der verschiedenen Einrichtungen und Gruppen regelmäßig zusammenkommen, um Hindernisse aufzuzeigen und gemeinsam in zwangloser Runde Lösungsvorschläge zu sammeln. 17 Jahre lang waren die Belange der Menschen mit Behinderung der Lebensmittelpunkt Schneiders. Aus Altersgründen hat er bei der Gemeinde seinen Rücktritt zum 1. Januar 2019 eingereicht. Als seinen Nachfolger schlägt er Stefan Heigl vor. Der 37-Jährige bringt Erfahrung mit, ist er doch Inklusionsbeauftragter bei der IHK Schwaben. Josef Koppold, Behindertenbeauftragter des Landkreises, war sehr traurig über die Rücktrittsnachricht, weil „wir zusammen so viel erreicht haben“. Mit der Nachfolge durch Stefan Heigl sei er mehr als einverstanden, warnte ihn aber vor: „Die Fußstapfen sind sehr groß!“ Die letzte Entscheidung aber liegt beim Markt Mering.

Schneider bedauerte, dass die offene Sprechstunde von Gerhard Frick (Offene Behindertenarbeit), Josef Koppold, Alfred Schwegler (Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund) und ihm im Caritas-Seniorenzentrum St. Agnes in nur sehr geringem Ausmaße angenommen werde. „Wir haben da sogar ein separates Besprechungszimmer, wo keiner mithören kann“, gab er seiner Verwunderung Ausdruck. Die Aufträge an die Gemeinde wie zusätzliche Ruhebänke oder Bordsteinabsenkungen, die im vergangenen Jahr von der Inklusionsrunde gestellt wurden, werden ausgeführt, so Schneider. So sei es ihm seitens des Marktes zugesagt worden. Die Mail mit seiner Anfrage stellte er bereits am 7. Dezember 2017 – die Antwort kam allerdings am 8. August 2018. Trotzdem sammelte der fleißige Behindertenbeauftragte wieder alle Einwände der anwesenden 16 Personen.

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So monierte Martina Kreitmayr, dass die Rollstuhlklingel am Rathaus nicht funktioniere. Waltraud Sedlmair, Leiterin der MS-Selbsthilfegruppe, machte darauf aufmerksam, dass die Meringer Tafel und die Kleiderkammer für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen seien. Rollstuhlfahrer könnten zwar unten klingeln und Hilfe in Anspruch nehmen, doch bei Kleidung sei das Unsinn, so Sedlmair weiter. Fast paradox bezeichnete Stefan Heigl die Situation bei Merings Apotheken, die bis auf die Apotheke am Marktplatz keine Rampen hätten. Georg Schneider erläuterte, er habe einmal einen Plan für Rampen gemacht, aber der sei dem Marktbauamt zu gefährlich gewesen.

Auch die Parkplatzsituation am Ärztehaus wurde angesprochen. Wenn die Busse der Tagespflege ein- und ausfahren, sei es unmöglich, an den Behindertenparkplatz zu kommen, so eine Betroffene. Josef Koppold will sich die Situation anschauen. Auch das Gymnasium in der Tratteilstraße berge einen neuralgischen Punkt, wusste eine Betroffene. Zum einen ginge die Tür fast nicht auf, weil sie so schwer war, zum anderen verkomme die Toilette zur Abstellkammer. Auch um diesen Sachverhalt will sich Josef Koppold kümmern.

Einig waren sich aber alle, dass Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen sehr lange dauern. „Wir sind ja schon froh, wenn alles, was neu gebaut wird, barrierefrei ist“, sagte Georg Schneider. Und Josef Koppold fügte hinzu: „Alles geht langsam Schritt für Schritt.“

Es gab aber auch Erfreuliches zu berichten. Franz Sedlmeir vom Bürgernetz konnte von einem Auto berichten, das durch Sponsoren bald der Sozialstation und dem Bürgernetz zur Verfügung stehe. Hier lobte er die Zusammenarbeit zwischen Klaus Mayinger von der Sozialstation und dem Bürgernetz Mering.

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