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Sportskanone

28.02.2018

Christine Hammerl beherrscht die Kugel

Drei Schritte Anlauf und dann volle Konzentration: Christine Hammerl gehört beim Kegeln zu den besten Spielerinnen der Regionalliga. Beim KC Pöttmes hat sie im Alter von elf Jahren mit dem Sport angefangen. Nebenbei spielt die Erzieherin auch noch Fußball bei der SG Sandizell-Grimolzhausen. 
Bild: Sebastian Richly

Plus Die 28-Jährige spielt beim KC Pöttmes in der Regionalliga und gehört dort zu den Besten.  Sie könnte auch  Bundesliga spielen. Warum sie darauf verzichtet. 

Fest hat Christine Hammerl die Kugel im Griff. Volle Konzentration, dann folgen drei gleichmäßige Schritte und schon gleitet die Kugel in einem ganz leichten Bogen über die Bahn. Das laute Poltern der umfallenden Kegel verrät – die 28-Jährige hat abgeräumt. Das kommt bei ihr nicht selten vor. Aufgrund ihrer Leistungen könnte die Lehrerin für Sport und Mathematik auch in der Bundesliga spielen. Doch die Keglerin spielt stattdessen für ihren Heimatverein KC Pöttmes in der Regionalliga. „Ich hatte schon Anfragen, aber ich wollte lieber in meinem Team spielen. Das passt einfach und macht mir Spaß. Das ist doch das Wichtigste.“ Die 28-Jährige gehört zu einer Keglerfamilie. Insgesamt fünf Hammerls greifen in Pöttmes zur Kugel.

Mit elf Jahren machte Christine Hammerl ihre ersten Schübe. Vater Werner, der selbst seit vielen Jahren aktiv kegelt und sich als Vorsitzender um fast alles im Verein kümmert, nahm sie oft mit auf die Bahnen. Auch ihr jüngeren Bruder Lorenz spielt beim KC. Die Familie sei auch ein Grund, warum sie dem Sport treu geblieben ist: „Das hilft natürlich. Zu einer Randsportart wie Kegeln kommt man heutzutage ja kaum anders“, so die Lehrerin, die an einer Förderschule in Neuburg unterrichtet. Hinzu kam, dass auch viele Schulkameraden damals den Sport ausübten. „Wir waren im gleichen Alter und hatten sehr viel Spaß zusammen.“

Vom Jugendteam von damals ist heute nur noch Christine Hammerl aktiv. Doch selbst sie hatte 2009 einmal für ein Jahr ausgesetzt. „Da hatte ich einfach keine Lust.“ Danach kam sie aber wieder zurück. Und wie: Mit durchschnittlich 540 Holz gehört sie zu den besten Spielerinnen der Regionalliga. Eine Zahl, die manche Bundesligaspielerin nicht erreicht. Doch die 28-Jährige bleibt bescheiden. Nicht umsonst betitelt sie den Pöttmeser Aufstieg 2013 in die Bayernliga als ihren sportlichen Höhepunkt. Und das, obwohl sie in der Jugend bayerische Meisterin wurde und bei den deutschen Titelkämpfen dabei war. Zudem ist sie aktuelle Kreismeisterin. „Ich trete aber lieber im Team an“, sagt sie.

Dem Klischee des Altmännersports in verrauchten Kellerräumen tritt sie entschieden entgegen. „Das war früher vielleicht einmal, aber heute ist das ganz anders.“ Kegeln könne man bis ins hohe Alter ausüben, was allerdings nicht heißt, dass ein Wettkampf nicht anstrengend ist. Insgesamt 120 Mal wirft Christine Hammerl die Kugel an einem Spieltag. Beim Spiel auf die „Vollen“ versucht jeder Spieler mit jedem Wurf, möglichst viele Kegel abzuräumen. Das ist aber nur die halbe Miete. Beim „Abräumen“ geht es dann darum, mit möglichst wenigen Würfen alle Kegel zu treffen. Hier bleiben nicht umgefallene Kegel stehen. „Da ist Taktik gefragt. Wenn der erste Wurf zu mittig kommt, bleiben die Kegeln links und rechts stehen. Das ist natürlich suboptimal“, so Hammerl. Deshalb hat sie auch eine spezielle Taktik: „Ich versuche gar nicht komplett abzuräumen, sondern möglichst eine Seite freizuwerfen.“ Risiko geht sie meist nur dann ein, wenn sie einen Rückstand aufholen muss.

Als letzte von sechs Spielerinnen ihres Teams weiß sie genau, welche Holzzahl sie abrufen muss: „Das ist schon sehr taktisch und kann auch unheimlich spannend sein.“ Denn häufig entscheiden die letzten Bahnen über Sieg oder Niederlage des gesamten Teams. „Der Druck ist zwar hoch, aber ich mag das. Die Zuschauer geben nochmals alles und alle feuern dich an.“ Ein Duell kann bis zu einer Stunde dauern. Neben der Konzentration spielt die Technik eine wichtige Rolle. Gerade der Anlauf sei enorm wichtig: „Wenn der nicht stimmt, kann man den Wurf nicht mehr wirklich retten. Es muss eine flüssige Bewegung sein. Im Prinzip ist es normales schnelles Gehen, aber mit der Kugel in der Hand ist das natürlich schwieriger.“ Die Kugeln haben anders als beim Bowling keine Löcher und sind kleiner. Bis zu zwei Mal pro Woche trainiert die 28-Jährige auf den heimischen Bahnen. Mindestens genauso oft steht sie aber auf dem Fußballplatz. Hammerl spielt bei der SG Sandizell-Grimolzhausen in der Kreisliga Augsburg.

Christine Hammerl kegelt beim KC Pöttmes in der Regionalliga. Die 28-jährige Lehrerin könnte auch in der Bundesliga spielen.

Video: Sebastian Richly


Der Fußball begleitet sie schon länger als das Kegeln – mit sechs Jahren fing sie beim SV Echsheim-Reicherstein an.

Aktuell hat aber Kegeln Vorrang, denn mit dem KC Pöttmes kämpft sie um die Qualifikation für die Landesliga. Am vergangenen Spieltag gab es gegen den Tabellenführer Seeshaupt zwar eine Niederlage, Christine Hammerl war mit 573 Holz aber ligaweit die Beste.

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